Explosion erwünscht

Donnerstag, 10.09.2015 | 21:15 Uhr
Kingsley Coman soll beim FC Bayern München einschlagen
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Kingsley Coman soll sich in den nächsten zwei Jahren nicht nur für eine Weiterbeschäftigung beim FC Bayern empfehlen, sondern auch idealerweise gleich helfen, um Planstellen im Kader zu schließen. Damit ihn nicht das Schicksal der letzten Bayern-Leihgabe ereilt, bekommt Coman Hilfe: vom Trainer, einem Landsmann - und sich selbst.

816 Minuten. Vielleicht waren es ein paar Sekunden mehr - oder auch weniger. Aber es ist jedenfalls diese Größenordnung, die fleißige Statistiker dokumentiert haben. Kingsley Coman, 19 Jahre jung, hat als Profi-Fußballer im Herrenbereich bisher keine Minute mehr absolviert.

Bedenkt man, dass der Franzose erstmals im Februar 2013 Profiboden bei Paris Saint-Germain betrat und 816 Minuten umgerechnet nicht einmal zehn Spiele ausmachen, ist die Zahl nicht sonderlich hoch. Schon gar nicht für einen Spieler, den Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer als "eines der größten Talente Europas mit außergewöhnlichem Potenzial" beschreibt.

Erinnerungen an Usami

Aus diesem Grund hat ihn der FC Bayern auch verpflichtet. Dass man aber nicht komplett von Zweifeln befreit ist, beweist der Transfervertrag, den die Münchener mit Juventus Turin abgeschlossen haben. Coman wurde für zwei Jahre ausgeliehen, die Vereinbarung schmückt die obligatorische Kaufoption. Es ist eher ungewöhnlich, dass der FC Bayern Spieler ausleiht. Der letzte war Takashi Usami 2011.

Auch beim Japaner wollten die Münchener abwarten, ob er auf dem hohen Niveau sein zweifelsfrei großes Talent abrufen kann. So in etwa dürfte es auch bei Coman sein, wobei der offensiv vielseitige Teenager sicherlich ein anderes Kaliber als das Leichtgewicht Usami darstellt und wohl früher helfen wird als gedacht. Usami konnte nicht helfen und musste nach einem Jahr wieder gehen. Bei Coman hat der Verein andere Erwartungen.

Coman als Robben-Ersatz?

"Wenn der Trainer ihn aufstellt, dann wird er explodieren", sagte Sammer am Donnerstag bei der Vorstellung des Neuzugangs, der künftig die Nummer 29 beim FC Bayern tragen wird. Die Nominierung Pep Guardiolas könnte schon am Samstag im Heimspiel gegen den FC Augsburg erfolgen: "Ich bin bereit", sagt Coman, der zuletzt zwei Mal für Frankreichs U21 auflief und gefiel.

Da neben dem langzeitverletzten Franck Ribery nun auch Arjen Robben für mehrere Wochen ausfällt, hat Pep Guardiola auf den Außenpositionen abermals offene Stellen zu besetzen. Douglas Costa hat Riberys Lücke mehr als eindrucksvoll geschlossen, Coman könnte Robbens Ausfall als Chance nutzen, um bei seinem neuen Klub gleich mal ein Ausrufezeichen zu setzen, auch wenn er nach eigenen Angaben lieber links spielt.

Coman lobt Coman

Verbal hat Coman, der bei seiner Vorstellung mit ein paar Halbsätzen und kurzen Antworten zunächst zurückhaltend wirkte, aber dann klare Ansagen machte, bereits erste Duftmarken gesetzt. Auf die Frage, wie er sich selbst beschreiben würde, legte der Youngster ein klares Statement ab: "Ich bin der Spieler, der den Unterschied macht - und zwar in jeder Minute des Spiels. Ich kann jede Minute alles rausreißen und ich werde immer alles geben."

Da Comans Dolmetscherin in der dritten Person sprach, ging man kurz davon aus, der junge Mann auf dem Podium über einen anderen Spieler spricht. Dem war aber nicht so. Coman betrieb mächtig Eigenwerbung und schickte hinterher: "Ich kann sofort spielen. Ich fühle mich in guter Verfassung."

Derartiges Selbstvertrauen mag im konservativen Bayern zunächst kritisch beäugt werden, aber Sammer mag die forsche Art seiner letzten Neuerwerbung und konnte sich ein Lächeln auch nicht verkneifen, als Coman Coman lobte.

Forsch! Wie sonst?

Aber Sammer sieht darin auch die einzige Chance, dass sich der Ausgeliehene zu einem langfristigen Bestandteil der Bayern-Familie entwickelt: "Wir haben seine Beine, seinen Körper, seinen Kopf, seine fußballerischen Qualitäten, aber auch seine Aussagen ausgeliehen", so Sammer und fragte dann, wie sich der Neue ohne dieses Selbstvertrauen behaupten könne? Die Bayern mögen ihren forschen Neuzugang, die angesprochene Explosion wird explizit erwünscht.

Auf dem Weg der Integration hilft ihm der Klub, der einen Sprachlehrer zur Verfügung stellen will. Guardiola, der wie Coman perfektes Italienisch spricht und auch Ribery, der seinem Landsmann versprach, zu helfen und erste Schritte bereits unternahm, stehen zudem bereit. Coman nennt Ribery "ein Vorbild", dem er aber den Platz idealerweise streitig machen will.

Viel Zeit bleibt ihm nicht. Zwei Jahre Leihzeit klingen viel, könnten aber auch zu wenig sein, um sich für eine Weiterverpflichtung zu empfehlen. Nochmal nur 816 Minuten in zwei Jahren werden definitiv nicht reichen.

Kingsley Coman im Steckbrief

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