Darmstadt gegen Goliath

Freitag, 18.09.2015 | 13:15 Uhr
In Darmstadt herrscht ob des Spitzenspiels Ausnahmestimmung
© getty
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Der SV Darmstadt 98 überrascht auch in der Bundesliga, doch am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER) ist der FC Bayern München am Böllenfalltor beim noch ungeschlagenen Aufsteiger zu Gast. Auf dem Papier haben die Lilien keine Chance gegen den Rekordmeister, das weiß man in Darmstadt - und dennoch will man die "wohl beste Mannschaft der Welt" mit den typischen Mitteln zumindest ärgern.

"Noch fünf Treffer", ruft Trainer Dirk Schuster bei der abschließenden Torschusseinheit am Donnerstag über den Platz. Vier Treffer fallen umgehend. Jan Rosenthal trifft nach einer Flanke von rechts, Marco Sailer netzt am kurzen Pfosten mit dem Kopf ein. Auch die anderen beiden Treffer fallen schnell. Nur der fünfte Treffer, der die Einheit beenden würde, will nicht gelingen.

Und so müssen die wenigen Zuschauer bei dem letzten öffentlichen Training vor dem Spiel gegen den FC Bayern noch in der Kälte ausharren. 13 Grad, Nieselregen. Es ist grau in Darmstadt. Es gab zuletzt angenehmere Tage in Südhessen.

Tobias Kempe ist es letztendlich vorbehalten, die Trainingskiebitze mit einem spektakulären Treffer zu erlösen. Eigentlich war die Flanke von rechts auf ihn einen Tick zu weit gespielt, der Aufstiegsheld aber macht zwei Schritte zurück, setzt zum Seitfallzieher an, liegt quer in der Luft und setzt die Kugel genau rechts oben ins Dreieck.

Der Torschütze dreht ab, als hätte er die Lilien abermals zum Aufstieg geschossen. Zu diesem Treffer fehlte eigentlich nur, dass die Sonne zwischen der Wolkendecke zum Vorschein gekommen wäre.

Stimmung? Bestens!

Luca Caldirola fiel Kempe daraufhin in den Arm, weitere Spieler folgten und begruben den Traumtorschützen unter sich, Außenstehende schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und schüttelten ungläubig den Kopf. Auch wenn es langsam herbstlich, trist und grau wird: Die Stimmung beim Aufsteiger ist bestens. Was nicht überraschend ist, hat der SVD als krasser Underdog doch aus den ersten vier Spielen sechs Punkte geholt, ist noch immer ungeschlagen und hat am vergangenen Wochenende den Champions-League-Teilnehmer aus Leverkusen besiegt und den ersten Dreier in der Bundesliga-Geschichte eingefahren. Als die Lilien das letzte Mal in der höchsten Spielklasse erfolgreich waren, gab es noch Zwei-Punkte-Regel.

"Den Sieg über Leverkusen haben wir sehr schnell verarbeitet. Beziehungsweise, wir haben ihn schnell abgehackt", sagt Schuster am Donnerstag: "Die Jungs sind nun fokussiert auf die nächste Aufgabe. Die wird schwer genug." In der Tat. Der Gegner aus München sei "unwahrscheinlich variabel, man kann sie gar nicht packen. Das was ich erlebt habe, hat mich schwer beeindruckt".

Nun ist Schusters Begeisterung für das Spiel der Bayern nicht exklusiv, dennoch will sich der SV Darmstadt 98 gegen die" beste Mannschaft Deutschlands, für mich sogar die beste Welt" nicht verstecken und verfolgt dabei einen Matchplan. Er habe bei der Beobachtung des kommenden Gegners minimal Schwachpunkte ausgemacht, "die werde ich aber hier nicht erzählen", so der Trainer schmunzelnd.

"Das normalste der Welt"

Die Lilien werden wohl nicht ähnlich hoch und aggressiv verteidigen wie gegen Leverkusen, ist der Meister aus München doch noch einmal ein anderes Kaliber als die Werkself. Das erklärte auch der Coach: "Wir dürfen nicht zu früh angreifen, müssen unsere ureigenen Tugenden aber auch gegen die Bayern auf den Platz bringen. Mal sehen wo wir unsere Kampfzone errichten."

Trotz des starken Saisonstarts ist man in Darmstadt nicht so vermessen, sich gegen den Rekordmeister etwas auszurechnen - auch wenn die Bayern am Mittwoch noch in der Königsklasse gegen Olympiakos aktiv waren. "Es wäre das normalste der Welt, wenn die Bayern am Samstag um 17.20 Uhr als Sieger vom Platz gingen", sieht Schuster die Lage der Dinge: "Da müssten Weihnachten, Ostern und was weiß ich noch welche Feiertage zusammenkommen. Wir brauchen einen richtigen Sahnetag, wenn wir gegen die Bayern etwas holen wollen."

Zwar ist die Lilien-Brust breit, keine Frage. Doch wird wohl der typische Fußball des Aufsteigers am Samstag vermutlich an seine Grenzen stoßen. Die Schuster-Elf hat gegen Schalke und Hoffenheim gepunktet, dabei aber wenig bis nichts für das Spiel getan und sich gleichzeitig an der Rande der Legalität bewegt. Vor allem nach dem Erfolg auf Schalke stand der Darmstädter Fußball in der Kritik. Das Spiel der Lilien ist das komplette Kontrastprogramm im Vergleich zum pep'schen Schönheitsideal. Der Aufsteiger kann ein Spiel zerstören, doch beim FC Bayer befindet sich so viele individuelle Klasse im Team, dass deren Fußball gar nicht zerstört werde kann. Auch wenn Spieler wie Xabi Alonso, Arturo Vidal und Robert Lewandowski fraglich sind.

Die wunderbare Einfachheit

Darmstadt hat die schlechteste Passquote und die wenigsten Ballbesitzzeiten in der gesamten Liga. Die Schuster-Elf weiß zu verteidigen und bricht den Fußball auf "den kleinsten Nenner herunter ", wie es 1899-Coach Markus Gisdol vor Kurzem beschrieb: "Das ist eine ganz eigenartige und ganz abartige Atmosphäre, genau wie die Spielweise. Das ist ein anderer Fußball-Stil, als der, den viele Mannschaften in der Bundesliga kennen", spielt der Hoffenheimer Trainer auch auf die Stimmung im altehrwürdigen "Bölle" an.

Die Geschichte am Samstag wird für Thomas Müller und Co. daher garantiert nicht einfach. Alleine die Gegebenheiten am Böllenfalltor werden für die Kicker von der Säbener Straße mindestens gewöhnungsbedürftig sein. Zwar kündigte Präsident Rüdiger Fritsch nach dem Aufstieg im Sommer an, dass man "die Hütte aufräumt, wenn der Pep kommt". Bisher ist davon aber noch wenig zu sehen.

Eigentlich erinnern irgendwie immer noch lediglich die Jubelbilder in den Katakomben vom Aufstieg im Sommer daran, dass Darmstadt jetzt erstklassig spielt. Der Presseraum, die Mixed-Zone, das alles sieht immer noch eher nach Regionalliga aus. Im Stadion selbst wurde noch etwas geschraubt und gewerkelt, die Werbung musste noch angebracht werden. "Der Präsident wird morgen eigenhändig noch kommen und hier persönlich fegen", sagte Schuster augenzwinkernd.

Die Bayern und das große Herz

Und so werden die Lilien das in die Waagschale schmeißen, was sie schon die ganze Saison machen. Sie werden kämpfen bis zum Umfallen, kratzen, beißen, lamentieren - einfach eklig sein. Es wird ganz grundehrlicher Fußball sein, der die Bayern erwartet. Man darf gespannt sein, wie sich Guardiola und seine Virtuosen darauf einstellen.

Bei aller Übermacht des FC Bayern hat man letztlich nicht vergessen, dass es ohne das Engagement des Rekordmeisters im Jahre 2008 wohl gar nicht zu der Paarung in der Bundesliga gekommen wäre. Damals half der FC Bayern den finanziell arg gebeutelten Lilien mit einem Benefizspiel. Dieses endete übrigens 11:5 für die Münchner.

Gefühlt haben sich die Kräfteverhältnisse seit dem nicht wirklich verschoben. Das Duell lautet immer noch Darmstadt gegen Golliath, aber ein solches Ergebnis wird es am Samstag wohl nicht geben. Solch ein Tor, wie das von Tobi Kempe im Training, wäre den Zuschauern am Böllenfalltor aber zu wünschen. Vielleicht klappt's ja auch gegen Manuel Neuer. Dann hätte der Treffer seinen verdienten Rahmen.

Der SV Darmstadt im Überblick

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