In Europa kennt ihn jede Sau

Von Frederick Müller
Mittwoch, 22.07.2015 | 19:22 Uhr
Abdul Rahman Baba hat einen steilen Werdegang hinter sich - und immer noch einiges vor sich
© getty
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Einer der begehrtesten Bundesligaspieler dieser Transferperiode spielt beim FC Augsburg: Abdul Rahman Baba sollen zahlreiche Angebote diverser europäischer Top-Klubs vorliegen. Die Fuggerstädter bleiben aber entspannt - und haben auch allen Grund dazu.

Abdul Rahman Baba bestreitet bisher den Weg einer Karriere, wie sie im Bilderbuch stehen könnte. Einzig sein Debüt auf deutschem Rasen müsste man dafür umschreiben: 30 Minuten lang stand der damalige Fürther Neuzugang in der ersten Pokalrunde gegen Kickers Offenbach auf dem Feld. Einen Tritt gegen Andre Hahn wertete Schiedsrichter Christian Dingert als Tätlichkeit - und der eingewechselte Baba flog prompt mit Rot vom Platz.

Es blieb eines von wenigen Negativerlebnissen einer steilen Karriere, die mit 17 Jahren den Weg von Ghana ins Frankenland fand. Die Spielvereinigung konnte ihr Glück damals kaum fassen, sicherten sie sich doch die Dienste eines Top-Talents, das von zahlreichen Top-Klubs Europas umworben wurde. "Fürth ist ein sehr sympathischer Verein und für einen jungen Spieler wie mich optimal. Ich möchte mich hier weiterentwickeln und im europäischen Fußball etablieren", begründete der Teenager damals seine Entscheidung für den Bundesliga-Neuling und gegen Chelsea, Arsenal und Co.

Schwaben statt Champions League

Mittlerweile sind die Karten neu gemischt. Fürth verabschiedete sich nach nur einem Jahr wieder in die zweite Liga und scheiterte ein Jahr darauf in der Relegation am HSV. Der Entwicklung von Baba Rahman, wie man ihn in der Heimat ruft, tat dies kein Abbruch. Mit konstant guten Leistungen konnte er die Hoffnungen in sein Talent erfüllen und weckte so manche Begehrlichkeit.

Doch Baba entschied sich wieder gegen den Schritt zum Top-Klub, wie ihn manche vielleicht gegangen wären. Der FC Augsburg griff für seine Verhältnisse tief in die Tasche und sicherte sich für 2,5 Millionen Euro die Dienste des Linksverteidigers. Und wieder zeugten die Beweggründe von Rationalität und waren gut durchdacht: "Viele Spieler kommen als unbeschriebenes Blatt und haben hier die Möglichkeit, ein besserer Spieler zu werden. Die Chance will ich auch nutzen und mich in der Bundesliga durchsetzen", erklärte er seinen nächsten Karriereschritt.

"Wir sind von ihm überzeugt"

Baba war gut beraten, er verzichtete auf eine Odyssee durch Europa, stattdessen blieb er bodenständig und entschied sich für einen soliden Verein, der weniger die Öffentlichkeit sucht und sich trotzdem im Aufwind befindet. "Er hat vom ersten Tag an einen guten Eindruck hinterlassen. Wir sind von ihm und seinen sportlichen Qualitäten uneingeschränkt überzeugt", freute sich auch Markus Weinzierl damals über seinen Neuzugang.

Und wieder wurden alle Erwartungen gesprengt. Der Jungstar fügte sich perfekt ins Spielsystem ein, überzeugte durch Lauffreude, Einsatzwille und Zweikampfstärke. Er spielte sich in der ersten Elf der Schwaben fest, kommt am Ende auf 31 Spiele über die volle Distanz. Zwischendurch marschierte er noch mit Ghana ins Finale des Afrika-Cups, wo man sich im Finale der Elfenbeinküste erst im Elfmeterschießen geschlagen geben muss.

Baba kennt jede Sau

Der FC Augsburg spielte seine erfolgreichste Saison aller Zeiten und geht unter dem Motto "In Europa kennt uns keine Sau" in die erste internationale Spielzeit der Vereinsgeschichte. Für den Ghanaer gilt dieser Slogan freilich nicht. Einmal mehr jagt in halb Europa. Real Madrid und Borussia Dortmund sollen bereits im Winter angeklopft haben, seit Ende der Saison gehören auch Chelsea, Arsenal, Juventus und Manchester City in die Riege derer, die ihn gerne holen würden.

"Nächste Saison spiele ich zu 100 Prozent beim FCA", meinte Baba zwar noch im Juni. Sein Berater revidierte diesen Treueschwur jedoch: "Die Qualität der Interessenten macht es wohl schwierig für Augsburg, ihn im Sommer zu halten", sagte Sascha Empacher.

Die Trümpfe in der Hand hält aber FCA-Manager Stefan Reuter. Babas Vertrag läuft noch bis 2019, eine Ausstiegsklausel gibt es nicht. Zudem würde es ihm nicht zu Gesicht stehen, sollte er plötzlich unter allen Umständen auf einen Abschied pochen. Der FCA kann sich also zurücklehnen und sich diverse Angebote anhören.

Top Mann - Top Preis

Das konkreteste kam dem Vernehmen nach bisher vom AS Rom. Die Italiener schickten eigens eine Delegation nach Augsburg, um die Verhandlungen voranzutreiben. Die Giallorossi sollen bereit sein, 15 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Zu wenig, fragt man den Vorstandsvorsitzenden, Klaus Hofmann: "Baba ist eines der Top-Talente auf der Welt. Wer uns eine Zahl wie 20 Millionen bieten will, kann sich die Kosten für den Anruf sparen".

Der Wert ihres Juwels ist den Augsburgern durchaus bewusst. Baba bekleidet mit der linken defensiven Außenbahn eine Position, die nur bei wenigen Spitzenvereinen zufriedenstellend besetzt ist. Bei Chelsea etwa konnte sich Filipe Luis nicht durchsetzen und flüchtete wieder zurück nach Madrid, bei der Roma sind Jose Holebas und Ashley Cole wohl über ihrem Zenit. Andere Top-Linksverteidiger wie David Alaba, Juan Bernat, Jordi Alba oder Marcelo sind in ihren Vereinen bestens aufgehoben. Ein Riesentalent wie Baba darf als 21-Jähriger auch seinen entsprechenden Preis haben.

Neue Kapitel folgen

"Wir wollen unsere sportliche Qualität halten, aber wenn extreme Summen auf den Tisch kommen, werden wir uns natürlich damit beschäftigen", stellte Reuter klar. Diese "extreme Summe" dürfte sich jenseits der 20 Millionen Euro befinden. Gleichzeitig ist der Manager aber auch guter Dinge, dass Baba noch mindestens ein weiteres Jahr bleibt: "Ich glaube, dass er für sich weiß, dass er sich in Augsburg noch mehr entwickeln und stabiler werden kann. Deshalb gehe ich davon aus, dass er bleibt".

Es bleibt abzuwarten, wie lange der junge Afrikaner den Lockrufen aus Europas Top-Ligen noch widerstehen wird. Seine bisherigen Entscheidungen haben bewiesen, dass er seinen Weg wohlüberlegt geht. Statt zwei Schritte auf einmal machen zu wollen, beweist er Geduld. Mit 21 Jahren hat er schließlich noch genug Zeit, um sein Bilderbuch um einige Kapitel zu erweitern.

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