Heimliche Revolution unterm Brennglas

Montag, 29.06.2015 | 16:46 Uhr
Beim Trainingsauftakt waren auch Gonzalo Castro und Ilkay Gündogan mit dabei
© imago
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Am Montag nahm Borussia Dortmund unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel das Training auf. Der Coach zieht ähnlich viel Aufmerksamkeit auf sich wie sein Vorgänger Jürgen Klopp. Seine Aufgabe ist die Wiederbelebung einer stockenden Entwicklung. Die Spieler scheinen die Veränderungen dankend anzunehmen. Die Zeit ist allerdings knapp.

Mitchell Langerak war nicht mehr dabei, als Borussia Dortmund am Montag in einen neuen Abschnitt seiner traditionsreichen Geschichte startete. Der Torhüter rechnet sich im Kampf um die Nummer eins beim VfB Stuttgart bessere Chancen aus als beim BVB, der mit Roman Bürki einen weiteren Torhüter verpflichtet hat.

Noch hat der BVB keine Entscheidung verkündet, wer in der kommenden Saison als Stammkraft zwischen den Pfosten stehen wird. Aber vieles spricht dafür, dass der aus Freiburg gekommene Bürki das Vertrauen des neuen Trainers Thomas Tuchel genießt und Roman Weidenfeller endgültig ins zweite Glied rückt.

Die Besetzung des Tores war oder ist eine von vielen offenen Personalfragen, die Tuchel gleich zu Beginn seiner Amtszeit fordern und die weit in die Vorbereitung hineinreichen werden. Der Kader der Borussia umfasst aktuell 30 Spieler, zu viel für die Verantwortlichen. Spieler wie Milos Jojic sollen noch abgegeben werden.

Leistungsdiagnostik zum Start

Am Montag begegnete der 41-jährige Nachfolger von Jürgen Klopp erstmals seinem Kader, oder besser gesagt einem Teil seines Kaders. Mit Nuri Sahin, Adrian Ramos und Kevin Großkreutz fehlten drei Spieler verletzt, Matthias Ginter, Moritz Leitner und Jojic haben nach ihrem Auftritt bei der U21-EM ebenso noch Urlaub wie Sokratis und Immobile bekam aufgrund der Geburt seiner Tochter frei.

Nach der Einkleidung stand eine umfassende Leistungsdiagnostik an, die erstmals in einem Institut außerhalb Dortmunds abgehalten wurde. Tuchel sammelt mit seinem Trainerteam eine Vielzahl an Daten, um einen exakten Überblick über den Fitnessstand seiner Spieler zu bekommen. Diese Werte helfen bei der Erstellung individueller Trainingspläne, die die Verletzungsanfälligkeit der vergangenen Jahre verringern sollen.

Ab Dienstag warten dann zwei Trainingseinheiten pro Tag auf die BVB-Profis und am Freitag das erste Testspiel beim Landesligisten VfL Rhede.

Knappe Vorbereitungszeit

Es ist ein enger Zeitplan, der den BVB in dieser Vorbereitung plagt - und das obwohl weder WM noch EM den Terminkalender belasten. "Die Vorbereitung wird von den Spielen in der Europa-League-Qualifikation beeinflusst", sagte Tuchel bei seiner Vorstellung. Das Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde steht am 30. Juli auf dem Programm. "Darum benötigen wir eine besondere Hingabe und Haltung für unsere Aufgaben. Dazu gehören Fleiß und Bescheidenheit."

Nicht ganz unerheblich wirkt sich auch die Asienreise auf das Vorbereitungsprogramm aus. Die Reisestrapazen lassen nur bedingt intensives Training zu. "Wir haben nur vier Wochen bis zum ersten Pflichtspiel. Daher werden wir die Vorbereitung bis in die Vorrunde hinein ausdehnen müssen, vielleicht auch weit hinein ", sagte Tuchel.

Dabei sind viele, detaillierte Einheiten für das Kennenlernen von Trainer und Mannschaft eigentlich unerlässlich. Tuchel wurde aus dem Grund geholt, dem BVB ein neues Profil zu verleihen und Anpassungen vorzunehmen, nachdem die Mannschaft unter Klopp in vielen Bereichen Ermüdungserscheinungen gezeigt hatte.

Nächster Schritt in der Entwicklung

Auch wenn sich Tuchel bisher sehr demütig präsentierte und Klopp über alle Maßen lobte, wird er nicht davor zurückschrecken, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und für ihn störende Vermächtnisse der Klopp-Ära zu beseitigen.

Tuchels Hauptaufgabe ist es ja, den Entwicklungsschritt zu vollziehen, an dem sich Klopp und sein Trainerteam in den Jahren nach den beiden Meisterschaften die Zähne ausgebissen haben - ohne dabei den Vorgänger zu brüskieren, obwohl er ähnlich viel Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht. Nicht weniger als eine heimliche Revolution unterm Brennglas wird von Tuchel erwartet.

"Dortmund hat einen Stil geprägt. Die Borussia steht für attraktiven, offensiven Angriffs-Fußball", sagte Tuchel. "Ich freue mich auf so viel Qualität, dass wir dominant spielen können. Ballbesitz wird immer darauf ausgerichtet sein, möglichst schnell vor das Tor zu kommen."

Spieler offen für neue Impulse

Der Überfallfußball mit extremem Mittelfeldpressing soll nicht abgeschafft, aber eher eine Variante unter vielen sein. Hohe Flexibilität, taktische Varianten und ein besseres Ballbesitzspiel gehören zur Idealvorstellung. Die BVB-Idee soll sich nicht mehr in erster Linie über das Spiel gegen den Ball definieren.

Die anstehende Vertragsverlängerung von Ilkay Gündogan und das Bekenntnis von Mats Hummels zum BVB lassen den Schluss zu, dass auch die Spieler sehr offen sind für die neuen Ideen und die Impulse wohlwollend aufnehmen werden. Zumindest begünstigten Gespräche Tuchels mit den Spielern deren Entscheidung pro Dortmund.

Die Voraussetzungen sind bis auf die knappe Zeit also nicht schlecht. Die Vorbereitung wird erste Hinweise liefern, wie schnell sich Trainer und Mannschaft aneinander gewöhnen können.

Der Kader von Borussia Dortmund

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