Eintracht-Coach nicht mehr im Amt

Frankfurt: Rücktritt von Trainer Schaaf

SID
Dienstag, 26.05.2015 | 12:59 Uhr
Thomas Schaaf ist als Trainer von Eintracht Frankfurt zurückgetreten
© getty
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Thomas Schaaf (54) ist als Trainer bei Eintracht Frankfurt nach nur einem Jahr zurückgetreten. Schaaf löste seinen ursprünglich noch bis Juni 2016 laufenden Vertrag beim Tabellenneunten der abgelaufenen Saison am Dienstag auf eigenen Wunsch vorzeitig auf.

Für die treue Seele Thomas Schaaf ist das große Missverständnis vom Main nach nur 329 Tagen beendet: Der 54 Jahre alte Trainer war tief gekränkt, als er am Dienstag seinen ursprünglich noch bis Sommer 2016 laufenden Vertrag bei Eintracht Frankfurt vorzeitig auflöste.

Frustriert kehrte Schaaf, der bei Werder Bremen 14 Jahre als Chefcoach arbeitete, den Hessen nach nur knapp elf Monaten und kurz nach dem Ende einer durchwachsenen Saison den Rücken. Zermürbt von den Diskussionen über die angeblich schlechte Kommunikation mit seinen Spielern - aber wohl auch enttäuscht über das zeitweise fehlende Vertrauen der Führungsgremien in seine Arbeit.

"Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren", teilte Schaaf per Presseerklärung mit.

Bruchhagen bedauert Rücktritt

Konkrete Vorwürfe gegen das Präsidium beziehungsweise den kritischen Aufsichtsrat, wo der Ex-Profi umstritten war, gab es nicht. Schaafs Rücktrittsangebot nahm der Vorstand nach einer Krisensitzung am Dienstag letztlich an.

Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bedauerte die Entscheidung Schaafs, weil er "erfolgreich" für die Eintracht gearbeitet habe.

"Die Bemühungen, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, waren intensiv. Er hat die vom Verein vorgegebenen Ziele mehr als erfüllt", sagte Bruchhagen und dementierte atmosphärische Störungen: "Die Mannschaft hat mir erklärt, sie wolle mit Thomas Schaaf weiterarbeiten. Und auch aus dem Aufsichtsrat gab es ein klares Votum für ihn."

Favorit Lewandowski

Allerdings soll zeitweise nur noch Bruchhagen hinter dem gebürtigen Mannheimer gestanden haben - eine Gruppe um Finanz-Vorstand Axel Hellmann nicht mehr. Auch Platz neun in der Abschlusstabelle mit 43 Punkten konnte die stets von der Europa League träumenden Chefkritiker im Klub nicht gänzlich versöhnen.

Zumal die Eintracht mit nur zwei Siegen und 36 Gegentreffern in 17 Partien der auswärtsschwächste Bundesligist der Spielzeit 2014/2015 war. Weil Schaaf dagegen kein Rezept fand, wurde hinter vorgehaltener Hand über seine Qualitäten diskutiert.

Bruchhagen legte Wert darauf, dass es noch keine Verhandlungen mit möglichen Nachfolgern gegeben habe. Es seien "nie" Gespräche mit anderen Trainern geführt worden.

Als Nachfolger ist der einstige Leverkusener Coach Sascha Lewandowski im Gespräch, der derzeit als Nachwuchskoordinator beim Werksklub arbeitet. Es gibt Gerüchte, wonach vor einigen Tagen hinter dem Rücken von Schaaf und Bruchhagen bereits mit Lewandowski gesprochen worden ist.

Trapp verweigerte Bekenntnis zu Schaaf

In den vergangenen Wochen waren in den Medien vermehrt Spekulationen aufgekommen, wonach das Verhältnis zwischen der Mannschaft und Schaaf gestört sei.

Während sein Vorgänger Armin Veh als "Menschenfänger" galt, gab sich der Ex-Bremer mit dem trockenen Humor eher distanziert. Und Frankfurts Kapitän Kevin Trapp hatte die Gerüchte angeheizt, als der Torhüter Mitte Mai während einer Pressekonferenz ein klares Bekenntnis zum Trainer vermieden hatte.

Doch auch Sportdirektor Bruno Hübner hatte offenbar nicht mit dem Schaaf-Rücktritt gerechnet. Noch am Vortag hatte er "keine Anzeichen" dafür wahrgenommen und nach Informationen der Frankfurter Rundschau den "vollen Spind" des Übungsleiters vorgefunden. Der Trainer war am Montagabend sogar noch mit seiner Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel nach Heppenheim (7:0) gefahren.

Das kurze Kapitel Frankfurt wird Schaaf wohl nicht in bester Erinnerung behalten. Er, der eigentlich als treue Seele gilt. Und als erfolgreicher Coach: Als Werder-Trainer (1999 bis 2013) hatte Schaaf dreimal den DFB-Pokal und 2004 die Meisterschaft gewonnen. In Frankfurt stand am Ende nur Frust.

Thomas Schaaf im Steckbrief

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