Party ohne Pep

Freitag, 22.05.2015 | 17:03 Uhr
Pep Guardiola wird am Samstag mit den Bayern die Meisterschale entgegennehmen
© getty
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Der FC Bayern wird am Samstag und am Sonntag die 25. Meisterschaft exzessiv feiern. Nur der Trainer ist nicht in intensiver Partylaune und setzt abermals zu einer kleinen Abrechnung mit den Kritikern an. Die Saison der Bayern bezeichnet er als "überragend" und wünscht sich daher ganz viele Weißbierduschen.

Der FC Bayern feiert am Wochenende. Und zwar exzessiv. Am Samstag öffnen sich um 13.30 Uhr die Pforten der Allianz Arena. Es kommt eine Blas- und Trachtenkapelle, es kommen Böllerschützen. Andrew White singt das Vereinslied "Forever Number One" in der originalen Version, dazu gibt's Freibier für die 75.000 Zuschauer.

Um 17.30 Uhr überreichen Reinhard Rauball vom Ligaverband und Christian Seifert von der DFL die Meisterschale, danach gibt es einige Ehrenrunden, Bierduschen. Einige Ex-Spieler wie Michael Ballack oder Daniel van Buyten werden dem FC Bayern die Ehre erweisen. Die Grammy-Gewinner Imagine Dragons und Omi sorgen für Musik-Einlagen in der Allianz Arena. Bis 18 Uhr bleibt die Mannschaft im Stadion, danach gibt es eine interne Meisterfeier des FC Bayern im Zentrum Münchens.

Da ist ja noch Mainz...

Am Sonntag geht es weiter mit der obligatorischen Meisterfeier mit den Fans am Münchener Marienplatz. Zwar diesmal ohne Autokorso, dafür aber mit der Begleitung der Frauen-Fußballmannschaft, die in der letzten Woche die Deutsche Meisterschaft gewonnen hat. Auch auf dem Rathausbalkon gibt's wieder Musik, Star-Gäste, Ehrenrunden. Konfetti. Party.

Und was erwarten Sie vom Wochenende, Pep Guardiola? "Wir haben noch ein Spiel." Punkt.

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Der FC Bayern wird am 34. Spieltag den 1. FSV Mainz 05 empfangen. Für die Bayern geht es um nichts, für die Mainzer um nichts. Aber Guardiola ist es dennoch zuwider, komplett in den Party-Modus zu verfallen und die 90 Minuten gegen Mainz zum Rahmenprogramm zu degradieren.

Unter der Woche studierte er die Mainzer eingehend, sah nochmal das Hinspiel, als die Bayern knapp gewannen, aber sich sehr schwer taten. "Wir hatten in Mainz Probleme", erinnert sich Pep, "Johannes Geis ist ein sehr guter Spieler. Wir hatten Probleme, ihn zu kontrollieren." Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler wird womöglich am Samstag zum letzten Mal das rot-weiße Trikot tragen, hat er doch sehr gute Angebote. Das Interesse von Borussia Dortmund, heißt es, sei besonders groß.

Erstmals "WM-Meister" seit 12 Jahren

Guardiola weiß das und will nach zuletzt drei Liga-Niederlagen in Folge auch nicht mit Party-Laune in die Sommerpause gehen, sondern mit Ernsthaftigkeit die Saison beenden. Eine Saison, die keine normale war. Zwar haben die Münchener wieder in großer Eile die Meisterschaft eingefahren, kämpften aber so viel wie nie mit Verletzungen und Widrigkeiten: "Es ist diesmal ein anderes Gefühl", sagt Guardiola über die Titelfreude, "es war ein schweres Jahr. Nach der WM vor allem."

Zum ersten Mal seit 2003 ist der FC Bayern, der traditionell viele Spieler für die Nationalverbände abstellt, nach einer Weltmeisterschaft nationaler Meister geworden. Die Probleme, die man erwartet hatte, sind um ein Vielfaches eingetreten. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Arjen Robben, Franck Ribery, Thiago Alcantara, Holger Badstuber, Javi Martinez und Co. - viele Stammspieler kämpften und kämpfen mit teils schweren Verletzungen. Der breite Kader, der den Bayern vor der Saison attestiert wurde, war plötzlich keiner mehr.

Triple? "Kann ich nicht schaffen"

Dass seine Bayern zuletzt dennoch kritisiert wurden, ja sogar mit Wettbewerbsverzerrung in Verbindung gebracht wurden, bringt den Trainer auf die Palme. "Die Menschen in Deutschland sprechen viel. Sie sollten den Deutschen Meister etwas mehr respektieren", sagt Pep mit ernster Miene.

Es hatte was von einer Abrechnung, zu der Guardiola ansetzte, als er die Handhabe vieler Experten mit dem FC Bayern kritisierte. Schon zwischen den beiden Champions-League-Halbfinalspielen gegen den FC Barcelona klang Guardiola ähnlich. Für ihn war es "überragende Saison", für viele nicht. Für Guardiola unverständlich: "Jeder will immer das Triple. Aber das kann ich nicht schaffen."

Pep ist ein besserer Trainer geworden

Dennoch sei er in den zwei Jahren in München ein besserer Trainer geworden. "Mit jeder Erfahrung wird man besser. Ein Trainer, für den es immer gut läuft, macht keine Erfahrungen. Wenn man Probleme hat, wird man reicher."

Mit den neuen Erfahrungen will Guardiola in der neuen Saison neu angreifen. Während vieler seiner Spieler nach dem Samstag in den Urlaub gehen, wird der Katalane noch eine Weile in München verweilen, den Ferienbeginn seiner schulpflichtigen Kinder abwarten. Währenddessen "werde ich natürlich mit den wichtigen Personen sprechen", sagt Guardiola. Die Bayern werden im Sommer einkaufen, den Kader in der Spitze und in der Breite verstärken.

Vorher gibt es aber noch eine Weißbierdusche. Auch wenn Pep nicht im Party-Modus ist, freut er sich auf diese doch ganz besonders: "Weißbierduschen bedeuten, dass wir etwas erreicht haben. Wir hätten noch mehr Weißbierduschen verdient."

Der FC Bayern im Steckbrief

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