Immer für die Bayern?

Von Patrick Völkner
Freitag, 03.04.2015 | 12:15 Uhr
Der Aufreger bei Bayern vs. Schalke: Guardiola agiert weitab der Coaching Zone
© getty
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Von Brych bis Zwayer, von Kircher bis Meyer - in unserem faktenbasierten Schiri-Check analysieren wir weiter das Leistungsniveau der Bundesliga-Schiedsrichter und bewerten ihre Spielleitungen. Wir ziehen ein Zwischenfazit nach den ersten neun Rückrundenspieltagen und schauen auf die Überraschungen und Enttäuschungen unter den Referees.

Schade! Der zur Winterpause festgestellte Positivtrend hat sich vorerst erledigt. An den zurückliegenden Spieltagen leisteten sich die Schiedsrichter zahlreiche Patzer und stellten am 24. Spieltag einen neuen Negativrekord auf.

Neben dem Thema Dreifachbestrafung sorgte auch eine mögliche Bevorzugung des FC Bayern für Gesprächsstoff. Gibt es wirklich einen Bayern-Bonus? Wir haben die Frage untersucht.

Tiefster Tiefpunkt: Ernüchterung ist eingekehrt. Nach dem insgesamt positiven Zwischenfazit zur Winterpause fiel das Niveau an den ersten neun Spieltagen der Rückrunde deutlich ab. So sank die Durchschnittsnote von 2,92 auf 2,95 bei einem gleichzeitigen Anstieg der Fehlerquote von 0,65 auf 0,69.

Besonders deutlich wurde der Leistungsabfall am 24. Spieltag, der mit einer Durchschnittsnote von 4,28 und einem Schnitt von 1,89 Fehlentscheidungen pro Spiel die schlechtesten Werte seit Einführung des SPOX-Schiri-Checks aufwies. Bis auf Deniz Aytekin, der die Partie zwischen dem SC Freiburg und Werder Bremen problemlos im Griff hatte, leisteten sich alle Referees an diesem Spieltag zum Teil haarsträubende Fehler.

Auch der sonst so souveräne und verlässliche Knut Kircher erwischte einen rabenschwarzen Tag und erlaubte sich bei der Leitung der Partie zwischen Köln und Frankfurt ganze fünf Patzer. So übersah er zunächst das elfmeterreife Foul von Chandler an Wimmer und gab das 1:0 trotz des vorangegangenen Foulspiels von Kölns Ujah.

Auch bei der Verteilung der Gelben Karten zeigte Kircher kein glückliches Händchen: Gelb für Deyverson war genauso falsch wie der Verzicht auf eine Verwarnung gegen Russ nach dessen Handspiel. Schließlich war auch die Platzverweisentscheidung trotz des korrekten Elfmeterpfiffes gegen Kölns Wimmer überzogen: Eine klare Torchance hatte der Kölner Verteidiger nicht vereitelt. Es erschien zweifelhaft, ob Seferovic den Ball überhaupt erreicht hätte. Kirchers höchst fehlerbehaftete Leistung wurde denn auch mit der SPOX-Note 6 bewertet.

Nur unwesentlich besser agierte tags zuvor der Wiesbadener Tobias Welz. Zwar erlaubte er sich im Spiel zwischen Hannover und dem FC Bayern nur zwei klare Fehlentscheidungen; diese jedoch hatten erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf. Sowohl die Freistoßentscheidung vor dem 1:1 als auch der Elfmeter, der zum Führungstreffer der Gäste führte, waren absurd. Im zweiten Falle hätte der Unparteiische auf Freistoß für Hannover entscheiden müssen: Lewandowski hatte schlicht den Kopf zu tief. Welz' schwache Darbietung, für die die SPOX-Note 5,0 zu Buche stand, war exemplarisch für den nahezu kollektiven Blackout der Referees am 24. Spieltag.

Schiri-Check 1: Herr Gräfe sagt "Sorry"Schiri-Check 2: Au weia, Herr Zwayer!

Bayern-Bonus? Nein, aber...: Die Fehlentscheidungen zu Gunsten der Guardiola-Elf in Hannover ließen denn auch eine Debatte über einen möglichen Bayern-Bonus aufkommen. So rügte Bremens Manager Thomas Eichin vor dem Heimspiel der Hanseaten gegen den FCB, dass die Münchener von den Schiedsrichtern der Bundesliga konsequent bevorteilt würden.

Ausgehend von den im Rahmen unseres Schiri-Checks protokollierten Fehlentscheidungen lässt sich Eichins These nicht bestätigen. So gab es in den bisherigen 26 BL-Spielen mit Bayern-Beteiligung insgesamt 19 Fehlentscheidungen, von denen zehn zu Gunsten der Bayern gefällt wurden. Neben dem Hannover-Spiel profitierten die Münchener auch im Match gegen den HSV von zwei Fehlern des Schiedsrichtergespanns, die angesichts des Spielausgangs von 8:0 aber nicht als spielentscheidend gewertet werden können.

Eine signifikante Bevorzugung der Bayern ist nicht festzustellen, zumal eben auch neun Fehlentscheidungen zum Nachteil des Rekordmeisters gefällt wurden. Allerdings lässt sich eine mögliche Präferenz der Referees für einen bestimmten Verein nicht alleine an den Fehlentscheidungen ablesen. Auch der Dialog mit den Spielern und der Umgang mit den Vertretern können hierfür Rückschlüsse liefern.

Insofern bleibt jedenfalls ein gewisser Nachgeschmack, weil etwa Bayern-Trainer Guardiola trotz seiner mitunter überzogenen Agitation an der Seitenlinie bis dato noch nicht auf die Tribüne verbannt wurde. Im Spiel gegen Schalke 04 wäre dies auch wegen seiner Einflussnahme auf den Assistenten zwingend geboten gewesen.

Einen echten Bayern-Bonus können wir also nicht feststellen. Und doch bleibt hier und da der Eindruck, als hätten die Referees viel, mitunter zu viel Respekt vor den Protagonisten des FC Bayern.

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Underdogs an der Spitze: Während Topleute wie Knut Kircher und Florian Meyer zuletzt schwächelten, konnten die vermeintlichen Underdogs positiv auf sich aufmerksam machen. Mit Guido Winkmann, der sich in seinen drei Rückrunden-Einsätzen keinen einzigen Fehler erlaubte, liegt auch weiterhin ein Außenseiter auf der Top-Position unserer Schiedsrichter-Tabelle.

Ebenfalls überraschend Dr. Jochen Drees als Drittplatzierter. Der 45-jährige Referee liefert bis dato eine höchst solide Saison ab und hat sich noch keine echte Fehlleistung erlaubt. Mit einer Durchschnittsnote von 2,7 und einer Fehlerquote von 0,7 liegt er sogar noch knapp vor Wolfgang Stark, der zuletzt mit unauffälligen Spielleitungen aufwartete, was erfahrungsgemäß eher für einen Schiedsrichter spricht.

Nur sporadisch setzt der DFB auf den einzigen Newcomer zur laufenden Saison. Sascha Stegemann kam bislang sechs Mal zum Einsatz und machte dabei fast immer eine gute Figur. Bei seinen beiden Rückrunden-Auftritten (18. Spieltag: Hannover - Schalke, 25. Spieltag: Wolfsburg - Freiburg) blieb der Niederkasseler jeweils ohne Fehler und wurde für seine solide und abgeklärte Spielleitung mit der SPOX-Note 2,0 belohnt.

In der Gesamtabrechnung belegt er aktuell einen starken achten Platz und bestätigt damit die hohen Erwartungen als eine der Nachwuchshoffnungen der deutschen Schiedsrichtergilde.

Dreifachbestrafung: Beim Gastspiel der Freiburg in Wolfsburg wurde Stegemann vor eine knifflige Aufgabe gestellt. Als Torhüter Bürki Kevin den Bruyne von den Beinen holte, entschied der 30-jährige Unparteiische korrekterweise auf Strafstoß, sah aber von einer persönlichen Strafe gegen den Freiburger Keeper ab und vermied damit die derzeit vieldiskutierte Dreifachbestrafung. Stegemanns Entscheidung war nicht nur im Sinne des Sports, sondern auch regelkonform. Von einer Notbremse konnte hier nicht die Rede sein, da der Belgier nicht direkt aufs Tor zulief.

Anders entschied am Tag zuvor Günter Perl, als er HSV-Keeper Drobny nach dessen Foul gegen Schipplock vom Platz stellte. In diesem Fall lag, anders als beim Spiel in Wolfsburg, eine klare Torchance vor, so dass die Rote Karte den bestehenden Regeln nach korrekt war.

Auch wenn Franz Beckenbauer unlängst anderes behauptet hat: Die Dreifachbestrafung ist nicht im Sinne der Schiedsrichter (und wird von diesen auch nicht verteidigt). Sie sollte maßvoll überdacht werden. So bestünde ein Änderungsansatz in der Überlegung, auf die ansonsten gebotene Sperre im Falle eines Notbremsen-Platzverweises zu verzichten. Schließlich soll durch die Rote Karten nur der geschädigten Mannschaft ein Ausgleich verschafft werden, der für das Folgespiel keine Bedeutung haben sollte.

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