"Favre hat mich persönlich begrüßt"

Donnerstag, 07.05.2015 | 12:03 Uhr
Joshua Holtby hat seinen Vertrag bei der Borussia bis 2017 verlängert
© Dirk Päffgen
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Joshua Holtby spielt seit 12 Jahren in der Jugend von Borussia Mönchengladbach und steht vor dem Sprung zu den Profis. Im SPOX-Interview spricht der 19-Jährige über die schwierige Situation seines Bruders Lewis Holtby, seine Vertragsverlängerung bei der Borussia und einen Dienstagmorgen in Machatschkala.

SPOX: Herr Holtby, Sie spielen jetzt schon seit zwölf Jahren für Borussia Mönchengladbach. Wie viel "Fohlenblut" fließt schon in Ihren Adern?

Joshua Holtby: Es ist natürlich ein Traum, eine solch lange Zeit in jungen Jahren für so einen Verein zu spielen. Ich kam mit sieben Jahren hier her und finde es immer noch großartig, das Trikot jedes Wochenende anzuziehen. Der Verein liegt mir sehr am Herzen.

SPOX: Wie ist die Borussia eigentlich auf Sie aufmerksam geworden? Mit sieben Jahren ist das doch schon recht früh...

Holtby: Das war bei einem Jugendturnier, bei dem ich gesichtet wurde. Daraufhin bekam ich eine Einladung zum Vorspielen in Gladbach und am Ende habe ich es tatsächlich geschafft. Damals spielte ich mit Spielern aus dem 95er Jahrgang, wie Marvin Schulz oder Malte Berauer, die jetzt schon in der U23 sind. Erst im Jahr darauf kam ich in den Kader meines Jahrgangs.

SPOX: Auch Ihr Bruder Lewis spielte einst für die Borussia...

Holtby: Ja, stimmt. Aber nur von der U14 bis zur U16, also nicht einmal im Ansatz so lange wie ich (lacht).

SPOX: Lewis hat momentan keine schöne Zeit beim HSV. Inwieweit können Sie als kleinerer Bruder eine emotionale Stütze sein?

Holtby: Nicht nur ich, sondern unsere ganze Familie ist immer für uns da, wenn es bei einem von uns mal sportlich nicht so läuft. Ich melde mich bei ihm schon öfter in letzter Zeit und sage 'Hey, Kopf hoch' und spreche ihm Mut zu. Andersrum ist Lewis aber auch für mich da, wenn ich mal eine schlechte Phase habe. Wir haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis.

SPOX: Ist man manchmal ein bisschen neidisch auf den großen Bruder, weil der schon Premiere League gespielt hat oder ist er mehr ein Vorbild?

Holtby: Neid? Ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist eher ein Grund ihm nachzueifern. Es zeigt doch, wo man mit harter Arbeit und viel Willen hinkommen kann. Auch wenn er jetzt eine nicht so einfache Phase hat, bin ich sehr stolz auf Lewis und möchte gerne irgendwann einen ähnlichen Status erreichen wie er. Selbst wenn ich es nicht schaffen sollte, werde ich auch nicht neidisch sein. Das käme mir nie in den Sinn.

SPOX: Nun einmal zu Ihnen. Sie haben nach der Winterpause in einem Testspiel gegen den 1. FC Kaiserlautern bei den Profis mitwirken dürfen. Wie war das, für "die Großen" auflaufen zu dürfen?

Holtby: Das war schon toll. Ich habe 45 Minuten an der Seite von Thorben Marx gespielt, der über 250 Bundesligaspiele absolviert hat, das ist schon etwas Besonderes.

SPOX: Wann hat Ihnen Lucien Favre gesagt, dass Sie für die erste Mannschaft auflaufen dürfen?

Holtby: Unser U-19-Trainer Arie van Lent hat mir einen Tag vor dem Spiel gesagt, dass ich oben mit dabei bin und mal reinschnuppern darf. Da war ich natürlich total aus dem Häuschen. Am Tag des Spiels stieß ich dann zur Mannschaft und wurde von Lucien Favre persönlich begrüßt. Das war riesig.

Gladbachs U-19-Coach Arie van Lent im Interview

SPOX: Wie läuft das in Gladbach ab? Trainiert die U 19 regelmäßig mit den Profis?

Holtby: Nicht alle. Aber einige Spieler wie Steffen Nkansah oder Gianluca Rizzo trainieren ab und zu mit. Ich durfte bisher häufiger in der U 23 dabei sein.

SPOX: Sie sind jetzt 19 Jahre alt. Setzen Sie alles auf die Karte Profi Fußball?

Holtby: Ich bin jetzt gerade dabei, mein Fachabitur zu machen und absolviere daher ein Praktikum. Das allgemeine Abitur war aus zeitlichen Gründen leider nicht möglich. Derzeit mache ich in dem Unternehmen meines Individualtrainers Christian Titz ein Praktikum. Dabei kann ich auch viel von zu Hause aus erledigen, so dass ich mich wirklich fast ausschließlich auf die Karriere konzentrieren kann, weil es in dem Praktikum viel um Trainingsinhalte und -/formen geht. Daher passt das ganz gut. Ganz ohne einen anständigen Abschluss möchte ich ja auch nicht dastehen.

SPOX: Soll der sportlich Durchbruch bei der Borussia gelingen?

Holtby: Klar, wenn ich schon mal zwölf Jahre hier bin. Das wäre natürlich mein Traum. Ob dieser Traum in Erfüllung geht, wird sich in Zukunft zeigen. Ich werde einfach Vollgas geben, den Rest muss man sehen.

SPOX: Das klingt schon stark nach einer Floskel...

Holtby: Ich habe keine Erwartungen, ganz ehrlich. Ich muss nicht auf Biegen und Brechen im kommenden Jahr mein Profi-Debüt geben, das würde mich nur im Kopf blockieren. Daher lasse ich alles auf mich zukommen.

Die Zukunft der Raute: acht heiße Talente aus dem Fohlenstall.

SPOX: Kürzlich haben Sie ihren Vertrag verlängert.

Holtby: Für mich ist es derzeit ein außerordentliches Privileg, bei der U23 trainieren zu dürfen und dort auch für die nächste Saison eingeplant zu sein. Ich habe einen guten Draht zu Trainer Sven Demandt, das bedeutet mir sehr viel. In der Regionalliga kann ich mich als junger Spieler beweisen, deswegen sehe ich das als wichtigen Schritt an.

SPOX: Gab es Kontakte zu anderen Vereinen?

Holtby: Wenn ich eine Bomben-Rückrunde gespielt hätte, wäre vielleicht etwas gekommen (lacht). Nein, Spaß beiseite. Es hat sich niemand gemeldet und für mich wäre es einfach ein absoluter Traum mein Profi-Debüt im Borussia-Park für Gladbach zu geben.

SPOX: Sie schwärmen in höchsten Tönen von der Borussia. Sehen wir derzeit die stärkste Fohlenelf der letzten 20, 25 Jahre?

Holtby: Das kann man schon so sagen. Wenn man die Jahre zuvor betrachtet, als es nur gegen den Abstieg ging, ist das derzeit natürlich herausragend. Es tut dem Verein gut, dass er sich in den letzten zwei, drei Jahren in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt hat. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass sie im letzten Jahr die Qualifikation zur Champions League geschafft hätten, dann würde ich jetzt in der Youth League spielen.

SPOX: Die Youth League wird von den Vereinen eher mit Argwohn betrachtet. Wie sieht man das als Spieler?

Holtby: Das wäre der absolute Hammer gewesen, wenn ich dort hätte spielen können. So blicke ich vermutlich neidisch auf die Jungs im nächsten Jahr. Alleine dieses Gefühl zu haben, wieder live im Fernsehen zu sein und dann gegen PSG oder Chelsea zu kicken, wäre fantastisch.

SPOX: Auch am Mittwochmorgen um 11 Uhr?

Holtby: Auf jeden Fall. Ich würde mich auch freuen, wenn ich Dienstagfrüh in Machatschkala aufwachen würde und gegen Anschi spielen dürfte. Es gibt doch als jungen Spieler nicht größeres, als sich auch einmal International zu zeigen.

Joshua Holtby im Überblick

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