Das Grübeln nimmt zu

Freitag, 03.04.2015 | 20:00 Uhr
Pep Guardiola gewann mit dem FC Bayern in seiner ersten Saison das Double
© getty
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Pep Guardiola ruft vor dem Duell mit Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) jedes Spiel im Saison-Endspurt zum Finale aus. Angesichts der Verletztenliste wächst die Skepsis beim Trainer des FC Bayern München. Er setzt sich selbst hohe Maßstäbe und erhöht den Druck auf die Spieler.

Im August 2014 konnte Pep Guardiola noch reagieren. Der Trainer des FC Bayern nutzte das bis Monatsende offene Transferfenster und zauberte Xabi Alonso als hinreißende Lösung für die Verletzungsprobleme seiner Mannschaft aus dem Hut.

Javi Martinez, Thiago und Bastian Schweinsteiger waren langfristig nicht einsetzbar, die kurze Erholungsphase der deutschen Weltmeister und des WM-Dritten Arjen Robben erschwerte die Vorbereitung zusätzlich. Die Skepsis eines holprigen Saisonstarts wuchs bei Guardiola, sodass Verstärkung alternativlos war.

Im April 2015 hat Guardiola diese Möglichkeit nicht. Er kann nicht ad hoc Spieler kaufen, um die Ausfälle von Robben, Franck Ribery und David Alaba aufzufangen.

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Er muss die Aufgaben auf die Spieler verteilen, die er noch zur Verfügung hat. Guardiola vertraut seinem Personal, allerdings hat selbst der Trainer gewisse Zweifel ob dessen Tauglichkeit.

"...dann ist es unsere Schuld"

"Unser Kader ist nicht stark genug, um diese Spieler zu ersetzen. Wenn alle fit sind, sind wir stark. Aber so...", sagte Guardiola am Freitagmittag. Beschweren will sich der Coach nicht, schließlich seien die Bayern nicht allein mit ihrem Schicksal.

"Das ist Fußball, das passiert auch anderen Mannschaften. Man kann als Trainer nicht immer alles haben, was man will. Es gibt auch keine Ausreden. Wenn wir die Spiele nicht gewinnen, ist es unsere Schuld", so Guardiola.

Es ist der Zeitpunkt, der den Trainer so nachdenklich macht: "Wir sind im April. Ab jetzt ist jedes Spiel wie ein Finale. In diesem Moment brauchen wir den ganzen Kader." Doch der ist leicht ausgefranst: Neben Robben und Alaba wird auch Martinez noch eine Zeit lang fehlen.

Thiago vor Comeback

Wenigstens kann Guardiola wieder auf Thiago zurückgreifen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der über ein Jahr verletzte Spanier in Dortmund je nach Spielverlauf wieder erste Gehversuche machen wird. "Er könnte ein paar Minuten spielen", bestätigte Guardiola.

Thiagos Verletzungspech: 365 Tage nix

Der Trainer hofft auf eine weitgehend reibungslose Integration von Thiago und Kapitän Philipp Lahm in den nächsten Wochen, die Entwicklung dieser beiden Strategen hat Auswirkung auf die Erfolgsaussichten des FC Bayern.

"Wir haben einige wichtige Spieler nicht an Bord, umso wichtiger ist es für uns, dass die, die zurückkommen, auch so schnell wie möglich funktionieren", sagte Manuel Neuer. Im Wissen um deren Bedeutung gewährt Guardiola Lahm, Thiago und auch Martinez die benötigte Regenerationszeit in vollem Umfang.

Druck für Spieler und Trainer

Dass ein verfrühtes Comeback nach hinten losgehen kann, musste eben erst Ribery erfahren. Er hatte seine Sprunggelenksverletzung nicht auskuriert und kann derzeit nur leichtes Lauftraining absolvieren.

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Spieler, die in den nächsten Wochen dafür sorgen sollen, dass der FC Bayern im April gut über die Runden kommt. "Die Spieler müssen in diesem Monat ihre beste Leistung bringen. Sie müssen sich 100 Prozent auf ihren Beruf konzentrieren", forderte Guardiola.

Der Trainer setzt die hohen Maßstäbe auch bei sich selbst an. "Das ist für mich die schwierigste Phase als Trainer bei Bayern, weil wir viele große Probleme haben. Es ist eine große Herausforderung, aber ich bin sehr motiviert und auch sehr gespannt, was passieren wird", sagte Guardiola.

"Bin nicht bester Trainer der Welt"

Die Bayern sind in den nächsten Wochen mehr denn je auf die strategischen Fähigkeiten und das taktische Kalkül ihres Trainers angewiesen. Mit dem Begriff "Superhirn" kann Guardiola allerdings wenig anfangen.

"Ich war in Barcelona nicht der beste Trainer der Welt und bin es auch in München nicht. Das war auch nie mein Ziel. Mein Ziel und meine Verantwortung ist es, so zu arbeiten, dass dieser großartige Verein erfolgreich ist und die Leute hier zufrieden sind", sagte Guardiola.

Das Spiel in Dortmund birgt unabhängig der Tabellen-Konstellation genügend Brisanz, um in diese Richtung den ersten wichtigen Schritt zu machen.

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