Was bleibt vom "Besten der Welt"?

Donnerstag, 12.02.2015 | 15:05 Uhr
Robert Lewandowski erzielte in 27 Pflichtspielen zehn Tore für den FC Bayern München
© getty
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Auf Robert Lewandowski lastete vom ersten Tag an beim FC Bayern München Druck. Nach anfänglichen Problemen hatte der Pole im Herbst eine richtig gute Phase. Doch Lewandowski tut sich schwer, seine veränderte Rolle anzunehmen. Die Zweifel sind zurückgekehrt.

Antoine Griezmann ließ es sprudeln. Keine Spur von Zurückhaltung beim Franzosen im Post-Match-Interview nach dem 4:0 von Atletico Madrid im Derby gegen Real.

"Als Fan hätte es mich heute mehrere Male vom Sitz gerissen. Bei Sauls Fallrückziehertor natürlich. Und eigentlich bei allen Szenen, in denen Mandzu mitwirkt. Der Kerl ist der Wahnsinn", sagte der Offensivspieler.

Mandzu heißt mit bürgerlichem Namen Mario Mandzukic und sorgt praktisch Woche für Woche für Wow-Effekte bei Kollegen und Anhängern der Rojiblancos. Sein Pass mit der Hacke auf Juanfran Mitte der ersten Halbzeit, als er an der rechten Eckfahne drei Real-Verteidiger narrte, sowie sein Flugkopfballtor zum 4:0 sind die neuesten Episoden einer bislang sehr erfolgreichen Zeit des Kroaten in Madrid.

Für Mandzu kam der "Beste der Welt"

Mandzukic scheint bei Atletico seine Bestimmung gefunden zu haben nach einer für ihn persönlich enttäuschenden letzten Saison beim FC Bayern, die in der Nichtberücksichtigung für das DFB-Pokalfinale gegen Dortmund gipfelte.

Das Verhältnis zwischen Mandzukic und Pep Guardiola unterlag von Anfang an Spannungen und infolge der Verpflichtung von Robert Lewandowski wurde Mandzukic' Abschied aus München früh eingeleitet.

Artig bedankten sich die Bayern-Bosse beim Kroaten für zwei überwiegend gelungene Jahre. Große Anstrengungen, Mandzukic in München zu halten, wurden aber nicht unternommen. Mit Robert Lewandowski hatte man schließlich den "besten Stürmer der Welt" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im SPOX-Interview vor der Saison) aus Dortmund geholt.

Guardiola, per se kein Liebhaber von zentralen Angreifern, lobte Lewandowski nach den ersten Trainingseinheiten als "absolut kompletten Stürmer" und gratulierte dem Verein zu einem Transfer ohnegleichen.

Der Opta-Vergleich von Robert Lewandowski und Mario Mandzukic

Ärger mit Sammer

Ein halbes Jahr ist Lewandowski mittlerweile in München. Ein halbes Jahr geprägt von sportlichen Schwankungen und einem kleinen Intermezzo, das unnötig aufgebläht wurde und etwas aussagt über die Gemütslage des Polen.

Lewandowskis Entscheidung, als Kapitän der polnischen Nationalmannschaft Cristiano Ronaldo und nicht Manuel Neuer bei der Weltfußballerwahl auf Platz eins zu setzen, stieß beim FC Bayern und insbesondere bei Sportvorstand Matthias Sammer auf Unverständnis.

"Wir haben nicht geschimpft, aber schon darüber gesprochen", sagte Sammer. Im Klartext: Lewandowski wurde das Demokratie-Verständnis des FC Bayern mit Nachdruck verdeutlicht. Der Stürmer drückte zunächst via "kicker" sein Bedauern aus, um nur einen Tag später einem Reporter im Trainingslager in Doha ein lautstarkes "Scheiße, was du da geschrieben hast" entgegenzuraunzen.

Lewandowski fühlte sich zusätzlich gedrängt, auf Twitter sein Handeln zu rechtfertigen: "Ich bin mir bewusst, wen ich gewählt habe und habe nicht vor, mich dafür zu entschuldigen."

Zehn Tore in 27 Spielen

Auch auf dem Platz befindet sich Lewandowski im Zwiespalt. Dass er hinsichtlich seiner Spielweise Kompromisse eingehen muss, akzeptiert er, tut sich dabei aber schwer.

"Man kann meine Torquote in München nicht mit der in Dortmund vergleichen. Guardiola erwartet von mir nicht, in jedem Spiel Tore zu machen. Ich soll auch mal Räume auf den Außenpositionen besetzen. Außerdem ist es schwierig für mich als Stürmer, wenn die Gegner so defensiv spielen. Es ist nicht einfach, wenn du dich vorne um dich drehst und immer noch drei, vier Mann vor dir hast", sagt Lewandowski.

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In Dortmund war das Spiel auf ihn zugeschnitten; er bekam die Bälle, um daraus Tore zu machen. In München ist Lewandowski mehr als mitspielender Stürmer gefragt, der sich fallen lässt oder auf die Flügel ausweicht, um in der Mitte Platz zu schaffen für andere torgefährliche Spieler wie Franck Ribery oder Arjen Robben.

In 27 Pflichtspielen für Bayern erzielte er zehn Tore, in den letzten acht Partien gelang ihm nur ein Treffer. Zudem hat er weniger Ballkontakte als in Dortmund und weniger Torabschlüsse.

"Was soll ich machen?"

In der "Sport Bild" gab Lewandowski zu, in München anfangs verzweifelt gewesen zu sein. Nach einer guten Phase im Herbst ist seine Zuversicht erneut Zweifeln gewichen.

"Ich weiß, dass ich es besser kann. Wenn ich einmal explodiere, ist viel möglich. Wenn ein Tor kommt, hoffe ich, dass eine Serie kommt. Aber was soll ich machen? Ich muss geduldig bleiben, für Stürmer ist das ab und zu normal", sagte er nach dem 2:0 in Stuttgart.

Lewandowski ist bei Guardiola nicht unumstritten. In Wolfsburg wurde er in der 70. Minute ausgewechselt, gegen Schalke saß er 55 Minuten lang auf der Bank. In der Bundesliga spielte er nur sechs Mal über die volle Distanz.

"Generell möchte ich jedes Spiel über 90 Minuten spielen. Aber wenn wir englische Wochen haben, gehört Rotation dazu. Das muss ich akzeptieren, auch wenn es auf der Bank nicht einfach ist. Du willst der Mannschaft helfen, aber kannst nicht", sagt Lewandowski.

Vielleicht gibt ihm eine Auszeichnung in seinem Heimatland den nötigen Schub. Zum vierten Mal in Folge wurde Lewandowski zu Polens Fußballer des Jahres gewählt.

Robert Lewandowski in Zahlen

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