Schiri-Check 2 - Saison 2014/15

Au weia, Herr Zwayer!

Von Patrick Völkner
Mittwoch, 28.01.2015 | 14:25 Uhr
Felix Zwayer im Disput mit Hamburgs Abwehrrecken Westermann und Djourou
© getty
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Von Brych bis Zwayer, von Kircher bis Meyer - in unserem faktenbasierten Schiri-Check analysieren wir auch in der Saison 2014/15 das Leistungsniveau der Bundesliga-Schiedsrichter und bewerten ihre Spielleitungen. Wir ziehen Bilanz und suchen nach den Tops und Flops der Hinrunde - dabei kommt es neben der Zahl der Fehlentscheidungen vor allem auf Auftreten, Körpersprache und Kommunikation an.

Ausgerechnet im letzten Spiel des Jahres gab es eine der dürftigsten Schiedsrichter-Darbietungen der Hinserie. Und dennoch kann kein Zweifel bestehen: Das Niveau der Bundesliga-Referees hat sich weiter verbessert, mag auch manch ein Patzer darüber hinwegtäuschen.

Während einige Underdogs positiv auf sich aufmerksam machen, kann Nachwuchshoffnung Felix Zwayer das in ihn gesetzte Vertrauen derzeit überhaupt nicht rechtfertigen.

Schiri-Check 1: Herr Gräfe sagt "Sorry"

Tiefpunkte: Der letzte Eindruck bleibt im Gedächtnis. Sollte diese psychologische Binsenweisheit, die Spitzenköche zu besonderem Engagement bei der Dessert-Zubereitung verpflichtet, auch für die die deutschen Bundesliga-Schiedsrichter gelten, ist das Urteil verheerend. Ausgerechnet in der letzten Partie des Jahres 2014 lieferte Günter Perl einen der miserabelsten Auftritte der zurückliegenden Hinrunde ab. Im Spiel zwischen dem Sportclub Freiburg und Hannover 96 sah er nicht nur nach Sakais Handspiel von dem zwingend gebotenen Elfmeterpfiff ab, sondern verzichtete zudem auf den Platzverweis gegen Freiburgs Kempf nach dessen Notbremse. Die Leistung des Münchener Referees, der davon abgesehen zahlreiche groteske Zweikampfbewertungen vornahm, musste mit der SPOX-Note 6 bewertet werden.

Eine vergleichbar schwache Performance lieferte Manuel Gräfe am 15. Spieltag bei der Leitung des Spiels zwischen Wolfsburg und Paderborn ab. In den drei falsch bewerteten Szenen spielte jeweils Bas Dost die Hauptrolle. So entschied Gräfe nach Strohdieks Einschreiten gegen den VfL-Stürmer zu Unrecht auf Elfmeter, um dessen späteren Treffer fälschlicherweise wegen vermeintlichen Foulspiels die Anerkennung zu versagen und schließlich Mehas strafstoßwürdigen Rempler gegen den Niederländer ungeahndet zu lassen. Für die indiskutable Leistung Gräfes, der sich abgesehen von den drei eklatanten Fehlentscheidungen immerhin keine weiteren Patzer leistete, steht die Note 5,5 zu Buche.

Auch der ehemalige FIFA-Elite-Schiedsrichter Wolfgang Stark erlebte in der Hinrunde seinen persönlichen Tiefpunkt. Nachdem er fast zwei Jahre lang ganz bewusst für keine Spiele mit Dortmunder Beteiligung eingeteilt worden war, durfte er am 12. Spieltag wieder einmal ein Match des BVB leiten. Beim Gastspiel in Paderborn wurden die Schwarzgelben dabei gleich zweimal von Wolfgang Stark und dessen Gespann benachteiligt. So wurde Kevin Großkreutz' Treffer wegen vermeintlicher Abseitsstellung fälschlicherweise nicht gegeben und Marvin Bakalorz nach seinem groben Foulspiel gegen Marco Reus nur mit Gelb und nicht - wie geboten - mit Rot bedacht. Es steht denn auch zu erwarten, dass Stark in Zukunft keine Spiele des BVB mehr pfeifen wird.

Erfreuliche Werte: Die Fauxpas der Perls, Gräfes und Starks dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Das Leistungsniveau der Unparteiischen in der Hinserie muss als ordentlich bis gut angesehen werden. Was sich auch an den Zahlen ablesen lässt: Mit einer Durchschnittsnote von 2,92 und einer Fehlerquote von 0,65 haben sich die beiden wichtigsten Parameter deutlich verbessert. Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison lagen die Werte schlechter (Durchschnittsnote 2,99; Fehlerrate 0,74).

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Referees in zahlreichen Partien nicht besonders gefordert und vor keine besonders kniffligen Aufgaben gestellt wurden. Es reichte dabei jeweils eine solide, fehlerfreie Leistung, um sich die SPOX-Note 2,0 zu verdienen - so wie beispielsweise Bastian Dankert am 17. Spieltag beim Match zwischen dem FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach.

Vor eine ungleich schwierigere Herausforderung wurde Manuel Gräfe am 10. Spieltag im Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund gestellt. Mit besonnenem Auftreten und entspannter Mimik konnte Gräfe schwelende Konflikte bereits im Keim ersticken und hatte das emotionsgeladene Duell jederzeit absolut im Griff, ohne sich eine einzige Fehlentscheidung zu erlauben. Die in jeder Hinsicht überzeugende Darbietung des Berliner Referees wurde denn auch mit der SPOX-Note 1,0 bewertet und bildete den Höhepunkt in einer insgesamt durchaus erfreulichen Hinrunde für die Unparteiischen.

Suprise, Suprise: Als große Überraschung darf der derzeit Führende in unserer Schiedsrichter-Tabelle angesehen werden. Mit Guido Winkmann nimmt vor Beginn der Rückserie ein Referee die Spitzenposition ein, der gemeinhin nicht als einer der Topleute gilt und auch nicht auf internationaler Bühne pfeifen darf. Doch in seinen bisherigen fünf Auftritten machte der Unparteiischen fast durchweg eine gute Figur und wurde viermal mit der SPOX-Note 2,0 bedacht. Allein beim Gastspiel der Augsburger in Leverkusen am 5. Spieltag wirkte Winkmann nicht immer souverän und erlaubte sich seine einzige Fehlentscheidung in der Hinrunde, als er Bayers Kießling eine Großchance wegen vermeintlichen Abseits nahm.

Ebenso überraschend: Daniel Siebert auf Platz 3. Der mit 30 Jahren zweitjüngste Bundesliga-Unparteiische machte bislang einen sehr ordentlichen Eindruck und kommt nach seinen vier Einsätzen auf eine Durchschnittsnote von 2,6 bei einer Fehlerrate von 0,3.

Auch Tobias Stieler wusste in der Hinrunde bislang positiv auf sich aufmerksam zu machen. Achtmal wurde er vom DFB mit der Leitung eines Erstligaspiels betraut und lieferte dabei ausnahmslos Leistungen im 2er- oder 3er-Bereich. Bei seinen letzten sechs Auftritten blieb er ohne jede klare Fehlentscheidung und darf sich aktuell als die Konstanz in Person bezeichnen lassen.

Unglücklicher Felix: Wenn es für den Schiedsrichterausschuss so etwas wie einen Lieblingsschiri gibt, dann ist dies derzeit zweifelsohne der Berliner Felix Zwayer. Als einziger der Erstligareferees wurde er bereits mit der Leitung von zehn Bundesligaspielen betraut und scheint bei Fandel & Co. besonderes Vertrauen zu genießen.

Das ihm entgegengebrachte Vertrauen steht jedoch in keinem Verhältnis zu den von Zwayer bis dato abgelieferten Leistungen. Bei einer Durchschnittsnote von 3,5 belegt er zusammen mit Günter Perl den derzeit letzten 21. Platz (der bislang verletzungsbedingt nicht eingesetzte Michael Weiner ist in unserer Schiedsrichter-Tabelle nicht berücksichtigt).

Zwayer wurde dabei vor allem seine hohe Fehleranfälligkeit zum Verhängnis - mit 1,2 weist er die höchste Fehlerquote aller Erstliga-Unparteiischen auf. Immer wieder erlaubte sich der vom DFB hochgeschätzte Zwayer schwerwiegende Patzer und hinterließ so mehrfach einen schwachen Eindruck. So geschehen am 14. Spieltag, als er Borussia Dortmund im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim zunächst einen regelkonformen Treffer verweigerte (Aubameyang stand klar nicht im Abseits) und später Subotics elfmeterreifes Eingreifen gegen Elyounoussi ungeahndet ließ (SPOX-Note 5,0).

Nur bei zwei seiner zehn Auftritte konnte Zwayer ohne Fehler bleiben und wird demnächst wieder neu beweisen müssen, die in ihn gesteckten Erwartungen auch wirklich erfüllen zu können.

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