Pierre-Emile Hojbjerg beim FC Augsburg

Einfach nur spielen

Von Andreas Königl
Mittwoch, 21.01.2015 | 14:49 Uhr
Pierre-Emile Hojbjerg mit dem FC Augsburg im Trainingslager in der Türkei
© imago
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Pierre-Emile Hojbjerg soll nach seinem Wechsel von Bayern München zum FC Augsburg Spielpraxis sammeln und dann in München durchstarten. Aber wo soll der Däne im von Markus Weinzierl zuletzt so erfolgreich praktizierten 4-1-4-1-System spielen? Wer sind die Gewinner und Verlierer des Transfers? Und wie geht es im Sommer weiter?

19 Jahre und rotzfrech? Oder einfach nur erwachsen und zielstrebig? Es war ein selbstbewusster Eindruck, den Pierre-Emile Hojbjerg bei seiner Vorstellung in Augsburg vermittelte.

Schnell noch lässig in den Sessel gelehnt, zwei kräftige Schlucke aus der Pulle genommen und schon blickte er breit grinsend in die Augen der versammelten Journalisten: "Natürlich hatte ich keine Zweifel, dass hier guter Fußball gespielt wird - sonst wäre ich nicht hierhergekommen."

Der Däne wirkte gelöst, ja beinahe erleichtert und hatte sichtlich Spaß auf der ersten Pressekonferenz mit seinem neuen Arbeitgeber. "Von der Mentalität und der Spielanlage her passe ich sehr gut zu Augsburg und der Klub passt auch sehr gut zu mir. Ich bin sehr ehrgeizig und ambitioniert, wie auch der FCA", bekräftigte Hojbjerg.

Seither sind rund zwei Wochen vergangen und der Rückrundenstart am 1. Februar gegen 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr im LIVE-TICKER) rückt immer näher - es wird ernst.

Das Allround-Talent

Ob vorne, hinten, rechts oder links - Hojbjerg hat in seiner noch jungen Karriere schon beinahe überall gespielt und stellt auch in Augsburg zu Beginn keine Ansprüche: "Zunächst einmal ist es wichtig, auf dem Platz zu stehen", so der Youngster, der in der Hinrunde in München wettbewerbsübergreifend gerade einmal 550 Minuten absolviert hatte.

Dass er in Augsburg nun nicht erneut als Bankwärmer arbeiten muss, gilt als nahezu gesichert - dennoch stellt sich die Frage, wo der Allrounder im gut funktionierenden System von Weinzierl am besten aufgehoben ist.

"Natürlich ist er im Mittelfeld am stärksten, wobei die Entscheidung letztlich der Trainer trifft. Er kann hinten spielen, er kann vorne spielen. Das kommt immer darauf an, wie die Mannschaft zusammengestellt ist", erklärte sein Berater Sören Lerby gegenüber SPOX.

Schaut man auf die Trainingseinheiten im Trainingslager in der Türkei sowie auf die Testspiele gegen Gaziantepspor und Kaiserslautern, dann lässt sich aber bereits eine eindeutige Ausrichtung erkennen. Weinzierl setzt auf den Dänen in der Mittelfeldzentrale und war nach dem 1:0-Sieg gegen die Türken begeistert. Der unumstrittene Sechser Daniel Baier bekommt im Aufbau jedenfalls einen starken Nebenmann an die Seite gestellt.

Entlastung für Baier

Die zentrale Mittelfeldposition - Augsburgs großer Pluspunkt und Achillesferse zugleich. Denn zu Baier, der das Aufbauspiel der Weinzierl-Truppe in den letzten Jahren mit einer Beständigkeit eines Schweizer Uhrwerks geprägt hat, sind die Alternativen rar.

Wird der 30-Jährige vom Gegner zugestellt und aus dem Spiel genommen, kommt die Angriffsmaschinerie des FCA unweigerlich ins Stocken - ein technisch versierter Spieler, ausgestattet mit einem soliden Passspiel sowie einem Überblick über das große Ganze, kommt da gerade recht, um den Dauerbrenner zu entlasten.

"Der Trainer sieht mich auf der Achter-Position, quasi als Box-to-Box-Spieler", beschrieb Hojbjerg seine Rolle bereits bei seiner Vorstellung. Und er sollte bislang Recht behalten, durfte der Däne schließlich zumeist als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff agieren.

Ein Szenario, von dem neben Baier wohl auch Halil Altintop profitiert, kann er in der Rückrunde doch wieder mehr als Torschütze denn als Vorbereiter in Erscheinung treten - noch dazu, wo mit Sascha Mölders ein Mittelstürmer lange pausieren muss und mit Tim Matavz ein anderer gerade wieder den Anschluss an die Mannschaft sucht.

Kohr als großer Verlierer?

Wo ein Sieger, da auch ein Verlierer - ein Grundsatz, der wohl vor allem Dominik Kohr Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Der 20-jährige, von Bayer 04 Leverkusen ebenfalls zum Spielpraxis sammeln ausgeliehene Mittelfeldspieler, konkurrierte in der Hinrunde noch mit Markus Feulner um den Platz in der Zentrale neben Baier und Altintop.

Aus dem Zweikampf ist ein Dreikampf geworden, in dem der Neuzugang Hojbjerg wohl die besten Karten besitzt. Der Däne ist Konkurrenz aus München gewohnt und formuliert gleichzeitig große Ziele. "In Augsburg kann etwas Großes entstehen", sagte Hojbjerg, der auch bei Standardsituationen bereits Verantwortung übernimmt. "Für mich ist es wichtig, dort zu spielen, wo ich mich am besten entwickeln kann. Und hier in Augsburg geht es um sehr viel. Ich möchte so gut und so lange wie möglich dabei helfen."

Die Opta-Daten von Pierre-Emile Hojbjerg und Dominik Kohr im Vergleich

Vorbild David Alaba

Zunächst ist diese Hilfe aber auf maximal 17 Partien begrenzt, denn ab Sommer soll Hojbjerg wieder zum FC Bayern zurückkehren, bei dem er sich nach seiner Vertragsverlängerung bis 2018 auch durchsetzen will, so wie es David Alaba nach einem fünfmonatigen Gastspiel in Hoffenheim gelang. Auch wenn die Konkurrenz in München nicht kleiner werden dürfte.

"Jetzt kommt es darauf an, Spielpraxis zu sammeln. Er hat noch einen langen Weg vor sich und er muss versuchen, jeden Tag besser zu werden. Nur mit Reden gewinnt man nichts", sagte Berater Lerby, der sich über die langfristige Zukunft noch keine Gedanken machen will.

"Im Sommer setzen wir uns nochmals in aller Ruhe zusammen. Dann geht es entweder zurück nach München oder man entscheidet, dass er doch noch etwas Zeit braucht. Wichtig ist, dass er nun erstmal spielen kann."

Pierre-Emile Hojbjerg im Steckbrief

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