Donnerstag, 15.01.2015

Kevin Kampls erste Tage bei Borussia Dortmund

Der alte Geist

Kevin Kampls erste Tage bei Borussia Dortmund machen deutlich: Der Winter-Neuzugang verkörpert all jene Eigenschaften, die in Dortmunds Spiel Verschütt gegangen sind. Anders als frühere Einkäufe könnte der 24-Jährige auf Anhieb funktionieren - und muss dies auch. Doch der slowenische Nationalspieler wird die Krise beim BVB nicht alleine lösen.

Das erste Spiel für den BVB führt Kevin Kampl zu seinem Ausbildungsverein Leverkusen
© getty
Das erste Spiel für den BVB führt Kevin Kampl zu seinem Ausbildungsverein Leverkusen

Der größte Vorteil von Kevin Kampls viel diskutierter Frisur ist, dass man sie von weitem erkennt. Übt der BVB im spanischen La Manga nämlich auf dem hinteren Spielfeld des Trainingsplatzes, wird den Beobachtern erschwert, die einzelnen Spieler auseinander zu halten. Die Bewegungen der Profis sehen dann alle recht gleichförmig aus, zumal noch die Sonne aus der falschen Richtung scheint.

Kampl jedoch sticht heraus, auch neben dem Platz. Schließlich ist er der Einzige, der neu zum krisengebeutelten Team gestoßen ist. Kampl steht im Trainingslager unter sofortiger Beobachtung, denn bei seiner Personalie schwingt die Hoffnung auf Besserung der ernüchternden Lage mit.

Kampl im Porträt: Für höhere Aufgaben bestimmt

In Dortmunds Scoutingabteilung machte der Name Kampl schon seit längerer Zeit die Runde. Zu augenscheinlich war sein Entwicklungssprung bei Red Bull Salzburg, das seine Spiele dazu noch mit einer ähnlichen Herangehensweise bestreitet wie der BVB. Einige Klauseln in Kampls Vertrag ließen ihm die Möglichkeit für einen Wechsel offen, den die Borussia eigentlich erst im kommenden Sommer forcieren wollte.

Kampl verkörpert den alten BVB-Geist

Da nun aber auch Bayer Leverkusen, Kampls Ausbildungsverein und Dortmunds Dauerrivale auf dem Transfermarkt, die Angel nach ihm auswarf, entschloss man sich, früher als geplant zuzugreifen - und setzte sich wie schon bei Sokratis gegen den Werksklub durch.

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Blickt man auf die ersten Tage des 24-Jährigen in seiner neuen Heimat, stellt man überspitzt gesagt fest: Kampl verkörpert den alten Geist des BVB. Der slowenische Nationalspieler, der auf seinen vier Profistationen in Deutschland (Leverkusen, Fürth, Osnabrück, Aalen) nicht Fuß fassen konnte, wirkt quicklebendig, spritzig, gierig.

All diese Eigenschaften standen bis zum letzten Sommer auch für die Spielweise der Borussia. Sie verkümmerten während der Hinrunde jedoch zusehends, bis zum Ausklang des Fußballjahres 2014 beinahe gar nichts mehr davon übrig war.

Klopp: Kampl soll vorneweg gehen

Kampl ist nicht nur aufgrund des aktuellen Tabellenstandes geholt worden, sondern weil er in erster Linie als Spielertyp ideal zu Dortmund zu passen scheint - und er auch wie kaum ein Neuzugang vor ihm sofort funktionieren könnte. Bislang verwies man bei den Neuen im schwarzgelben Dress meist auf die natürliche Zeit, die es benötigt, um sich im Dortmunder Umfeld zu akklimatisieren und die Spielidee des BVB zu adaptieren.

Natürlich gilt dies irgendwo auch für Kampl, doch wenn Trainer Jürgen Klopp äußert, der Neue dürfe gerne sofort vorneweg gehen, dann heißt das auch: Kampl könnte nicht nur auf Anhieb funktionieren, sondern er muss es auch.

Bislang lässt sich dieses Vorhaben ordentlich an. Kampl hat sowohl im Training als auch im Test gegen den FC Sion (1:0) reichlich Talent hinterlegt: Er überzeugt mit Ballsicherheit, Robustheit, enger Ballführung, hoher Geschwindigkeit, guten Laufwegen und fordert die Bälle.

"Ganz, ganz tolle Momente"

Gegen die ebenfalls abstiegsbedrohten Schweizer gab es sogar ein, zwei Situationen, in denen Kampls dezenter Unmut zu sehen war, bei der Spieleröffnung nicht den ersten Pass direkt in die Füße gespielt bekommen zu haben. Nach dem Motto: Spiel' die Kugel ruhig her und vertraue mir.

In den ersten 45 Minuten, in denen Kampl in San Pedro del Pinatar auf dem Feld stand, bemängelte Klopp hin und wieder die fehlende Bewegung im Mittelfeld, damit der erste Ball aus der Abwehr heraus auch vertikal nach vorne gespielt werden kann.

Kampl kann er damit allerdings nicht gemeint haben, da dieser seine Position frei interpretierte, ein auffällig großes Pensum abspulte, auf der gesamte Breite des Spielfelds zu finden war oder sich auch selbst die Bälle abholte, um das Spiel auszulösen. "Er ist ein klasse Fußballer und hatte heute schon ganz, ganz tolle Momente", lobte Klopp im Anschluss.

Kampl taugt als Lernbeispiel

Die Trainingseinheiten in La Manga zeugen nicht nur von einer hohen Intensität, sondern auch von der Basisarbeit an den Grundprinzipien der Dortmunder Spielidee: Umschaltspiel in beide Richtungen, gemeinsames Verteidigen, Reaktion auf zweite Bälle. Dortmund paukt bekannten Lehrstoff, der Großteil der Automatismen ist in der Negativspirale Verschütt gegangen.

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Sieht man Kampls Bewegungen während der Einheiten, erkennt man, wie er als Lernbeispiel taugt. In ihm stecken noch all die Impulse, die es sowohl individuell als auch mannschaftstaktisch braucht, um dem bekannten Dortmunder Fußball wieder ein großes Stück näher zu kommen.

Der Rest des Teams ist zwar bemüht und zieht fleißig mit, doch am Verinnerlichen, am Mitdenken auf dem Feld mangelt es noch. Klopp und Co-Trainer Zeljko Buvac sparten in diesen Tagen nicht mit eindeutigen Ansagen an die Belegschaft, schnappten sich aber auch den Einzelnen und erläuterten das richtige Verhalten in einer soeben abgelaufenen Spielsituation.

Mannschaft wird stark belastet

Bei Kampl taten sie dies erst recht für einen Neuzugang selten, da in ihm diese unbedingte Bereitschaft zu stecken scheint. Klar ist allerdings jetzt schon: Trotz seines vielversprechenden Starts wird Kampl die strukturellen Probleme des Dortmunder Spiels nicht alleine lösen können.

Im Vorjahr sprach der aktuell verletzte Sven Bender im SPOX-Interview davon, das Team müsse wieder zu jener geschlossenen Galligkeit zurückfinden, über die man die Gegner in den erfolgreichen Jahren zermürbte. Damals war der BVB Tabellenvierter und beklagte eine nicht optimal verlaufene Hinrunde.

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Nun steckt Dortmund in einer Krise von beinahe historischem Ausmaß, die die Psyche der Spieler enorm angefasst hat. Die Mannschaft wird aktuell stark belastet, physisch wie psychisch. Die Selbstzweifel, die während der Hinrunde immer mehr am Nervenkostüm der Spieler nagten, können nicht vom Urlaub, sondern nur von sportlichen Erfolgserlebnissen weniger werden.

Das Team ist momentan nicht in der Lage, Kampl an die Hand zu nehmen und ihm bei der sportlichen Integration zu helfen. Dieses Mal könnte es vielmehr umgekehrt laufen.

Dortmunds Neuzugang Kevin Kampl im Steckbrief

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Für SPOX in La Manga: Jochen Tittmar

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Jochen Tittmar(Redakteur)

Jochen Tittmar, Jahrgang 1982, arbeitet seit 2008 in der Fußball-Redaktion für SPOX.com. Aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, ging es für ihn nach dem Studium der französischen sowie englischen Literatur und Sprache an der Universität Konstanz mit einem Praktikum beim Kicker weiter. Bei SPOX verantwortet er u.a. die Berichterstattung über Dortmund und Schalke. Zudem koordiniert er redaktionelle Projekte.

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