"Eine unglaubliche Erlösung"

SID
Freitag, 19.12.2014 | 09:19 Uhr
Uli Hoeneß wird 2015 wieder für die Bayern arbeiten
© getty
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Was Uli Hoeneß derzeit denkt und fühlt, ist nicht bekannt. Doch die Nachricht, dass er Weihnachten und Silvester bei seiner Frau Susi und seiner Familie am Tegernsee verbringen darf, wird den ehemaligen Präsidenten von Bayern München sicher mit vorweihnachtlicher Freude erfüllt haben. Es ist ein weiterer kleiner Schritt für den verurteilten Steuersünder Hoeneß - zurück zur Normalität.

Die "Bild am Sonntag" hat zuletzt berichtet, die bayerische Justiz habe dem Wunsch des 62-Jährigen nach Hafturlaub entsprochen. Demnach dürfte Hoeneß erstmals seit seinem Haftantritt am 2. Juni die Justizvollzugsanstalt in Landsberg/Lech sogar über Nacht verlassen, müsste erst am nächsten Tag wieder im Gefängnis erscheinen.

Ohnehin soll Hoeneß zu Beginn des neuen Jahres mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen können. Noch gibt es zwar keine Bestätigung der Behörden. Doch es wird davon ausgegangen, dass Hoeneß ab Anfang Januar nach Rothenfeld ins Freigängerhaus, ein ehemaliges Kloster, verlegt werden wird, um von dort aus tagsüber einer geregelten Arbeit in der Jugendabteilung des FC Bayern nachzugehen. Am Abend um 18 Uhr müsste er jeweils wieder zurückkehren.

Anstellungsvertrag mit der FC Bayern AG

Die Voraussetzungen hierfür sind längst geschaffen. Hoeneß, den das Landgericht München II im März wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt hatte, wird laut des aktuellen Bayern-Präsidenten Karl Hopfer einen "Anstellungsvertrag mit der FC Bayern AG" erhalten.

"Wir hoffen, dass er im Januar, an welchem Tag auch immer, anfangen kann", sagte Hopfner. Dies habe Hoeneß "selbst so gewünscht". Er glaube, dass dies für den früheren Manager "eine unglaubliche Erlösung ist, wenn er wieder unter uns sein kann".

Sein Büro wird Hoeneß aber nicht in der Vorstandsetage beziehen, sondern im Jugendhaus des Rekordmeisters, "weil er dort vor Ort sein muss", wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge unlängst der "Sport Bild" bestätigte. Offiziell wird Hoeneß demnach als "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team" geführt. Sein Boss ist dort Wolfgang Dremmler. Seinen Arbeitsablauf wird die Justiz, die für Freigänger strenge Auflagen vorsieht, regelmäßig überprüfen.

Vorfreude an der Säbener Straße

An der Säbener Straße freut man sich bereits auf die Rückkehr des einstigen Vereinspatrons, der den FC Bayern als Manager, Präsident und Aufsichtsratschef zur Weltmarke geformt hat. "Für mich, für uns alle beim FC Bayern ist es wichtig, dass seine Erfahrung, seine Fußball-Kompetenz und sein Blickwinkel auf den Verein wieder in die Entscheidungen einfließen", betonte Kapitän Philipp Lahm.

Es werde allerdings "ein ungewohntes Gefühl zu Beginn", sagte Dremmler dem Münchner Merkur, "er hat mir ja einst den Job hier besorgt. Aber wir sind eine Familie bei Bayern. Und Uli Hoeneß ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil dieser Familie, er ist im Großen und Ganzen diese Familie. Wir freuen uns auf seine Rückkehr."

Viel Zuspruch

Knapp sieben Monate sitzt Hoeneß bereits ein. Ende September durfte er die JVA Landsberg erstmals für ein paar Stunden verlassen. Immer wieder hat er in den letzten Wochen auch prominenten Besuch und viel Zuspruch erhalten, ob von Pep Guardiola, Franck Ribéry, Rummenigge, Günter Netzer oder Franz Beckenbauer.

Beckenbauer brachte von seinem Treffen mit Hoeneß zuletzt auch einige positive Nachrichten mit. "Er schaut gut aus, ist voller Kraft und voller Lebensfreunde", sagte der "Kaiser" bei Sky: "Ich hatte einen sehr guten Eindruck, er hat nach seinen eigenen Worten 18 Kilo abgenommen."

Inwieweit Hoeneß nach seiner Freilassung, die bei guter Führung nach rund 21 Monaten möglich wäre, wieder fest beim FC Bayern einsteigt, und in welcher Funktion, ließ Beckenbauer jedoch offen: "Man muss jetzt sehen, wie er die Zeit verkraftet und mit welchem Sinneswandel er rauskommt. Die Frage jetzt zu beantworten, wäre zu früh. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass er wieder mitmischt."

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