Dienstag, 02.12.2014

Jürgen Klopp zur Krise in Dortmund

"Ich bin niemand für einen Rücktritt"

BVB-Trainer Jürgen Klopp hat sich bei einem Vortrag mit dem Thema "Motivation und Führung" extrem offen über den aktuellen Negativlauf von Borussia Dortmund geäußert. Der 47-Jährige wird den BVB aber dennoch nicht aus freien Stücken verlassen und kündigte Kampfgeist an. Den Fans, die nur auf Erfolg aus sind, rät er dagegen einen Wechsel zum FC Bayern.

Jürgen Klopp empfiehlt Erfolgsfans einen Wechsel zum FC Bayern
© getty
Jürgen Klopp empfiehlt Erfolgsfans einen Wechsel zum FC Bayern

"Ich bin niemand für einen Rücktritt. Ich mache das ganz oder gar nicht. So lange Dortmund das möchte, mache ich das auch. Ich bin ein Kämpfer. Ich bin ein besserer Trainer als 2012, aber man sieht es an der Tabelle leider nicht", zitiert die "Bild" aus der Diskussionsrunde in Frankfurt am Montagabend.

Klopps Auftritt an dem Abend war bereits seit Monaten geplant, mittlerweile aber ist der BVB mit bereits acht Pleiten aus den ersten 13 Saisonspielen Tabellenletzter. "Im Erfolg ist es leicht, auf einem Lastwagen mit 8,4 Promille durch die Stadt zu fahren. Aber mir hat seit Sommer das Leben ein paar Mal auf die Fresse gehauen. Ich wäre auch lieber hierhergekommen und hätte locker über die Dinge geplaudert. Leider geht das nicht", so Klopp.

Gleichzeitig gab er infolge der Pleite bei Eintracht Frankfurt am Sonntagabend zu: "So schwierig, wie es jetzt ist, hätte ich es mir nicht vorgestellt. Seit zwei, drei Wochen überrascht mich das nicht mehr. Gründe: Viele Verletzte und Gegentore, die an Lächerlichkeit kaum zu überbieten waren. Das gestern Abend war noch das normalste."

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Klopp: Pfiffe "völlig normal"

Doch der in den letzten Jahren vom Erfolg verwöhnte BVB-Coach resigniert deshalb nicht. "Ich habe nie gedacht, dass mir mein Leben lang die Sonne aus dem Arsch scheint", betonte Klopp: "Die meisten in meiner Schule hätten geglaubt, dass ich mein Leben lang gegen den Abstieg spiele. Als mir mein Schuldirektor das Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt hat, sagte er mir: Hoffentlich klappt das mit dem Fußball, sonst wird es schwer."

Für die eigenen Fans zeigte er derweil Verständnis. Nach den ersten Niederlagen war die Mannschaft vom eigenen Anhang noch demonstrativ und lautstark gefeiert worden, mittlerweile sind aus dem Dortmunder Fanblock auch immer wieder Pfiffe zu hören. "Ich verstehe total die Kritik, das ist menschlich. Auch die Pfiffe verstehe ich. Sie sind völlig normal", gab Klopp zu.

Allerdings müsse sich jeder, der pfeift, "hinterfragen, ob es einem hilft, wenn er gerade eine Prüfung verhauen hat, dass dann jemand kommt und sagt: Du bist zu doof, um in den Schnee zu...! Peitschenknallen hilft nichts. Das würde bei mir auch nicht helfen." Einen letzten Seitenhieb in Richtung der Fans ließ er sich daher nicht nehmen: "Wer nur Erfolg haben will, hat nur eine Chance: Bayern-Fan zu werden. Soll er damit glücklich werden."

Der Kader des BVB im Überblick

Adrian Franke

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