Mensch Markus

Freitag, 12.12.2014 | 16:55 Uhr
Man schätzt sich: Pep Guardiola (l.) und Markus Weinzierl
© getty
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Der FC Bayern München gastiert beim Tabellendritten FC Augsburg (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Der Respekt des Rekordmeisters vor dem Nachbarn ist groß - und er ist ehrlich. Nicht nur, weil die Schwaben eine der wenigen Mannschaften sind, die den FC Bayern in der Ära Josep Guardiola besiegt haben. Hinter der Anerkennung steckt viel mehr.

"Ach, die haben das Spiel noch gewonnen?" Ein kurzes Lächeln. Eine Mimik, die ganz viel Anerkennung erahnen lässt. Und nochmal lächeln. Arjen Robben ratterte es offenbar in diesem Augenblick im Kopf, als er nach dem 1:0 gegen Bayer Leverkusen von Journalisten informiert wurde, dass der FC Augsburg sein Auswärtsspiel beim 1. FC Köln noch mit 2:1 gewonnen hat.

"Es stand 1:1, als ich noch geschaut habe", so Robben noch leicht überrascht. Als er schon nicht mehr zusah, erzielte Alexander Esswein in der 90. Minute das 2:1 für den FCA.

Die Mannschaft des FC Bayern war derweil - wie üblich vor Heimspielen - auf dem Weg von einem Hotel in Unterschleißheim in Richtung Stadion, nachdem am Vormittag das Anschwitzen an der Säbener Straße stattfand. Im höchst luxuriösen Bayern-Bus gibt es Pay-TV, sodass die Möglichkeit besteht, die Konkurrenz zu sehen, aber viele Spieler hören dann doch lieber Musik, lenken sich anderweitig ab oder sind bereits auf das eigene Spiel fokussiert und tun gar nichts, bis sie aussteigen und sich auf das Wesentliche vorbereiten.

Einer von zwei Pep-Besiegern

Robbens Überraschung hat freilich nichts damit zu tun, dass die Münchener ihren Nachbarn den Erfolg nicht zutrauen würden. Robben selbst sagte nach dem 3:0 gegen den ZSKA Moskau, dass "Augsburg schwerer wird als Moskau" und beim FC Bayern gibt es keine zweite Meinung zur These des Niederländers.

Nun gab es in Deutschland nicht viele Klubs, die den FC Bayern seit der Ankunft Josep Guardiolas besiegt haben - genau genommen sind es zwei: Borussia Dortmund und eben der FC Augsburg. "Sie sind drei Spieltage vor Ende der Hinrunde Dritter. Das zeigt, wie gut sie sind", sagt Pep über den Kontrahenten, auf den man am Samstag (15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in der SGL Arena trifft.

Als der Katalane am Freitag vor die Kameras trat, war es wohl die erste Pressekonferenz, in der er mehr über den Gegner sprechen musste als über die eigene Mannschaft. Eigentlich eine Sache, die Guardiola nicht so gern mag. Eigentlich mag er Pressekonferenzen an sich nicht, aber wenn, dann spricht er am liebsten nur über den FC Bayern. Über den FCA redete Guardiola aber anscheinend ganz gerne und sieht den Klub gar als Vorbild für viele andere: "Sie zeigen, dass Ideen wichtiger sind als Geld."

Parallelen zwischen den Trainern

Damit ist vor allem die Fußballidee des Trainers Markus Weinzierl gemeint, den Guardiola schon vor einem Jahr zu den "besten Trainern der Bundesliga" zählte. Seine Meinung hat sich nicht verändert: "Ich kenne ihn nicht, aber Ergebnisse sind Ergebnisse. Er hat eine Idee und der Klub kauft Spieler für diese Idee."

Die Philosophien beider jungen Trainer liegen indes gar nicht so weit auseinander. Der FCA adaptierte in der Vorsaison das 4-1-4-1, das Guardiola beim FC Bayern spielen ließ. Inzwischen hat sich der Bayern-Fußball erheblich verändert, der FCA bleibt dagegen beim bewährten System, auch wenn Weinzierl mitunter in Nuancen Änderungen vornimmt, um das Feld mal dynamischer, mal kompakter zu gestalten.

"Der Unterschied ist die extrem hohe individuelle Qualität in München. Diese macht es einfacher, um das Ganze variabler und kreativer zu gestalten. Wir profitieren dagegen von gewohnten Abläufen, sie geben uns Halt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten suchen wir aber trotzdem nach kreativen Lösungen", sagt Weinzierl im "kicker".

Weinzierl im Fokus - auch beim FC Bayern?

Dass Weinzierl aus so wenigen Mitteln so viel herausholt, macht ihn zwangsläufig zu einem gefragten Mann. Selbst im europäischen Ausland wird der Name bereits gehandelt. Es wäre verwunderlich, würden selbst die Bayern-Bosse, die nicht nur auf das Hier und Jetzt schauen, Weinzierl, der für den FC Bayern zwischen 1995 und 1999 als Vertragsamateur spielte, als Zukunftsoption im Fokus haben.

Nicht selten - so wie auch zuletzt gegen Moskau - ist Weinzierl zu Gast in der Allianz Arena, um den FC Bayern zu studieren. Er kennt den Fußball der Münchener aus vielen Beobachtungen in- und auswendig, kennt Plan A bis C des Rekordmeisters. Gegen Moskau machte sich der Tribünengast keine Notizen. Und das nicht, weil es ihm zu kalt war. "Ich habe keine neuen Erkenntnisse", sagt Weinzierl.

Auf der anderen Seite, so heißt es, habe Pep den FC Augsburg früh nach seiner Ankunft in Deutschland eingehend analysieren lassen, da ihm der Fußball in Augsburg positiv aufgefallen war. "Sie spielen schnell, aggressiv, auch ohne Ball", schwärmt Pep. Und genau das macht es so schwierig, gegen diese Mannschaft zu spielen.

Wohin führt der Weg des FCA?

Beim FC Augsburg bleibt die Bewunderung vom großen Nachbarn nicht unverborgen. Weinzierl ist es aufgefallen, dass Guardiola gegen Moskau ordentlich rotierte, Robert Lewandowski, Arjen Robben, Xabi Alonso zunächst schonte, um sie am nächstgelegenen Auswärtsstandort frisch einsetzen zu können: "Sie werden uns nicht unterschätzen", weiß Weinzierl. Wieder so eine Anerkennung für ihn und seine Mannschaft.

Wohin die Reise des FC Augsburg geht, bleibt abzuwarten. Ob die aktuellen Plätze, die Europapokal bedeuten würden, gehalten werden können, steht in den Sternen, zumal der Kader in der Breite dann doch nicht so stark ist. Und er wäre es erst recht nicht für eine mögliche Saison im Europapokal. "In dem Fall würden natürlich neue Probleme und neue Herausforderungen kommen. Wir hätten einen anderen Rhythmus und die Belastung wäre viel höher", sagt Geschäftsführer Stefan Reuter.

"Ich kann nichts voraussehen, aber es kann schon passieren", sagt Guardiola über die Europapokal-Chancen des FC Augsburg. Spätestens dann wird Arjen Robben sicher bis zum Ende gucken, wenn der FCA Fußball spielt.

Der FC Augsburg im Steckbrief

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