"Können kaum noch schlafen"

SID
Dienstag, 25.11.2014 | 14:49 Uhr
Klaus-Dieter Fischer standen bei seiner emotionalen Abschiedsrede Tränen in den Augen
© getty
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Dem gerade zum ersten Ehrenpräsidenten der 116-jährigen Klubgeschichte gewählten Klaus-Dieter Fischer standen die Tränen in den Augen. "Denkt über einen strategischen Partner oder Investor nach, ohne die Seele von Werder Bremen zu verkaufen", beschwor der 73-Jährige bei seiner hochemotionalen Abschiedsrede die Geschäftsführung der Hanseaten.

Nackte Angst schwang mit in der Stimme des Werder-Urgesteins, das 45 Jahre lang Führungsarbeit beim norddeutschen Traditionsverein geleistet hatte - und nun um sein Lebenswerk bangen muss.

Finanziell einst ein Vorzeigeklub der Liga, hat man nun an der Weser günstigstenfalls noch ein Jahr Zeit, das Steuer herumzuwerfen. Diesmal war es ein Minus von 9,8 Millionen Euro, das Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf der Mitgliederversammlung einräumen musste. Binnen drei Jahren haben die Norddeutschen ein Defizit von fast 32 Millionen Euro eingefahren.

Die fetten Jahre in der Champions League sind seit 2010 vorbei, mehrere Transferflops waren richtig teuer und alte Recken wie Mannschafts-Kapitän Clemens Fritz und Abwehrchef Sebastian Prödl werden immer noch auf Königsklassen-Niveau bezahlt. "Verluste von fast zehn Millionen Euro dürfen sich nicht fortsetzen, noch aber sind wir ein gesunder Verein", behauptete Filbry. Ein Optimismus, der so manchem Vereinsmitglied in der altehrwürdigen Werder-Halle den Atem stocken ließ.

Denn bei nur noch 6,7 Millionen Eigenkapital ist die Lage in der Hansestadt gelinde gesagt problematisch, bei einem Bundesliga-Abstieg des aktuellen Tabellenvorletzten wäre sie dramatisch. "Wir können alle kaum noch schlafen", räumte der langjährige Aufsichtsrats-Boss Willi Lemke unumwunden ein. Für den ehemaligen Werder-Manager ist die Situation sogar gefährlicher als 1999, als der junge Thomas Schaaf Felix Magath im Mai auf der Trainerbank ablöste und den Klassenerhalt doch noch unter Dach und Fach brachte.

"Haben mehr Zeit, aus dem Keller zu kommen"

"Seinerzeit sind wir deutlich später in der Saison unter Druck geraten. Jetzt haben wir allerdings mehr Zeit, aus dem Keller wieder herauszukommen", sagte Lemke. Sportlich - und daran anknüpfend auch finanziell. Diesen Zusammenhang sieht jedenfalls Marco Bode. Der frühere Nationalspieler und Ehrenspielführer der Grün-Weißen hatte vor wenigen Wochen Lemke an der Spitze des Kontrollgremiums abgelöst und ist nun der große Werder-Hoffnungsträger.

Der Ex-Europameister nimmt bei seinen strategischen Ausrichtungen folgerichtig zuallererst den neuen Cheftrainer Viktor Skripnik und seine Profis, die brav die Mitgliederversammlung verfolgten, in die Pflicht: "Sportlicher Erfolg ist mit Sicherheit der beste Hebel. Es wird mit Fortschritten schwer, wenn wir dauerhaft am Tabellenende bleiben."

Und allen Beschwörungen der heilen Werder-Familie zum Trotz: Dass Klubmitgliedern angeblich Geld angeboten wurde, um im Saal gegen "Sparfuchs" Lemke Stimmung zu machen, ließ viele Vereinsangehörige fassungslos zurück, auch den neuen Ehrenpräsidenten Fischer, zuletzt mit Lemke häufiger im Clinch: "Solche Aktionen sind eine Schweinerei. Alle, auch ich, haben in der Vergangenheit Fehler gemacht" Umgesetzt wurde die höchst zweifelhafte Stimmungsmache aber letztendlich nicht.

Der Kader von Werder im Überblick

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