Montag, 03.11.2014

Trainer schwimmt auf Euphorie-Welle

Favre genießt und will mehr

Am Ende seines denkwürdigen Geburtstages schaltete auch der fußballverrückte Lucien Favre einmal ab und gönnte sich ein Glas Rotwein. 17 Pflichtspiele ungeschlagen, neben dem VfL Wolfsburg der einzige ernsthafte Bayern-Jäger und aufkommende Vergleiche mit dem legendären Hennes Weisweiler - der Trainer von Borussia Mönchengladbach hatte nach dem souveränen 3:1 (2:1) im Verfolgerduell gegen 1899 Hoffenheim allen Grund, einmal zu entspannen.

Lucien Favre hat mit der Borussia derzeit allen Grund zur Freude
© getty
Lucien Favre hat mit der Borussia derzeit allen Grund zur Freude

Der akribische Arbeiter Favre lehnte sich aber nur kurz zurück. Vergleiche mit Trainer-Legende Weisweiler wollte er auch nach der Einstellung des Uralt-Rekord aus der Meistersaison 1970/71 am liebsten gar nicht hören. "Die Geschichte habe ich gar nicht so verfolgt", sagte der Schweizer. Viel wichtiger sei für ihn, dass Gladbach wieder eine gute Mannschaft habe, so der 57-Jährige.

Davon kann sich derzeit die Konkurrenz in der Bundesliga Woche für Woche überzeugen. Doch das ist dem glänzenden Taktiker Favre nicht genug. "Wir müssen die Mannschaft weiter stabilisieren, sie kann noch weitere Fortschritte machen. Wir wollen unsere Serie fortsetzen", sagte Favre.

Wenn der bescheidene Schweizer diese Worte wählt, klingt es fast schon wie eine Kampfansage an die Konkurrenz. Dabei ist der Respekt vor dem fünfmaligen deutschen Meister ohnehin schon enorm. "Einfache Fehler bestraft Gladbach aktuell brutal", stellte 1899-Coach Markus Gisdol anerkennend fest und Innenverteidiger Niklas Süle ergänzte: "Gladbach ist vorne super besetzt."

Ständige Rotation

Gegen Hoffenheim rotierte Favre wieder kräftig, die neu in die Startelf gerückten André Hahn (12.) und Patrick Herrmann (32./52.) zahlten das Vertrauen mit ihren Toren zurück. "Außen geht die Post ab", sagte Herrmann mit Blick auf das bemerkenswerte Tempospiel der Gladbacher über die Flügel.

Vergleiche mit der legendären Fohlenelf unter Weisweiler kommen da zwangsläufig. Favre äußert sich aber nur ungern über die Vergangenheit. "Weisweiler war ein Top-Trainer mit viel Charisma. Ich hatte einen guten Kontakt zu ihm", lässt er sich aber entlocken.

Als Favre noch Spieler bei Servette Genf war, trainierte Weisweiler Grasshopper Zürich und nominierte den aktuellen Gladbacher Coach als Spieler des Jahres. Doch Favre verbindet auch eine negative Erinnerung mit seinem erfolgreichsten Vorgänger auf der Borussia-Bank: "Im Pokal haben sie einmal in der Nachspielzeit zum 2:2 ausgeglichen. Das Wiederholungsspiel haben wir dann 0:3 verloren."

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"Müssen auf dem Boden bleiben"

Das Gefühl der Niederlage kennt man derzeit rund um den Borussia-Park in diesen Wochen aber nicht. In grenzenlose Euphorie verfällt deswegen niemand. "Wir müssen auf dem Boden bleiben", forderte Favre, während Max Eberl aber das gewonnene Selbstvertrauen zum Ausdruck bringt: "Wir genießen den Moment, stehen berechtigt da oben. Es ist noch ein langer Weg, aber den wollen wir gehen. Die Tabelle ist eine Momentaufnahme. Am zehnten Spieltag ist noch keine Mannschaft in die Champions League gekommen", sagte der Sportdirektor bei Sky.

Auch Matchwinner Patrick Herrmann hebt vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstag in Limassol und dem nächsten Bundesligaauftritt am kommenden Sonntag beim kriselnden Vizemeister Borussia Dortmund mahnend den Finger: "In der vergangenen Saison wurde in der Winterpause auch viel über die Tabellensituation gesprochen. Das hat uns nicht gut getan."

Die Hoffenheimer nahmen derweil ihre erste Niederlage im zwölften Pflichtspiel gelassen. "Aus diesem Spiel können wir einiges lernen. Das müssen wir auch, um uns weiter zu verbessern", sagte Torhüter Oliver Baumann. Mehr als den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Anthony Modeste (30.) gelang den Gästen in der Offensive nicht. "Wir hatten zu wenig Torchancen, um zu sagen, hier wäre ein Punkt drin gewesen", sagte Baumann. Widersprechen wollte da niemand.

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