Fussball

Ein Typ für Sammer

Sebastian Rode (r.) erzielte gegen 1899 Hoffenheim sein erstes Bundesligator für den FC Bayern
© getty

Sebastian Rode belohnt sich gegen 1899 Hoffenheim mit seinem ersten Bundesligator für den FC Bayern. Der Neuzugang von Eintracht Frankfurt ist für die Verantwortlichen ein Beispiel, wie sich Ersatzspieler im Sinne des Teams verhalten müssen.

Es war der emotionale Höhepunkt des Bundesligaspiels gegen 1899 Hoffenheim. Die vier Tore des FC Bayern, der Ausgleich des SC Paderborn gegen Borussia Dortmund, all das wurde pflichtgemäß gefeiert. Richtig aus dem Sattel ging das Publikum in der Arena aber, als Bastian Schweinsteiger eingewechselt wurde.

Der Vize-Kapitän feierte nach knapp vier Monaten Pause sein Pflichtspiel-Comeback. Zuletzt stand er beim WM-Finale im heißen Rio de Janeiro auf dem Platz. Mit Standing Ovations wurde er an diesem kühlen Novemberabend in München-Fröttmaning begrüßt.

Trainer Pep Guardiola lernte in dieser Szene nach eigener Aussage nochmal etwas über die Bedeutung dieses Spielers für den Klub hinzu. Nur auf der Ersatzbank dürften zwei Spieler nicht besonders begeistert gewesen sein. Denn mit der dritten Auswechslung war klar, dass der Arbeitstag von Pierre-Emile Hojbjerg und Xherdan Shaqiri beendet war.

Rode überzeugt durch Selbstlosigkeit

Beide verließen auch dementsprechend bedient und wortlos die Arena. Sebastian Rode sprach dagegen von einem "Gänsehaut-Moment". Der Neuzugang von Eintracht Frankfurt stand dabei schon knapp 20 Minuten auf dem Feld und hatte sein persönliches Highlight noch vor sich.

Nach Vorarbeit von Schweinsteiger erzielte Rode seinen ersten Bundesliga-Treffer im Trikot des FC Bayern. "Es freut mich doppelt, dass er den Treffer vorbereitet hat. Das war auch für ihn ein guter Einstand", sagte Rode über Schweinsteiger. "Ich hoffe, dass er zu alter Stärke zurückfindet und uns weiterhelfen kann."

Und das war durchaus ehrlich gemeint, obwohl Schweinsteiger ein Konkurrent auf seiner Position ist. Es ist diese Selbstlosigkeit, die Rode in dieser Phase der Saison zu einem Vorbild für alle Reservisten im Allgemeinen macht. Und im Speziellen für Hojbjerg und Shaqiri.

Klare Ansage an Hojbjerg und Shaqiri

Beide hatten in den letzten Wochen mal mehr mal weniger offensiv mit ihrem Abschied im Winter kokettiert. Vor allem der Däne Hojbjerg sieht sich in letzter Zeit deutlich unterrepräsentiert. Guardiola hatte schon vor vier Wochen mit deutlichen Worten reagiert und am Freitag nochmal nachgelegt. Wer nicht bleiben wolle, solle sich mit dem Verein unterhalten und gehen. "Ich will Spieler, die für Bayern spielen wollen."

Dass trotz der Verletzung von Philipp Lahm Hojbjerg nicht zum Einsatz kam, darf durchaus als Statement des Trainers interpretiert werden. Immerhin galt der 19-Jährige bei vielen als erster Ersatzmann für den Kapitän.

Aber Rode hatte sich schon vor einer Woche ein Sonderlob für seine Zurückhaltung in der Öffentlichkeit und sein Engagement auf dem Platz verdient. "Er ist mein 'favourite player' in der Mannschaft", sagte Guardiola. "Er will immer, er will sich immer verbessern, er klagt nicht, er hilft der Mannschaft und er ist ein super Spieler für mich."

Auch Sportvorstand Matthias Sammer hat mehrmals auf die Bedeutung der Reservisten fürs Binnenklima hingewiesen und maximalen Einsatz auch in der zweiten Reihe gefordert. Der Ehrgeiz von Rode dürfte ganz nach Sammers Geschmack sein.

Robben freut sich für Rode

Natürlich habe er sich geärgert, dass er nicht in der Startelf stand, sagte Rode am Samstag, "aber es hilft ja nix zu lamentieren." Er sei Teil einer "sehr, sehr guten Mannschaft". Seine Aufgabe als Reservespieler sei es dann eben, die Spieler so zu unterstützen, dass sie ihre beste Leistung abrufen können. "So sehe ich meinen Part."

Es spricht für Rode, dass er nicht mit falschen Erwartungen nach München kam und für sich eine Vorstellung seiner Rolle im Kader entwickelt hat. Das kommt bei Trainern und Spielern an.

"Ein Riesenkompliment an ihn", sagte Arjen Robben. "Das habe ich ihm auch auf dem Platz gesagt. Er spielt noch nicht viel, aber gibt immer 100 Prozent im Training. Man sieht, dass er versucht, sich als Spieler zu entwickeln. Das Tor hat er sich verdient."

Nächste Belohnung in der CL?

Der ewig heiße Robben hat natürlich auch Verständnis für die unzufriedenden Spieler im Kader. "Wenn du auf der Bank sitzt und nicht viel Einsatzzeit bekommst, darfst und musst du sogar enttäuscht sein."

Aber man muss es im Sinne der Mannschaft transportieren. Und das gelingt Rode aktuell besser als Hojbjerg. "Jeder Mensch ist anders", sagt Rode dazu.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass schon am Dienstag die nächste Belohnung auf ihn wartet und er in der Champions League bei Manchester City zu seinem Startelfdebüt in der Königsklasse kommt (Di., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Die Bayern sind schon fürs Achtelfinale qualifiziert, Guardiola könnte einige Änderungen vornehmen. "Das wäre schon ein geiler Moment", sagte Rode, wenn er zu den Klängen der Hymne auf dem Rasen stehen würde.

In der Liga haben sich die Bayern ebenfalls in eine hervorragende Ausgangsposition gespielt. Sieben Punkte Vorsprung auf den VfL Wolfsburg, zehn auf Borussia Mönchengladbach. "Wir haben das Ziel, bis zur Winterpause keinen Punkt mehr abzugeben", sagte Rode.

Dabei lassen sich die Münchner auch von den großen Verletzungssorgen nicht beirren. "Egal, wie viele Verletzte wir haben", sagte Rode. "Wir haben noch genügend, die da sind und Leistung bringen können." Er selbst gehört auf jeden Fall dazu.

Der Kader des FC Bayern München

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