Jupp Heynckes über Bayern, Kroos und den BVB

"Toni hat seine Bestimmung gefunden"

Von Dennis Rump und Andreas Lehner
Montag, 10.11.2014 | 12:07 Uhr
Jupp Heynckes und Toni Kroos arbeiteten bereits bei Bayer Leverkusen zusammen
© getty
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Jupp Heynckes hat mit dem FC Bayern 2013 das Triple gewonnen und verabschiedete sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den Ruhestand. SPOX traf ihn bei einem PR-Termin in München. Der 69-Jährige über die Entwicklung des FC Bayern unter Pep Guardiola, die Leistungen von Toni Kroos bei Real Madrid und die Krise von Borussia Dortmund.

Jupp Heynckes über...

...die Entwicklung des FC Bayern unter Pep Guardiola:

"Pep macht das sehr gut. Aber man muss sehen: alle Trainer, die in den letzten Jahren beim FC Bayern gearbeitet haben, hatten großen Erfolg. Nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel 2012 gegen den FC Chelsea haben wir aufgerüstet, den Kader substanziell verstärkt, so dass wir 2013 einen Kader wie nie zuvor in der Geschichte des FC Bayern hatten. Das setzt sich jetzt fort. Man hat mit Mario Götze und Robert Lewandowski zwei der begehrtesten Spieler der Liga geholt. Dazu hat man mit Xabi Alonso einen Top-Spieler verpflichtet, der fünf Jahre in Liverpool und fünf Jahre bei Real Madrid gespielt hat und immer Weltklasse war. Diese Qualität hat keine andere Mannschaft in Deutschland, deswegen dominiert der FC Bayern die Bundesliga und ist auch in der Champions League im Lot. Sie sind schon fürs Achtelfinale qualifiziert."

...Titelchancen des FC Bayern in dieser Saison:

Über die Meisterschaft brauchen wir nicht diskutieren und der FC Bayern hat auch große Chancen, den DFB-Pokal und die Champions League zu gewinnen. Es gibt für mich vier Vereine, die für den Sieg in Frage kommen: Real Madrid, der FC Bayern, der FC Barcelona und der FC Chelsea.

...seinen Anteil am Erfolg der aktuellen Mannschaft:

"Diese Diskussion mag ich überhaupt nicht. Ich habe 2011 die Mannschaft quasi von Louis van Gaal übernommen. Er hat wie Ottmar Hitzfeld und Felix Magath in den zurückliegenden Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Es ist wichtig, dass man sehr gute Trainer als Vorgänger hat, dann sind schon Strukturen vorhanden. Es ist erstens ein Privileg, den FC Bayern trainieren zu dürfen und zweitens ein Geschenk des Himmels, eine Triple-Mannschaft zu übernehmen, die traumhaften Fußball gespielt hat."

Der FC Bayern in der Saison 2012/13 (Heynckes) und in der Saison 2013/14 (Guardiola)

...den Trainerwechsel als Mittel gegen das Sättigungsgefühl:

"Ich glaube nicht, dass ein Sättigungsgefühl da ist, weil die Spieler hoch professionell arbeiten. Wer beim FC Bayern spielt, muss sich an die Regeln halten, das heißt: es muss Leistung gebracht werden und es müssen Titel her. Zudem haben die Nationalspieler bei der WM 2014 gezeigt, dass sie noch Hunger auf Erfolg haben. Sie sind Weltmeister geworden, das ist das größte, was man als Fußballer erreichen kann. Ich habe schon 2013 gesagt, dass ich noch nie eine so professionelle Mannschaft trainiert habe wie die Triple-Mannschaft. Genau das gleiche hat jetzt auch Carlo Ancelotti über sein Team bei Real Madrid gesagt. Diese Eigenschaft ist heute im Profi-Fußball von größter Bedeutung. Man braucht ein Team, das funktioniert, das sich versteht, in dem der eine für den anderen da ist. Das war beim FC Bayern 2013 so und die Mannschaft hat sich diesbezüglich nicht verändert."

...Gefahr der Bayern-Dominanz in der Bundesliga:

"Es ist ein Stück Spannung weg. Für den neutralen Zuschauer ist das enttäuschend, wenn von vornherein feststeht, dass der FC Bayern Meister wird. Aber das liegt doch nicht am FC Bayern. Der Verein hat seine Hausaufgaben gemacht, ist sehr gut aufgestellt und dominiert die Liga. Dadurch, dass Borussia Dortmund so schlecht gestartet ist, gibt es in diesem Jahr keinen Konkurrenten.

... Entwicklung von Toni Kroos bei Real Madrid:

"Toni Kroos spielt fantastisch. Er hat seine Bestimmung gefunden, er ist der Taktgeber im Mittelfeld von Real Madrid und das soll schon mal was heißen. Da spielen nur super Spieler. Er ist akzeptiert und hat sich wunderbar integriert. Die Position im defensiven Mittelfeld neben Modric kann man nicht besser ausfüllen. Ich habe ihn auch angerufen, habe ihm SMS geschrieben und ihn beglückwünscht, weil ich weiß, welcher Druck in Madrid herrscht."

Kroos mit Lob überschüttet: "Ergebnis deutscher Ingenieurskunst"

...die Krise von Borussia Dortmund:

"Das konnte man nicht erwarten. Man konnte sicher erwarten, dass gerade die Dortmunder Spieler, die durch ihre Art Fußball zu spielen sehr strapaziert werden, nach der WM in ein kleines Leistungsloch fallen. Dann muss man eben den Kader entsprechend konzipieren."

...den Nachteil des BVB, immer wieder Spieler abgeben zu müssen:

"Natürlich ist das ein großes Handicap. Lewandowski ist einer der drei besten Mittelstürmer der Welt und Götze das größte Talent, das auf dem deutschen Fußballmarkt zu haben war. Wenn solche Spieler Dortmund verlassen, müssen der Trainer und der Verein furchtbar kreativ sein und Spieler aus dem Hut zaubern. Der BVB kann keine 50 oder 80 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben wie das Real Madrid zum Beispiel macht. Deshalb ist das für Jürgen Klopp sehr schwer. Man sieht das auch an der deutschen Nationalmannschaft. Nachdem Lahm, Mertesacker und Klose ihre Karriere beendet haben und weitere Spieler verletzt sind, ist das Niveau nicht mehr so hoch wie bei der WM. Jeder Trainer braucht gute Spieler, um Spitzenfußball spielen zu lassen.

Der Kader des FC Bayern München

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