Der Saisonstart des SC Freiburg

Zurück zur Emotion

Freitag, 07.11.2014 | 09:23 Uhr
Christian Streich jubelt mit seinem neuen Abwehrspieler Marc Torrejon
© getty
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Der SC Freiburg feierte in Köln seinen ersten Saisonsieg und will gegen Schalke 04 nachlegen (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Trainer Christian Streich hat die richtigen Schlüsse aus den Problemen der Anfangsphase gezogen - und sein Coaching verändert.

Es waren ein paar gute Tage für den SC Freiburg. Und die kamen auch ganz gelegen in einer Phase, in der die Bundesliga-Tabelle nur wenig Anlass zur Freude gab. Auf der Jahreshauptversammlung Ende Oktober verkündete der Klub einen Gewinn von 12,8 Millionen Euro. Ein Teil davon wird in den geplanten Stadionneubau fließen, der den Sportclub in den nächsten Jahren vor ein großes Projekt stellen wird.

Zum Ende der Woche kam zum wirtschaftlichen auch der sportliche Erfolg dazu. Das 1:0 beim 1. FC Köln bedeutete den ersten Saisonsieg für das Team von Trainer Christian Streich. Die Freiburger schoben sich an der kriselnden Dortmunder Borussia vorbei auf Relegationsrang 16.

Ein kleiner Schritt, aber endlich das lang ersehnte Erfolgserlebnis nach einer saisonübergreifend sieglosen Zeit von knapp sieben Monaten. Zuvor hatten die Freiburger letztmals am 19. April gegen Borussia Mönchengladbach ein Bundesligaspiel gewonnen (4:2).

Nicht die üblichen Mechanismen

Richtig unruhig oder nervös wurde es im Breisgau trotz der langen Durststrecke trotzdem nicht. Es ist nicht so, dass die Freiburger den Ernst der Lage nicht erkannt hätten oder gar recht lax mit Situation dieser Art umgehen würden. Aber ähnlich wie gerade beim BVB greifen die klassischen Mechanismen des Profigeschäfts in Freiburg nicht.

Anders als beispielsweise in Bremen, wo die Entlassung von Trainer Robin Dutt am Ende zu erwarten war, weil der Druck von außen zu groß wurde, wie es dann in bester Fußballersprache heißt und die Mannschaft offenbar einen neuen Impuls brauchte.

In Freiburg laufen die Dinge zumindest in dieser Hinsicht etwas anders. Zwar spüren auch Streich und seine Spieler den Leistungsdruck im Spitzensport, aber eine Serie von sieglosen Spielen führt nicht automatisch zu den Reflexen Trainerdiskussion oder gar Demission.

Streich übt Selbstkritik

Dafür gibt es im Freiburger Umfeld Platz für Selbstreflexion und das offene Eingeständnis von Schwächen und Fehlern. Streich hat das sowohl vor als auch nach der Partie in Köln getan. Er hat sich öffentlich selbst hinterfragt und mögliche Fehler in seiner Arbeit offengelegt.

Er müsse sich "kritisch betrachten", sagte Streich, weil er der Mannschaft "emotional nicht diese Kraft geben konnte, die sie gebraucht hätte. Vielleicht hätten wir sonst schon ein, zwei Punkte mehr."

Natürlich ist ein Trainer in schweren Momenten immer darum bemüht, sich vor die Mannschaft zu stellen und ihr den Rücken freizuhalten. Aber der Sportclub ist seit der Installation Streichs Ende 2011 als Cheftrainer in gewisser Weise auch abhängig von der Besessenheit und den Emotionen des 49-Jährigen.

Nicht bei 100 Prozent

Streich gab offen zu, dass ihm die negativen Spielverläufe zu Saisonbeginn zugesetzt hatten. Die Freiburger verspielten nacheinander mögliche Siege gegen Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC und 1899 Hoffenheim. Dazwischen lag eine Niederlage in Dortmund.

Beim 0:0 gegen Gladbach verschoss Admir Mehmedi einen Strafstoß, gegen Hertha und Hoffenheim kassierte der SC jeweils in der Nachspielzeit die Ausgleichstreffer. Die ein, zwei Punkte mehr, von denen Streich sprach, hätten auch sechs sein können. Aus einem starken Saisonstart gegen starke Gegner wurde ein Stotterstart ohne Sieg, der in einer blutleeren Leistung in Augsburg gipfelte.

Mit den späten Rückschlagen habe er nicht "zu 100 Prozent umgehen" können, gab Streich zu. "Vielleicht war ich zu sehr enttäuscht über den fehlenden Sieg." In der Folge "konnte ich nicht alle Kraft der Mannschaft geben und den Wagen vorausziehen".

Neue Defensive überzeugt

Streich hat seine Schlüsse aus der "sehr komplexen" Situation gezogen und sich, sowie das Freiburger Spiel neu aufgesetzt. Schon beim 5:2-Sieg im DFB-Pokal bei 1860 München habe er Fortschritte in Organisation, Rhythmus, Umschaltbewegung, Kompaktheit und Ruhe im Spiel entdeckt.

In Köln verordnete er seinem Team eine sehr defensive Grundausrichtung. Der Sportclub schlug den FC mit seinen eigenen Waffen. Für neue Stabilität in der Defensive haben auch die beiden Neuzugänge in der Innenverteidigung gesorgt.

Nachdem Stefan Mitrovic und Marc Torrejon zu Beginn der Saison nur auf der Bank saßen, haben sie die Absenzen von Pavel Krmas (Sperre) und Marc-Oliver Kempf (Verletzung) für Werbung in eigener Sache genutzt. Auch Rückkehrer Sascha Riether scheint endlich seine Form und seinen Platz im Team gefunden zu haben.

Fokus auf die eigene Leistung

In diesem Zusammenhang dürfte auch geholfen haben, dass diese Spieler die Negativerlebnisse der Vorwochen nicht immer auf dem Platz miterlebt haben. Frei sein im Kopf, das ist für Streich einer der grundlegenden Aspekte, um gute Leistungen abzurufen.

Durch seinen eigenen Durchhänger habe er es nicht geschafft, die Ergebnisse von den Spielern fern und die Aussagekraft der Leistung hochzuhalten. "Es geht nur darum, wie du das nächste Spiel angehst. Du musst die richtige Atmosphäre haben. So waren wir erfolgreich und so sind wir aus schwierigen Situationen gekommen."

Mit diesem Fokus auf die eigene Leistung will Streich den SC Freiburg wieder in sichere Tabellenregionen führen. Der Rest kommt von allein. "Wenn wir gut spielen, haben wir die Chance auf gute Ergebnisse. Das muss die Aufgabe sein, für den Rest der Saison."

Der Kader des SC Freiburg

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