"Auf meinen Spitznamen wirklich stolz"

Von Interview: Christian Rapp
Edgar Schmitt erzielt vier Tore beim "Wunder vom Wildpark" gegen Valencia
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SPOX: Sie haben gerade Oliver Kahn erwähnt. Wie musste man sich den 24-jährigen Kahn vorstellen?

Schmitt: Oliver Kahn war ein absoluter Führungsspieler, ohne große Reden zu halten. Er war der vorbildlichste Profi, den es gab, konnte sich auf den Punkt fokussieren wie kein anderer und war ein Teamplayer. Kurz und knapp - er war einfach der Beste.

SPOX: Bis zum Halbfinale waren Sie in jeder Runde krasser Außenseiter. Dort wartete dann Salzburg. Auf einmal lag die Favoritenrolle auf Seiten des KSC. War das der Knackpunkt?

Schmitt: Psychologisch hat es sicher eine Rolle gespielt, zum ersten Mal Favorit zu sein. Das torlose Unentschieden in Wien war für uns ein ganz gefährliches Ergebnis. Uns war klar: Schießt Salzburg ein Tor, dann müssen wir schon zwei schießen. Und so kam es dann auch im Rückspiel. In Karlsruhe waren wir an diesem Tag nicht in der Lage, Austria Salzburg zu schlagen. Man muss aber auch erwähnen, dass Austria Salzburg eine richtig gute Mannschaft hatte. Immerhin hatten sie im Achtelfinale Sporting Lissabon und im Viertelfinale Eintracht Frankfurt ausgeschaltet.

SPOX: Im Finale hätte Inter Mailand gewartet. Trauert man einer solchen Gelegenheit nach?

Schmitt: Nachtrauern will ich so direkt nicht sagen. Wir haben die große Chance verpasst, das Endspiel nicht nur zu bestreiten, sondern es sogar zu gewinnen. Inter Mailand spielte keine gute Saison und war am Ende der Saison in der Liga auf dem 14. Tabellenplatz.

SPOX: In den folgenden Spielzeiten spielten Sie noch ordentlich, konnten aber nicht mehr an die damalige Saison anknüpfen.

Schmitt: Das kann man so nicht sagen. Ich habe mich am Ende der Saison 93/94 gegen Bayern München schwer verletzt. Es war fraglich, ob ich überhaupt wieder Fußball spielen konnte. In der Saison 94/95 bestritt ich dann auch nur 14 Bundesligaspiele, jedoch mit der traumhaften Torquote von 11 Toren.

SPOX: Mit 34 Jahren verließen Sie den KSC und spielten zwei weitere Jahre für Fortuna Köln. Mit 36 beendeten Sie dann Ihre Karriere. Wie ging es für Sie dann nach der Laufbahn als Profi weiter?

Schmitt: Mit mittlerweile 34 Jahren habe ich gemerkt, dass ich dem Hochleistungssport wegen meiner vielen und schweren Verletzungen nicht mehr gewachsen war. Obwohl die Zeit bei Fortuna Köln schön und spannend war, hätte ich mir dieses Engagement ersparen müssen.

SPOX: In einem Interview im "aktuellen Sportstudio" im Dezember 2013 haben Sie von Schwierigkeiten gesprochen, von denen fast alle Profisportler nach ihrem Karriereende betroffen sind.

Schmitt: Als Fußballprofi bewegst du dich im Mikrokosmos der Fußballszene und hast mit der realen Welt aus den verschiedensten Gründen nicht so viel zu tun. Für mich war es nach der Karriere unheimlich schwer, wieder den Lebensrhythmus des normalen Lebens anzunehmen. Gerade der Umgang mit den Menschen war kompliziert. Auf der einen Seite die sportliche Vergangenheit und auf der anderen Seite die unbekannte neue Zukunft, mit all ihren Herausforderungen. Gerade mit wirtschaftlichen Abläufen habe ich mich wegen mangelnden Fachwissens sehr schwer getan. Das Agieren auf Augenhöhe mit den Mitmenschen ist oftmals nicht möglich.

SPOX: Wie viel Zeit haben Sie benötigt und was haben Sie unternommen?

Schmitt: Ein paar Jahre hat es schon gedauert. Entscheidend für mich war, wie so oft in meiner Karriere als Fußballprofi, der unbedingte Wille des Lernens und des Weiterkommens. Da das Fußballbusiness immer komplexer und anspruchsvoller wird, war für mich klar, dass es ohne Weiterbildung nicht geht. Deshalb absolvierte ich 2005 die Ausbildung zum Fußballlehrer und studierte anschließend Sportökonomie. Für dieses Studium entschied ich mich, weil die Studieninhalte einen sehr engen Bezug zum Fußball haben, was man zum Beispiel an dem Thema meiner Abschluss-Arbeit, "Nachwuchsförderung im deutschen Fußball und die Rolle der Trainer", erkennen kann.

SPOX: Dieses Fachwissen weisen viele ehemalige Fußballer nicht auf. Trotzdem sind sie Manager oder Sportdirektoren bei Profivereinen.

Schmitt: Stimmt, man sollte diese Aussage aber nicht pauschalisieren. Es gibt viele ehemalige Fußballprofis, die sehr gute Sportmanager sind und kein besonderes Fachwissen im Bereich Wirtschaft haben. Für den Beruf des Fußballmanagers ist das fußballspezifische Fachwissen von großer Bedeutung. In diesem Bereich haben die ehemaligen Fußballprofis ein Fachwissen, was sich Außenstehende oftmals nicht aneignen können. Aber es gibt im umgekehrten Fall auch viele gute Manager, die niemals Profispieler waren. Im Bereich Fußball bin ich ein absoluter Fachmann und trotzdem war es für mich von Anfang an klar, dass ich nach der Ausbildung zum Fußballlehrer das Studium beginne.

SPOX: Und haben den Sprung zurück in den Fußball geschafft.

Schmitt: Momentan arbeite ich bei dem Sportrechtevermarkter "Sportfive" in Karlsruhe. Es ist ein schöner Job mit einem starken Bezug zum Profifußball. Wenn man so will, hat sich der Kreis wieder geschlossen.

SPOX: 2005 haben sie den Trainerschein gemacht. Danach folgten Trainerstationen beim VfR Aalen und bei den Stuttgarter Kickers. Sieht man Sie eines Tages wieder im Trainergeschäft?

Schmitt: Auf jeden Fall! Ich schaue mir jedes Wochenende Spiele aus der 1. und 2. Bundesliga an und bin bestens informiert. Das Thema meiner Abschlussarbeit fokussiert das Thema Nachwuchsförderung im deutschen Fußball und die Rolle der Trainer. Wie man sieht, lässt der Fußball mich nicht los. Man muss im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass ich wieder an die Außenlinie zurückkehre. (lacht)

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