Sonntag, 05.10.2014

Nach dem Sieg über Schalke

Hoffenheim auf dem Weg zum Topteam

1899 Hoffenheim entwickelt sich immer mehr zum Topteam der Bundesliga. Schreiben soll das laut Trainer Markus Gisdol aber niemand.

Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol kann mit dem Auftreten seiner Mannschaft derzeit zufreiden sein
© getty
Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol kann mit dem Auftreten seiner Mannschaft derzeit zufreiden sein

Als Markus Gisdol die Frage nach seinem "Topteam" gestellt wurde, sah sich der Trainer von 1899 Hoffenheim zur Zensur gezwungen. "Das möchte jetzt jeder schreiben, dass wir eine Spitzenmannschaft sind - aber das lassen sie mal weg", belehrte der Coach des Fußball-Bundesligisten nach dem 2:1 (2:0) gegen Schalke 04 die Journalisten, um Schlagzeilen wie "Badische Bayern-Jäger" oder ähnliches zu verhindern.

Allerdings haben die Schützlinge Gisdols in den zurückliegenden Wochen Fakten geschaffen, die gegen die Aufforderung des Trainers zur Zurückhaltung sprechen. Die Kraichgauer (13 Punkte) sind erstmals nach sieben Spieltagen noch ungeschlagen. Zudem stellte der Klub von Mäzen Dietmar Hopp den Vereinsrekord von acht Punktspielen in Folge ohne Niederlage ein.

Sieben Neuzugänge für 20 Millionen

Die Experten, die den Herbstmeister von 2008 nach der Verpflichtung von sieben Neuzugängen für insgesamt 20 Millionen Euro vor der Saison als Europacup-Aspiranten angeführt haben, scheinen recht zu behalten - auch wenn das im Kraichgau niemand hören will.

"Man macht die größten Fehler, wenn man erfolgreich ist. Deshalb wird die Situation bei uns nicht überbewertet. Es gibt keinen Grund, vermehrt auf die Tabelle zu schauen", äußerte Gisdol, der den Erfolg durch die Tore von Tarik Elyounoussi (13.) und dem Ex-Schalker Ádam Szalai (29.) gegen seinen früheren Arbeitgeber nur "ein Stück weit" genießen wollte.

Trotz der selbst auferlegten Bescheidenheit hatte Gisdol natürlich eine Erklärung für den derzeitigen Erfolg parat. "Die Jungs haben einen guten Umgang miteinander", sagte der 45-Jährige: "Wir haben in dieser Saison einen breiteren Kader. Da muss jeder sein eigenes Ich zurückstellen - das ist nicht leicht für einen Leistungssportler. Bisher funktioniert es. Ich hoffe, es bleibt so."

"Das ist nur eine Momentaufnahme"

Auf forschere Aussagen der Profis warteten die Zuhörer vergebens. Die Spieler gaben zwar unisono zu Protokoll, dass die Mannschaft vor 30.000 Zuschauern gegen Schalke die bisher beste Saisonleistung gezeigt habe, dennoch waren alle Profis auf Bescheidenheit gepolt.

"Das ist nur eine Momentaufnahme", sagte Kevin Volland. Neuzugang Pirmin Schwegler ließ sich mit Blick auf das Potenzial der Mannschaft nur zu der Aussage hinreißen, dass es reichen könnte, um im nächsten Spiel beim Hamburger SV "zu punkten".

Lediglich Tobias Strobl lehnte sich ein klein wenig aus dem Fenster: "Ich bin guter Dinge, dass es ganz gut werden könnte in dieser Saison."

Alles wieder gut war auch bei dem kleinen Jungen, der beim Aufwärmen der Hoffenheimer von einem Ball mit voller Wucht im Gesicht getroffen wurde. Der Zustand des Jungen schien Familienvater Gisdol fast mehr zu interessieren als die Tabellensituation.

"Das hat böse ausgesehen. Aber ihm geht es laut seines Vaters gut - er hat schon wieder Cola getrunken und eine Currywurst gegessen. Er war auch bei uns in der Kabine", berichtete der Coach: "Dennoch haben wir die Nummern ausgetauscht. Falls etwas sein sollte, stehen unsere Ärzte parat."

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