Donnerstag, 16.10.2014

Rückkehr zum Defensiv-Fußball

Torflaute in der Liga der Weltmeister

Es gibt wohl kaum einen Klub, der den aktuellen Trend in der Bundesliga besser widerspiegelt als 1899 Hoffenheim. Setzte das Team früher noch auf spektakulären Offensivfußball, baut Trainer Markus Gisdol neuerdings vermehrt auf eine solide Abwehr - und steht mit seinem Team damit sinnbildlich für die neue Defensivausrichtung in der Liga der Weltmeister.

Markus Gisdol setzt mit Hoffenheim auf eine starke Defensive
© getty
Markus Gisdol setzt mit Hoffenheim auf eine starke Defensive

Waren die Kraichgauer in der vergangenen Spielzeit noch Garant für torreiche Partien mit Chancen auf beiden Seiten, bekommen die Fans nun meist bedachten und risikoarmen Fußball zu sehen. Zwar fehlt nun das Spektakel, doch der neue Erfolg gibt Gisdol bislang recht.

Mit 13 Punkten und 11:6 Toren liegt die TSG nach sieben Spieltagen auf Rang zwei der Tabelle und ist damit der erste Verfolger des Spitzenreiters Bayern München. Zum Vergleich: Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison hatte Hoffenheim zwar ein Torverhältnis von 18:18 - aber nur neun Punkte auf dem Konto.

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Niedrigster Wert in zehn Jahren

Und der neue Defensiv-Trend zeichnet sich mittlerweile (fast) ligaweit ab: In der aktuellen Saison stehen bislang lediglich 164 Tore (2,6 pro Spiel) zu Buche - das ist der niedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Noch in der Vorsaison hatten sich die Teams deutlich treffsicherer präsentiert und nach sieben Spieltagen bereits 212 Tore (3,37) auf dem Konto. Gab es in der gesamten Saison 2013/14 nur 13 torlose Unentschieden, so endeten schon jetzt acht Spiele 0:0.

Gerade die Trainer der vermeintlich kleineren Teams legen vermehrt Wert auf die Defensive und scheuen das Risiko: "Was sehr auffällt in den letzten Wochen ist, dass viele Mannschaften viel tiefer stehen als es letztes Jahr der Fall war", sagte jüngst Trainer Armin Veh vom VfB Stuttgart: "Man will nichts mehr groß zulassen, macht die Räume enger, spielt auf Konter."

Kein Trainer mehr nur ein System

Das wiederum stelle insbesondere die schnellen Spieler vor große Probleme, da diese "ihre Stärken teilweise gar nicht ausspielen könnten, weil der Gegner so tief steht", sagte der Coach, der eine neue Variabilität bei seinen Kollegen beobachtet: "Fast kein Trainer spielt mehr ein einziges System ein und spielt es die Saison über durch. Das macht es schwieriger, den Gegner auszurechnen."

Doch nicht nur die defensive Grundauslegung vieler Teams trägt ihren Teil dazu bei, dass die Fans deutlich weniger Treffer zu sehen bekommen - auch eine eklatante Abschlussschwäche gesellt sich dazu. Unvergessen sind die Szenen, in denen Junior Malanda vom VfL Wolfsburg zwei sichere Tore verstolperte - und selbst die sonst so treffsichere die Nationalmannschaft hat in der EM-Qualifikation derzeit große Probleme in der Offensive. In drei Spielen zählten die Statistiker 79 Torschüsse - aber nur drei Treffer.

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