Montag, 13.10.2014

Mainz-Trainer Kasper Hjulmand

"Eine glasklare Philosophie haben"

Kasper Hjulmand übernahm im Sommer als neuer Trainer die Geschicke bei Mainz 05. Nach anfänglichen Problemen fruchtet sein Konzept mittlerweile, die Spielidee wird erkennbar. Der Däne verrät, woher er seine Inspirationen hat und was er von der Zukunft des Spiels erwartet.

Kasper Hjulmand hat eine klare Philosophie vom Fußball
© getty
Kasper Hjulmand hat eine klare Philosophie vom Fußball

"In Europa musst du eine glasklare Philosophie über eine längere Zeit haben. Wenn nicht, musst du sehr, sehr viel Geld haben", erklärte Hjulmand in der "Bild" seinen Ansatz. "Wer nicht so viel Geld hat, muss straight seinen Weg gehen - ohne Abweichungen nach links oder nach rechts."

Nach dieser Maxime handelt der Ex-Profi seit Beginn seiner Trainerlaufbahn, die er wegen seiner Knieprobleme bereits mit 26 Jahren aufnahm. "Viele Experten haben zu Beginn meiner Karriere gesagt, dass es nicht möglich sei, so zu spielen und Erfolg zu haben. Aber ich habe Leute gefunden, die die gleiche Philosophie und Idee von Fußball hatten."

Ideenfindung bei Ajax und Barca

Es funktionierte, mit für nordeuropäische Teams eher untypischem Fußball wurde Hjulmand Überraschungsmeister mit Nordsjaelland. "Als ich Mitte und Ende der 1990er Jahre kurz vor meinem Karriereende stand, war ich sehr oft bei Ajax Amsterdam und habe dort Begriffe gelernt wie Ballkontrolle oder Fußball offensiv total", sagte Hjulmand.

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"Ich hielt das für cleverer als nur defensive Organisation und Kraft als Waffen zu haben", so Hjulmand: "Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Planung für langfristigen Erfolg. Es geht um Kontrolle und Dominanz, ohne und mit Ball. Später, in den Jahren 2006 bis 2010, war ich auch sehr viel in Barcelona und habe dort gelernt, wie die arbeiten."

In jener Zeit lernte er auch den Spielertypus der falschen Neun kennen - was aber keine Schöpfung der Katalanen sei. "Die falsche Neun wurde übrigens nicht von Guardiola bei Barcelona mit Messi erfunden, schon die Ungarn haben 1953 in Wembley gegen England mit Hidegkuti gespielt. Der war auch schon eine falsche Neun", so der 42-Jährige.

"Tuchel hat dieselbe Idee vom Spiel"

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Hjulmand beschäftigt sich intensiv mit den Trends der Vergangenheit des Fußballs, hat aber auch eine klare Vorstellung von der Zukunft. Für die erwartet der Däne "viel mehr Pässe als jetzt. Schnelligkeit. Weniger Zweikämpfe. Extrem schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt. Alle müssen angreifen und alle müssen verteidigen."

Seinen Mainzer Spielern lehrt er diesen Ansatz mit Erfolg, seit der Pleite gegen Asteras Tripolis im August ist der FSV ungeschlagen. Der aus Aalborg stammende Coach sieht sich dabei aber nicht als Revoluzzer bei den Rheinhessen. "Tuchel hat dieselbe Idee vom Spiel", so Hjulmand.

Kasper Hjulmand im Steckbrief

Marco Nehmer

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