Vor dem Kracher Bayern gegen Dortmund

Der neue Sinn

Freitag, 31.10.2014 | 18:45 Uhr
Bayern-Trainer Pep Guardiola hat Respekt vor "the real" BVB
© getty
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Vor dem Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) erklärt Pep Guardiola die Fortschritte seiner Mannschaft und zeigt die Marschroute auf. Vor "the real" BVB hat der Spanier aber gehörigen Respekt.

Marco Reus hat am Freitag auf seiner Facebook-Seite ein Statement abgegeben. Es war keine Absage an den FC Bayern, es war kein allgemeines Dementi bezüglich eines Wechsels im Sommer, auch ein richtiges Treuebekenntnis zu Borussia Dortmund sieht anders aus. Aber Reus wollte den aktuellen Spekulationen um seine Person einfach mal entgegentreten.

Fast zur selben Zeit hatten sich die Reporter an der Säbener Straße in München von Pep Guardiola einen Kommentar zu Marco Reus erhofft. Der Spanier sparte das Thema allerdings aus und erbat sich nur die "nächste Frage".

Guardiola war an diesem Nachmittag mal wieder nur bereit, um über das anstehende Spiel gegen Borussia Dortmund zu sprechen. Der Trainer des FC Bayern hat in seinen rund anderthalb Jahren, die er mittlerweile in München tätig ist, gezeigt, dass er sich am liebsten über Fußball unterhält.

Die Diskussion um mögliche Neuzugänge, die Brisanz von anstehenden Partien, die Situation beim Gegner, die "kollateralen" Dinge, wie Guardiola es nannte, sind für ihn zumindest auf Pressekonferenzen nicht von Belang. Ohnehin sei das Spiel kein Finale und deshalb nicht von so hoher Bedeutung wie das Pokalspiel gegen den HSV, noch dazu zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison. Selbst der alte Sepp-Herberger-Spruch "Das nächste Spiel ist immer das wichtigste" fiel.

Spielweise steht im Vordergrund

"Spielweise, Spielweise, Spielweise", wiederholte Guardiola sein Mantra. Darum gehe es, das sei das übergeordnete Ziel, "deswegen bin ich hier, deswegen bin ich Trainer". Dass der BVB als Tabellen-15. mit vier Niederlagen am Stück und insgesamt sechs Pleiten aus neun Spielen nach München reist, spiele keine Rolle.

"Egal, wie ihre Situation gerade ist, wir werden gegen den besten BVB spielen", sagte Guardiola, der es sogar für "unmöglich" hält, dass die Dortmunder in der Allianz Arena nicht ihr Leistungsmaximum abrufen werden.

Für die These spricht, dass sich die Dortmunder in der Champions League bisher von einer besseren Seite präsentiert haben. Drei Spiele, drei Siege, 9:0 Tore. Und der FC Bayern steht in Deutschland für Champions-League-Niveau.

Jürgen Klopp hat die anstehenden Partien in der Liga gegen die Bayern und Borussia Mönchengladbach einfach in die Kategorie Königsklasse gepackt. Die Dortmunder hoffen, dass dieser Psychotrick besser klappt, als der Einsatz der Champions-League-Trikots vergangenes Wochenende gegen Hannover 96 (0:1).

Ballbesitz vs. Konterspiel

Die Debatten über die zwei Gesichter der Borussia in den verschiedenen Wettbewerben wurde in den letzten Wochen intensiv geführt - Ausgang noch offen. Stark vereinfacht lässt sie sich aber auf die Probleme im Ballbesitzspiel und die Vorliebe fürs Konterspiel reduzieren.

Die beiden Facetten, die auch das Duell zwischen dem FCB und dem BVB prägen werden. Guardiola hat drei der fünf Spiele gegen den BVB verloren, die Konter der Dortmunder waren aber auch in den siegreichen Partien immer eine Bedrohung.

Keine Reaktion auf BVB

Auch deshalb sah sich Guardiola mal wieder gezwungen, Werbung für seine Vorstellung vom Fußball zu machen. Ob er als Reaktion auf die Spielweise der Dortmunder, nicht etwas defensiver agieren könnte?

"Nein", sagte Guardiola. "Das wird mit diesem Trainer nicht passieren. Natürlich ist unsere Spielweise super für den BVB, weil wir mit unserer Viererkette 40 Meter Abstand zu Manuel Neuer haben." Vielleicht wäre es einfacher, den Dortmundern den Ball zu überlassen, sich an den eigenen Strafraum zurückzuziehen und selbst zu kontern. Aber das sei keine Option, um erfolgreich zu sein. Denn bei allem Gerede um die Spielweise, ist diese vor allem ein Mittel zum Zweck, um mit hoher Aussicht auf Erfolg Fußball zu spielen.

Seine Mannschaften sollen immer nach vorne denken und damit auch weit weg vom eigenen Tor verteidigen, das sei schon vom ersten Tag an so gewesen, als er beim FC Barcelona als Trainer der zweiten Mannschaft anfing.

Passspiel mit Sinn

Die Qualitäten der Dortmunder sind bekannt, es gehe jetzt nur darum, diese zu "kontrollieren" und ihre Schwachpunkte, Guardiola sagte "weakness points", zu attackieren. Am Ende liege der Ausgang des Spiels nur in der Hand seiner Spieler: "Wenn wir gut spielen, werden wir gewinnen. Wenn wir schlecht spielen, werden wir verlieren." So einfach ist das also.

Und weil Guardiola schon dabei war, einen Einblick in seine Gedankenwelt des Fußballs zu geben, lieferte er auch gleich noch die Erläuterung für ein gutes Spiel mit. Seine Mannschaft sei viel besser als im Vorjahr, zwar noch nicht top, aber immerhin besser, weil das Passspiel reibungsloser funktioniere.

Der Ballbesitz habe "sense", einen Sinn. Nichts hasst der Architekt des modernen Ballbesitzfußballs mehr als sinnloses Ballgeschiebe. Aktuell "hat jeder Pass einen Grund", sagte Guardiola. "Wir spielen schneller, kommen schneller von einer Linie zur anderen." Was natürlich zu einem Großteil an den herausragenden Xabi Alonso und Philipp Lahm im Mittelfeld liegt.

Guardiola fürchtet "the real" BVB

Es wird also wie in den letzten Vergleichen zwischen Bayern und Dortmund auch wieder darum gehen, wie viele Bälle die Bayern abgeben und in welchen Bereichen sich die Münchner Ballverluste leisten. "Dann ist der BVB gefährlich. Dann sieht man ‚the real' BVB", sagt Guardiola, der die Dortmunder trotz der 14 Punkte Abstand noch immer als härtesten Konkurrenten um die deutsche Meisterschaft sieht.

Denn wenn die Dortmunder Platz haben für ihr Umschaltspiel, dann haben sie viele schnelle Leute, die die Räume zu nutzen wissen. "Immobilie ist nicht langsam, Ramos ist nicht langsam, Aubameyang ist nicht langsam, Mkhitaryan ist nicht langsam", zählte Guardiola auf, ehe er eine kurze Pause machte. "Und Reus ist nicht langsam." Es hatte den Anschein, als hätte er es gerne vermieden, den Namen an diesem Tag in den Mund zu nehmen. In diesem Zusammenhang blieb ihm aber gar nichts anderes übrig. Und das auch völlig unverfänglich.

Bayern - Dortmund: Alle Daten zum Spiel

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