Samstag, 25.10.2014

Skripnik und Frings als Nachfolger

Bremen trennt sich von Dutt

Das friedliche Bild am Samstagmorgen beim Auslaufen am Weserdeich war trügerisch, wenige Stunden später war die Ära Robin Dutt bei Werder Bremen nach nur 16 Monaten beendet. In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat stellte das Bundesliga-Schlusslicht einen Tag nach der blamablen 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln den 49-Jährigen samt seines Teams mit sofortiger Wirkung frei.

Robin Dutt ist nicht länger Trainer des SV Werder Bremen
© getty
Robin Dutt ist nicht länger Trainer des SV Werder Bremen

Nachfolger des glücklosen Coachs wird in Viktor Skripnik ein Bremer Urgestein. Der Ukrainer bestritt 138 Bundesligaspiele für die Norddeutschen und arbeitet bei den Grün-Weißen seit zehn Jahren als Nachwuchscoach, aktuell war er für die U-23-Mannschaft verantwortlich. Assistiert wird der 44-Jährige unter anderem von Ex-Nationalspieler Torsten Frings.

"Nach den letzten Ergebnissen sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen", begründete Sportdirektor Thomas Eichin die alles andere als überraschende Entscheidung. Skripnik selbst geht mit Optimismus an seine neue Herausforderung heran: "Ich bin sicher, dass wir diese Aufgabe meistern werden." Bereits am Dienstag (19.00 Uhr im LIVE-TICKER) ist das neue Team erstmals gefordert, wenn der SV Werder im DFB-Pokal beim Drittligisten Chemnitzer FC antritt.

Bei einer erregten mitternächtlichen Diskussion zwischen seinen Spielern und den maßlos enttäuschten Fans vor den Toren des Weserstadions war Dutt schon gar nicht mehr dabei. "Die Jungs hatten keine einfache Woche und müssen jetzt viel durchmachen", sagte Dutt nur lakonisch. Seine letzte Amtshandlung war das Überwachen der Regenerationsmaßnahme am Samstag.

Zu schrill war das Pfeifkonzert der 42.100 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion, zu deprimierend der enttäuschende Auftritt gegen den Liga-Neuling - an der Weser musste gehandelt werden. "An eine spielerische Lösung habe ich am Ende nicht mehr geglaubt", sagte der Coach resigniert, ein wohlformulierter sportlicher Offenbarungseid.

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43 Punkte aus 43 Spielen

43 Punkte aus 43 Spielen, nur zehn Siege in 16 Monaten - nur die Bilanz von Aad de Mos, der vor 19 Jahren aus dem langen Schatten seines Vorgängers Otto Rehhagel nie heraustreten konnte, war genauso schlecht. Auch der Niederländer musste seinerzeit vorzeitig gehen - sogar schon nach einem halben Jahr.

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Bereits in der Nacht war in den Geschäftsräumen der Arena bis in den frühen Morgen hinein über Nachfolgekandidaten diskutiert worden. Der Niederländer Gertjan Verbeek wurde im Weserstadion gesichtet, er wird aber ebensowenig zum Zuge kommen wie sein Landsmann Huub Stevens, der sich vor Tagen quasi selbst angeboten hatte.

An Arbeit wird es in den kommenden Wochen für alle Beteiligten nicht mangeln. Denn nur während der ersten 20 Minuten wiesen die Platzherren ansatzweise ihre Bundesliga-Reife nach, danach bestimmten überwiegend die Gäste das Geschehen auf dem Spielfeld. Und hatten überdies das Glück des Tüchtigen: Gerade einmal eine Minute im Spiel gelang Anthony Ujah (59.) der Treffer des Tages.

Schlechte Stimmung im Kader

Mannschaftskapitän Clemens Fritz beschwor zwar noch den Teamgeist, Teamkollegen jedoch wurden deutlicher. "Natürlich sind wir längst noch nicht abgestiegen, aber wir haben einfach beschissen gespielt", redete Torhüter Raphael Wolf Klartext.

Die Westdeutschen hingegen nehmen nach ihrem dritten Saisonsieg in der Tabelle den Mittelfeldplatz ein, von dem man bei den Grün-Weißen augenblicklich nur träumen kann. Für Coach Peter Stöger durchaus ein Grund, nach dem ersten Saisonviertel einmal erleichtert durchzuatmen: "Wir haben wenig zugelassen und vieles richtig gemacht. Damit darf man auch einmal zufrieden sein."

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