Roberto rennt

Mittwoch, 29.10.2014 | 11:30 Uhr
Roberto Firmino traf in der laufenden Spielzeit einmal und steuerte drei Assitsts bei
© getty
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Abseits des Trubels reifte Roberto Firmino im beschaulichen Kraichgau zu einem der besten Spieler der Bundesliga. Die Provinz förderte die Karriere des Brasilianers und machte ihn jetzt zum Nationalspieler. Seine Zukunft heißt 1899 Hoffenheim - es bleibt jedoch die Frage: Wie lange noch?

Am Anfang ist da eine schwarzgraue Mauer. Ein roter Graffiti-Schriftzug erscheint. Roberto. Darunter noch ein größerer, diesmal in blau. Firmino. Zwei Lautsprecher poppen auf und verschwinden, leuchtende EQ-Balken schieben sich ins Bild. Dramatische Streicher setzen ein, einzelne Klaviertöne, ein R&B-Beat.

Und plötzlich steht er da. Die Cap falsch herum, den Brilli im Ohr, die überdimensionale Uhr an den verschränkten Armen. Roberto Firmino trägt einen flamingorosanen Blazer, der auf den ersten Blick auch aus Frottee sein könnte - und grinst seine Besucher an.

Die offizielle Internetpräsenz des Brasilianers wirkt heute wie ein Artefakt aus lang vergangenen Zeiten. Als Firmino der namenlose Paradiesvogel mit dem blonden Schopf war, und nicht einer der gefährlichsten Offensivspieler der Bundesliga. Als er noch als launischer Einzeldarsteller galt. Als er mit skandalösen Twitterbildern für Aufsehen sorgte, anstatt mit Topleistungen, die ihn zum umworbenen Star aus der Provinz im Badener Land machten.

Perspektive für die Säulen

Märchenhaft liest sich der Aufstieg von Roberto Firmino Barbosa de Oliveira. Die erste volle Spielzeit bei Figueirense in der brasilianischen Serie B gipfelte in der Wahl zum Spieler der Saison. Acht Tore in 36 Spielen - viele hatten da schon ein Auge auf den damals 19-Jährigen geworfen. Hoffenheim machte Nägel mit Köpfen und holte ihn als Perspektivspieler in den Kraichgau.

Dort spielt Firmino mittlerweile seine fünfte Bundesligasaison. 115 Mal trug er das Trikot der TSG und war an 53 Toren direkt beteiligt. Die abgelaufene Spielzeit war der vorläufige Höhepunkt. 37 Spiele, 22 Tore, 16 Vorlagen: Werte, die fast alles in der Liga in den Schatten stellten - und natürlich Begehrlichkeiten weckten.

"Stolz" war Mäzen Dietmar Hopp 2011 noch, als die großen Bayern Luiz Gustavo von der TSG holten. Carlos Eduardos Wechsel zu Rubin Kazan spülte im selben Jahr angeblich 20 Millionen in die Kasse. Demba Ba flüchtete zu West Ham, zwei Jahre später verabschiedete sich Gylfi Sigurdsson für einen zweistelligen Millionenbetrag gen Tottenham.

Doch wie der ganze Klub nach dem Beinahe-Exitus 2012/13 eine Wandlung nahm, nachdem Markus Gisdol die Mannschaft zu einem Anwärter für internationale Aufgaben formte, hat sich auch das Transfergebaren der Kraichgauer verändert. Die Topstars müssen nicht um jeden Preis verscherbelt werden. 1899 kann seinen tragenden Säulen eine Perspektive bieten. So auch dem letzten verblieben Brasilianer: Firmino.

Die Versuchungen der Großstadt

Die Verlängerung des Vertrages bis 2017 gaben die Hoffenheimer im März bekannt. Ein riesengroßes Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Die Interessentenliste soll mit Machester United, Atletico, Liverpool, Juventus, Zenit St. Petersburg, Inter und dem AC Milan sowie Schalke 04 die halbe Fußball-Elite Europas umfasst haben. Doch 1899 konnte es sich leisten, auf die üppige Ablöse zu verzichten.

Denn im Kraichgau weiß man, was man aneinander hat. Für Firmino ist der Verbleib in der Provinz der sichere, aber keinesfalls falsche Weg. In Hoffenheim kann sich der Brasilianer Abseits des Trubels und den Versuchungen der Großstadt auf seine Entwicklung fokussieren. "Ich fühle mich hier sehr wohl. Mir gefällt der vom Verein eingeschlagene Weg", lobte Firmino Umfeld und Mannschaft im Zuge der Verlängerung. "Wir spielen einen aufregenden Fußball und der Teamgeist ist super."

Zudem hat der 23-Jährige mit Gisdol einen Trainer und Mentor an seiner Seite, der ihn vom Spektakel- zum Mannschaftsspieler umerzog und einen gewaltigen Schritt nach vorne brachte. "Seine offensiven Qualitäten sind bekannt", sagte der Trainer schon im letzten Jahr. "Er hat zuletzt vor allem sein Spiel gegen den Ball stark verbessert und sich dadurch zu einem guten Pressing-Spieler entwickelt."

"Ein Meilenstein der Planungen"

Kein Wunder also, dass der Coach bei der Verlängerung von einem "Meilenstein in unseren Planungen" sprach. Firmino und Hoffenheim gehen den Weg weiter zusammen - und entwickeln sich Hand in Hand. Obwohl die Chancen auf die Selecao bei einem renommierten Topklub größer gewesen wären und die WM im eigenen Land so nur ein Traum blieb, entschied sich der 23-Jährige für den gemäßigten Pfad und wurde mit der Nominierung für die Testspiele gegen Österreich und die Türkei doch noch belohnt.

"Als ich davon erfuhr, habe ich einen Schrei los gelassen", erinnert sich Firmino. "Vor Freude wäre ich am liebsten los gerannt." Auch hier hat sich der Verbleib in Hoffenheim, in diesem Umfeld und dieser Mannschaft ausgezahlt. "Ich möchte vor allem der Mannschaft danken. Sie haben mir ermöglicht, mein Spiel immer weiter zu verbessern und so der Spieler zu werden, der ich jetzt bin."

Ein Spieler, auf den Nationaltrainer Carlos Dunga große Stücke hält. "Er hat exzellente technische Qualitäten. Er ist es gewohnt, körperbetont zu spielen", schwärmt der 50-Jährige. "Seine größte Qualität ist aber seine Leichtigkeit, mit der er es schafft, Tore zu schießen."

Auch bei 1899 herrscht nach der Berufung ins Nationalteam kollektiver Stolz. Manager Alexander Rosen hatte schon in der Vergangenheit betont, dass selbst das mit Offensivzauberern verwöhnte Brasilien nicht um seinen Schützling herumkommen würde. "Es ist eine tolle Auszeichnung, aber natürlich auch für das gesamte Team", kommentierte Coach Gisdol. Auch der 74-Jährige Hopp freute sich wie alle. "Er hat hart dafür gearbeitet, dass sein Traum in Erfüllung geht".

"Ich will Titel gewinnen"

Auf Firminos Homepage gibt es vier quietschbunt unterlegte Auswahlmöglichkeiten. History, About, Photos und Goodies. Klickt man von cartoonhaften Geräuschen begleitet auf den pinken Streifen mit "About", erscheint nicht nur ein Foto von Firmino in einer weißen Tiger-Hose. "Welche Ziele willst Du im Fußball noch erreichen?" steht da in einem Fragebogen. Die Antwort? "Ich will Titel gewinnen!"

Bei aller Verbundenheit zu Hoffenheim dürfte das im Kraichgau zum Problem werden. Klar ist, dass ein Mann mit der Klasse von Firmino international spielen will und muss, auch um sich in der Nationalauswahl zu etablieren. Für die Verantwortlichen bei 1899 ist das jedoch kein Schreckensszenario. Firmino werde seine "Karriere nicht bei der TSG beenden", gibt Manager Rosen ganz offen zu Protokoll. "Irgendwann wird ein Transfer zwangsläufig ein Thema sein, aber nicht kurzfristig."

Schon Schalke-Manager Horst Heldt munkelte nach der missglückten Verpflichtung im Sommer über einen vorzeitigen Abschied. "Er hat ein hochprofessionelles Management, das kennt sich in- und auswendig im Geschäft aus", sagte Heldt bei "Sky90". "Er weiß genau, zu welchem Zeitpunkt er einen Vertrag verlängert und auch, was für Möglichkeiten es gibt, während einer Vertragslaufzeit aus einem Vertrag herauszukommen."

Firmino will nicht stehen bleiben

Firmino bleibt wegen all dem gelassen. Das Interesse der großen Vereine - in der "Sport Bild" nennt er mit Real, Barcelona und den Bayern die Creme de la Creme - würde ihn "freuen. Das ist schön und bestätigt mich." Vorerst zählt allerdings Hoffenheim und das große Ziel des internationalen Geschäfts, das in dieser Saison so nah ist, wie seit dem Aufstieg 2008 nicht mehr.

Und vielleicht kommen so noch ein paar Auftritte im blauen Trikot auf europäischer Bühne hinzu, bevor Firmino den nächsten Schritt geht. Der, das wissen Spieler und Verantwortliche, ist bei einem Mann seiner Klasse unausweichlich. "Ich will nicht stehen bleiben", sagt Firmino. "Es gibt immer Dinge, die ich verbessern kann. Meine wichtigste Antriebskraft ist meine eigene Unzufriedenheit."

Die schwarzgraue Mauer kann dann ruhig bleiben. Der rote Graffiti-Schriftzug ebenso, auch der blaue. Die Lautsprecher werden weiter aufpoppen auf und wieder verschwinden. Die dramatische Streicher, das Klavier, der R&B-Beat - alles geht weiter. Nur das Vereinslogo links unten muss Firmino dann wechseln. Und vielleicht den Blazer. In flamingorosa.

Roberto Firmino im Steckbrief

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