Hakan Calhanoglus Rückkehr nach Hamburg

Der Antiheld

Donnerstag, 30.10.2014 | 11:43 Uhr
Hakan Calhanoglu steht seit Beginn der Saison bei Bayer Leverkusen unter Vertrag
© getty
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Naiv oder erfrischend ehrlich? Karriereschädigend oder notwendig? Nach dem legendären Sportstudio-Auftritt kehrt Hakan Calhanoglu am Samstag mit Bayer Leverkusen zurück zum Hamburger SV (15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Der Freistoßkönig zwischen Lügen, Hass und Königsklasse.

Irgendwie passt es sogar, dass ein paar Leute lachen. Zu surreal ist die ganze Szenerie an diesem 18. Oktober kurz vor Mitternacht. Hakan Calhanoglu ist zu Gast im Aktuellen Sportstudio. Es beginnt mit harmlosem Sport-Talk. Wie es so geht. Was beim letzten Ligaspiel gegen Stuttgart los war. Doch dann kommt Calhanoglu ins Reden - und es brechen alle Dämme.

Calhanoglu erzählt nicht viel, er erzählt alles. Über die Hintergründe seines Wechsels vom HSV zur Werkself. Über die mentalen Probleme und die Krankschreibung. Sogar den Vorfall mit Gökhan Töre, der mit einem Freund zusammen Calhanoglu und dessen Mitspieler Ömer Toprak mit einer Waffe bedroht hatte, schildert der Deutsch-Türke im Detail.

Katrin Müller-Hohenstein lehnt sich erschrocken zurück. Calhanoglu erzählt. Aus dem Publikum kommt Gelächter. "Ja, viele lachen jetzt...", sagt der verunsicherte Calhanoglu. "Ne! Das ist nicht lustig!", fährt die Moderatorin dazwischen. Zu surreal ist die ganze Szenerie an diesem 18. Oktober kurz vor Mitternacht, die nicht nur in die Geschichte des Aktuellen Sportstudios eingeht, sondern bis heute Wellen schlägt.

"Bitte habt Verständnis für meinen Ehrgeiz"

Die Reaktionen danach waren extrem. Wie immer, wenn es um Fußball geht. Wie immer, wenn es um Calhanoglu geht, einen begnadeten Kicker, dessen Karriere schon mit 20 Jahren einer Achterbahnfahrt gleicht. Der mediale Shitstorm, der nach seinem bemerkenswerten Auftritt auf ihn einprasselte, war für ihn auf jeden Fall nichts Neues.

Alles begann im Februar. Als Juwel, als "Herr der ruhenden Bälle" ("Kicker") kam der Freistoßkönig ein Jahr zuvor an die Elbe. "Prinz Hakan" schlug ein und verzauberte die HSV-Anhänger nicht nur mit seinen Standards. Bei den sportlich darbenden Hanseaten, die unaufhaltsam Richtung Zweitklassigkeit zu schlittern schienen, war Calhanoglu einer der wenigen Hoffnungsträger.

Am 5. Februar verlängerte Hakan vorzeitig beim HSV bis 2018. "Ich möchte noch lange für den Verein spielen und zu einem festen Bestandteil der Mannschaft werden", hieß es damals. Am 19. Mai sagte Calhanoglu: "Mein Wunsch steht fest." Ein Wechsel zu Champions-League-Teilnehmer Leverkusen sollte es sein - mit allen Mitteln. Es folgten eine öffentliche Schlammschlacht, eine ominöse Krankschreibung und Hass von allen Seiten.

Verräter, Söldner, Lügner. Undankbarkeit und null Charakter. Das waren noch die nettesten Dinge, die die aufgebrachten Hamburger Fans ihrem ehemaligen Liebling an den Kopf warfen. Calhanoglu war 20 Jahre alt und konnte nicht mehr vor die Tür gehen. Er wurde beleidigt, sein Auto wurde zerkratzt. Er twitterte: "Eine schwere Verletzung später habe ich diese Chance vielleicht nie mehr. Bitte habt Verständnis für meinen Ehrgeiz." Das hatten die Wenigsten.

Kreuzer und Jarchow im Visier

Niemand kannte zu dem Zeitpunkt die wahren Hintergründe - oder zumindest Calhanoglus Version. "Ich wollte einfach Herrn Kreuzer in dem Moment stark machen", berichtet er und erzählt von dem Versprechen, bei einem lukrativen Angebot trotz Verlängerung gehen zu dürfen. "Er ist mir in den Rücken gefallen. Ich habe ein Versprechen bekommen, von allen Seiten, das nicht gehalten wurde. Und es wurde alles auf mich abgeladen, es hieß: Hakan ist schuld."

Beim HSV dementierte man selbstredend. Klub-Boss Jarchow legte im "ZDF" nach: Die "Art und Weise" des Wechsel fände er "auch heute nicht akzeptabel". Dabei berichtet die "Sport Bild" von einem weiteren pikanten Detail der abstrusen Geschichte: Nachdem es zuerst Absagen an Leverkusen bezüglich eines Transfers gegeben und die Werkself von Calhanoglu Abstand genommen hatte, soll der 59-Jährige selbst bei Leverkusen-Boss Michael Schade angerufen haben, um Hakan zu verscherbeln. Der Grund: Eine Finanzspritze von Mäzen Klaus-Michael Kühne stand auf der Kippe, der klamme Klub brauchte Geld - auch für den Transfer von Pierre-Michel Lasogga.

"Bemerkenswert peinlich"

Im Fall Calhanoglu jagt eine Geschichte die nächste. Der Deutsch-Türke ist längst zum Politikum geworden. So gab es kaum ein Medium, dass nach dem denkwürdigen Sportstudio-Abend auf einen Meinungsbeitrag verzichtete. Und, wie sollte es anders sein bei Calhanoglu, es gab fast nur schwarz und weiß. "Deshalb sollten wir Calhanoglu feiern", erklärte der "Spiegel", "Seid froh, dass er offen spricht!", feierte der "Stern". "Er tat sich keinen Gefallen", kommentierte die "Welt". "Bemerkenswert naiv - und bemerkenswert peinlich", befand der "Tagesspiegel".

Was letztendlich wirklich passiert ist, bei der Vertragsverlängerung in Hamburg oder der Nacht im türkischen Hotel, wissen nur die beteiligten Personen. Dennoch war es Calhanoglus gutes Recht, seine Sicht der Dinge ungeschliffen zu präsentieren. Gerade nach den zahllosen Anfeindungen, die mehr als nur unter die Gürtellinie gingen.

Den Vorwurf der Naivität muss sich Calhanoglu dennoch gefallen lassen. Denn er hat - womöglich entgegen der eigenen Hoffnungen - seinen Ruf durch den Auftritt nicht verbessert. Witze über seine Artikulation und wenig Verständnis über die offengelegten Interna regierten nicht nur in den sozialen Medien die Debatte.

Bleibt nur die Frage: Sind es nicht gerade die Fans, die über die immer gleichen Interviews jammern? Die sich über medial glattgeschliffene Jungprofis beschweren, die viel reden und nichts erzählen? Typen werden gefordert, Spieler, die das Herz auf der Zunge tragen und abseits des "Ich fokussiere mich nur auf das nächste Spiel" erzählen. Oder war Calhanoglus Auftritt schon wieder zu viel des Guten?

Volle Unterstützung aus Leverkusen

In Leverkusen steht man derweil voll hinter Calhanoglu. "Ich habe Hakan gesagt, dass er die tausendprozentige Unterstützung des Vereins hat", sagt Bayers Sportdirektor Rudi Völler. Er habe schließlich nur die Wahrheit gesagt. "Davor ziehe ich meinen Hut." Roger Schmidt schlägt in dieselbe Kerbe. "Er ist ein junger Kerl, auf den sehr viel eingeprasselt ist", meint der Coach. "Dieser Auftritt im Sportstudio hat ihm sehr gut getan. Er hat Stellung bezogen und sich mit seinen Worten artikuliert. Er empfindet es als Befreiung und kann sich jetzt auf Fußball konzentrieren."

In Sachen Fußball ist der 20-Jährige ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Im Eiltempo wurde der Neuzugang im furiosen Offensivspiel der Werkself unverzichtbar. 15 Spiele hat Calhanoglu mit Bayer auf dem Konto, vier Tore und sechs Assists sind die mehr als ordentliche Ausbeute. Wegen seiner Freistöße - zuletzt traf er sensationell beim 1:0-Sieg gegen Schalke - gab es zuletzt sogar den Ritterschlag von Stefan Kießling: "Das habe ich früher so nur bei Bernd Schneider gesehen."

Ein Talent, dass auch auch der internationalen Presse nicht verborgen geblieben ist. Für den "European Golden Boy 2014", dem Preis für das größte europäische Fußball-Talent, wurde Calhanoglu jüngst nominiert. Es würde in ein Leben der Extreme passen, könnte sich der Deutsch-Türke die Trophäe bald in die heimische Vitrine stellen.

Wiedersehen mit dem HSV

Den gut 50.000 HSV-Fans dürfte das am Samstag (15.30 Uhr im LIVE-TICKER) alles herzlich egal sein. Sie werden ihrem ehemaligen Liebling "Prinz Hakan" einen lautstarken Empfang bereiten. "Die Fans werden Stimmung gegen ihn machen", kündigte ausgerechnet jener Jarchow an, der am Ende die treibende Kraft hinter dem Transfer gewesen sein könnte. "Er wird sich einiges anhören müssen."

Bei Pfiffen wird es aber nicht bleiben. Wie die "Sport Bild" berichtet, sollen bereits zahlreiche Fan-Klubs beim Verein nachgefragt haben, ob Plakate und Transparente gegen den 20-Jährigen gezeigt werden dürfen. Die Bitte des Klubs: Keine Beleidigungen, keine Beschimpfung, kein Werfen von Gegenständen. Ob sich daran gehalten wird, darf zumindest bezweifelt werden.

Sicher ist dagegen auf jeden Fall eines: Dem "ZDF" wird Calahanoglu so schnell kein Interview mehr geben. Laut "Express" erhebt man in Leverkusen schwere Vorwürfe gegen den Sender. Verein und Spieler seien hinters Licht geführt worden, von einem "Tribunal" und einer "Anklagebank" sprach ein Bayer-Mitarbeiter. Die Folge? Das "ZDF" wird boykottiert. Das nächste Kapitel in der turbulenten Laufbahn von Hakan Calhanoglu. Mehr werden - wohl oder übel - folgen.

Hakan Calhanoglu im Steckbrief

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