Der FC Bayern und Borussia Dortmund

Der Pott und die Welt

Donnerstag, 30.10.2014 | 19:25 Uhr
Seit 2010 wurden nur der FC Bayern München oder Borussia Dortmund deutscher Meister
© getty
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Der FC Bayern hat seine Position als Deutschlands Nummer eins gefestigt. Borussia Dortmund diente dabei als Starthilfe und erfährt nun gerade das Schicksal vieler Bayern-Jäger. Allerdings sollte das Tief des BVB nur vorübergehend sein. Trotzdem scheinen die Bayern unerreichbar - und sie wollen mehr.

In Hamburg war der BVB mal wieder schneller. Nicht nur, dass die Dortmunder einen Tag vor dem FC Bayern ins Achtelfinale eingezogen, wofür sie aufgrund der Termingestaltung nur bedingt verantwortlich waren, nein, die Borussia war dem FCB im logistischen Bereich einen Schritt voraus.

Die Dortmunder bezogen am Montagabend das Hotel Le Meridien an der Alster, die Adresse, in der normalerweise auch der FC Bayern immer absteigt, wenn er zu Gastspielen in Hamburg antreten muss. Es sind die kleinen Dinge, in denen der BVB aktuell mit dem FCB konkurrieren kann.

Sportlich haben sich beide Mannschaften in den letzten Jahren wieder voneinander getrennt. 14 Punkte Vorsprung hat der Tabellenführer aus München vor dem 15. aus Dortmund vor dem direkten Duell am Samstagabend (18.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Watzkes Bumerang

Und es ist nicht nur der aktuelle Tabellenstand, der den Unterschied zwischen beiden Vereinen klar unterstreicht. In der vergangenen Saison distanzierte der FC Bayern den zweitplatzierten BVB um 19 Punkte, im Jahr davor waren es 25. Damals hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch gesagt, einen Abstand dieser Größenordnung werde es nie wieder geben.

Der Satz ist zu einem Bumerang geworden, der Watzke nicht nur einmal eingeholt hat in den letzten Monaten. Beim Blick auf die Aktualität und die jüngere Vergangenheit ist die Distanz zwischen beiden Klubs schon fast zur Normalität geworden.

Zwar reichte es für die Borussia in beiden Spielzeiten zur Vize-Meisterschaft und damit zur direkten Qualifikation zur Champions League, aber der selbsternannte "zweite Leuchtturm des deutschen Fußballs" (Watzke) war dem Tempo in München nicht mehr gewachsen. Die Dortmunder können dem Rekordmeister zwar in einem Spiel immer gefährlich werden, aber offensichtlich nicht auf der Langstrecke Meisterschaft.

Bayern "scheintot" nach Finale dahoam

Es war wie so oft in der Geschichte der Bundesliga, dass der FC Bayern gereizt auf den Wiederaufstieg von Borussia Dortmund reagierte. Es kratzte am Selbstverständnis des erfolgreichsten deutschen Fußballklubs, dass die Schale in den Jahren 2011 und 2012 nach Dortmund ging und manche Experten einen Zeitenwechsel im deutschen Fußball heraufziehen sahen. Der Status als Nummer eins war in Gefahr.

Dazu kam nach zwei national titellosen Spielzeiten die 2:5-Demütigung im DFB-Pokalfinale in Berlin gegen die Borussia sowie das bittere Ende im Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea. Es war die ganz große Keule, die der FC Bayern in dieser Phase kassierte.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer verwendet gerne den Begriff "scheintot" als Zustandsbeschreibung für den Zustand seines Klubs nach dem verlorenen Finale dahoam mit seiner ganzen Vorgeschichte.

Hoeneß' Kampfansage an den BVB

Eine Zäsur musste her. Der damalige Präsident Uli Hoeneß nahm noch einmal das Heft des Handelns in die Hand, obwohl er in seiner Funktion aus dem operativen Geschäft ausgeschieden war.

Christian Nerlinger musste gehen, die auch von Hoeneß favorisierte Personalie mit einem ehemaligen Spieler als Sportdirektor hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Hoeneß präsentierte dem Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge mit Matthias Sammer einen neuen Mann, der auch gleich eine Ebene über Nerlinger einstieg und selbst Teil des Vorstands wurde. Die Zielrichtung war klar.

"Wir müssen alles daran setzten, um die Vorherrschaft, die Dortmund sich kurzfristig erobert hat, wieder zurückzuholen. Das erklärte Ziel des FC Bayern ist, unangefochten die Nummer eins in Deutschland zu sein", sagte Hoeneß.

Veränderte Strategie auf dem Transfermarkt

Gleichzeitig änderte der Klub ein weiteres Mal seine Strategie auf dem Transfermarkt. Der letzte große Einschnitt in dieser Hinsicht war die Weigerung, 2009 Franck Ribery an Real Madrid zu verkaufen. Der FC Bayern wollte die Rolle des Verkäufervereins auf internationaler Ebene loswerden und selbst zum Käufer werden.

Dieses Ziel wurde endgültig mit dem Transfer von Javi Martinez für 40 Millionen Euro abgeschlossen. Es war ein Zeichen, dass die Bayern zwar nicht dem Wahnsinn des internationalen Transfermarkts verfallen sind, aber bereit sind, ihre eigene Schmerzgrenze weiter nach oben zu verschieben.

Die veränderte Spielweise, mit der die Bayern in der Folge die Liga dominierten, trug auch Züge von Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp. Der unter Louis van Gaal eingeschlagene Weg des Ballbesitzfußballs wurde unter Jupp Heynckes um neue, moderne Elemente erweitert. Klopp wollte ein Plagiat erkannt haben und verstieg sich zu einem sehr schiefen Chinesen-Vergleich.

Dortmund pusht die Bayern

Es ist und war falsch, zu sagen, die Bayern hätten plump beim BVB abgekupfert. Aber es ist richtig, dass der Dortmunder Erfolg Anstoß zu entscheidenden Veränderungen in München gegeben hat. Daraus haben die Verantwortlichen keinen Hehl gemacht. Die wegweisenden Schlüsse und die richtigen Entscheidungen mussten sie aber immer noch selbst treffen.

Auch Borussia Dortmund hat in diesem Zeitraum im Rahmen seiner Möglichkeiten viele richtige Entscheidungen getroffen und den Verein mit frischem Geld aus der Champions League, neuen Sponsorenverträgen und einer Kapitalerhöhung versorgt.

Damit hat sich der BVB langfristig solide aufgestellt und die Grundlage gelegt, sich langfristig mit Konkurrenten wie dem VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 messen zu können. Für den Angriff auf den FC Bayern reichte das allerdings nicht.

Finanziell in zwei Welten

Dazu waren vor allem die Voraussetzung auf der finanziellen Ebene zu groß. Die Borussia präsentierte zwar 2012/2013 einen Rekordumsatz von 305 Millionen Euro, profitierte dabei aber auch von Transfererlösen wie bei Mario Götze.

Ein Jahr später lag der Umsatz noch bei 260,7 Millionen Euro, während der FC Bayern auf seiner Jahreshauptversammlung in vier Wochen für den gleichen Zeitraum wohl mit über 500 Millionen Euro einen neuen Rekord und damit fast das doppelte der Dortmunder Einnahmen vorweisen wird.

Diese Unterschiede haben auch dazu geführt, dass Dortmund mit Götze und Robert Lewandowski, der zwar ablösefrei nach München kam, dort aber ein deutlich höheres Gehalt bezieht, zwei wichtige Spieler zum direkten Konkurrenten ziehen lassen musste. Außerdem versuchten sich zwischenzeitlich Nuri Sahin (Real Madrid) und Shinji Kagawa ebenfalls bei finanzkräftigeren Klubs.

Bayern hat noch nicht genug

Einen klaren Trend will vor allem Sammer noch nicht erkannt haben. In seiner Rechnung steht es nach Meisterschaften erst 2:2. Der Hintergedanke ist klar: Die Bayern haben noch nicht genug. Die kleinen Spitzen, die Rummenigge im Fall Marco Reus immer wieder aussendet, sprechen dafür, dass die Bayern auch bei diesem Spieler zuschlagen würden, sollte er sich den für einen Abschied aus Dortmund entscheiden.

Ob es darum geht, den BVB zu "zerstören", wie es Watzke zu Beginn des Jahres recht deftig ausdrückte, sei dahingestellt. Es hat vielmehr den Anschein, als hätten sich die Bayern nur anderweitig orientiert.

Rummenigge hat im SPOX-Interview den "globalen Wettbewerb" ausgerufen. Die Reaktion auf den Rivalen aus dem Pott war nur ein Schritt der eigenen Strategie, die noch bessere Platzierung der Marke FC Bayern auf dem Weltmarkt dient als übergeordnete Idee . Die Gegner des FC Bayern "heißen nicht nur Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen, sondern Real Madrid, Barcelona oder Manchester United."

Funktioniert der BVB ohne Klopp?

Der Borussia bleibt da vorerst nur die Rolle des Zuschauers. Der Verein ist zwar nicht so klein, dass er nur eine "regionale Sache" (Hoeneß 2012) ist, aber auch (noch) nicht so groß, dass er dauerhaft mit den Bayern schon auf Augenhöhe konkurrieren könnte.

Der Verein erlebt in der Bundesliga gerade die schwerste Phase unter Klopp. Die ständigen personellen Veränderungen, sei es durch Transfers oder Verletzungen, haben der Mannschaft geschadet. Der Absturz ist ein Phänomen, das viele Rivalen des FC Bayern in den letzten Jahrzehnten erleben mussten - auch Borussia Dortmund schon einmal.

Keiner im Umfeld will den aktuellen Tabellenplatz bagatellisieren, aber man ist sich auch sicher, auf Dauer nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Der BVB ist als Verein so gefestigt, dass er sich von dieser Phase erholen und den Platz hinter Bayern auf Dauer einnehmen kann. Die wirklich bedrohliche Frage scheint im Moment: Was passiert, wenn Klopp mal nicht mehr will?

FC Bayern vs. Borussia Dortmund: Die Bilanz

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