Fussball

"Guten Morgen, ich bin Xabi"

Xabi Alonso hat bei den Bayern einen Zweijahresvertrag unterschrieben
© getty

Nach seinem Blitz-Debüt gegen Schalke wurde Xabi Alonso offiziell in München vorgestellt. Die Klub-Verantwortlichen schwärmen vom Wunschspieler, Alonso selbst ist heiß auf Bayern und Titel. Die Spanier-Diskussion, da sind sich beide Seiten einig, ist Unfug.

Beim ersten Mal wollte er noch nicht lachen. Als ihm die Dolmetscherin ins Ohr flüsterte, dass es gerade um Reals Kantersieg gegen seinen neuen Arbeitgeber im Champions-League-Halbfinale ging, drehte er den Kopf zur Seite, richtete den Blick gen Boden. Fast schon peinlich berührt. Erst, als einige Minuten später das Thema erneut aufkam und auch Markus Hörwick und Matthias Sammer laut mitlachten, rang sich Xabi Alonso ein Grinsen ab.

Der Neuzugang präsentierte sich bei seiner offiziellen Vorstellung als Gentleman. Eine Persönlichkeit mit "Ausstrahlung und Präsenz", wie Sammer fast schon ehrfürchtig lobpreiste, "egal, ob auf dem Platz, im Essensraum oder in der Kabine". Es sei ein "großer Moment für den Klub", Alonso endlich in München zu wissen. "Wir wollen alles gewinnen - und dafür brauchen wir ihn."

Blickt man mit etwas Abstand auf den spektakulären Transfer zurück, scheint der Spanier tatsächlich die perfekte Lösung für die Verletztenmisere der Münchner zu sein. Javi Martinez kehrt am Montag aus den USA zurück, wird nach einer gut verlaufenen Operation am Kreuzband aber mindestens bis zur Rückrunde fehlen. Auch bei Bastian Schweinsteiger könne man laut Sammer "keine genaue Prognose" abgeben.

"Nicht genügend Qualität im Mittelfeld"

"Von der Qualität und Quantität waren wir nicht so aufgestellt, wie es notwendig wäre", lautete Sammers klare Ansage über das defensive Mittelfeld der Münchner. Mit Alonso hat man eine erfahrene Option hinzugewonnen, die dem Rekordmeister sofort weiterhelfen kann - wie Alonso schon bei seinem Blitz-Debüt gegen Schalke bewies.

"Wirklich schnell" sei alles passiert, beschrieb der 32-Jährige die turbulenten letzten Tage selbst. Dass er sofort in der Startelf stehen würde, ohne je richtig mit der Mannschaft trainiert zu haben, überraschte dann sogar den erfahrenen Champions-League-Sieger: "Aber ich hatte schon das Gefühl, dass ich bereit sein muss."

Traum von Titel Nummer drei

Für Alonso selbst bedeutet der Schritt nach Deutschland eine "große Herausforderung, sich dieser Liga und einer neuen Kultur zu stellen und mich noch einmal auf höchstem Niveau zu beweisen". Es sei "Ehre und Privileg" zugleich, in München zu spielen.

Alonso weiß mit den hohen Ansprüchen umzugehen und kennt die Erwartungshaltung bei Spitzenklubs. Gegen Schalke dirigierte der Neue schon das Mittelfeld, auf die Ziele mit seinem neuen Verein freut er sich: "Ich weiß, dass man bei Bayern immer gewinnen muss. Wir kämpfen um Titel. Dieser Druck gefällt mir."

Mit Liverpool gewann Alonso 2005 die Champions League, vergangenes Jahr machte er mit den Königlichen La Decima perfekt. Der Traum vom dritten Coup mit den Münchnern lebt. "Wir haben die Mannschaft dafür", stellt Alonso klar - und macht von Anfang an deutlich, dass er nach den Ausfällen von Führungsspielern wie Schweinsteiger nicht nur fußballerisch, sondern auch von der Einstellung her in die Bresche springen kann.

Die neue Sprache will er deshalb so schnell wie möglich lernen. "Deutsch ist die Hauptsprache beim FC Bayern. Wir Spanier müssen uns da anpassen. Das ist wichtig", sagte Alonso. In der Kürze der Zeit hat es bislang nur für die grundlegendsten Sachen gereicht. "Guten Morgen, ich bin Xabi", sagte er grinsend. Auch Bayrisch geht schon ein bisschen. "Servus" zum Beispiel. Als die Frage nach dem Klub-Motto kommt: "Mia san mia, of course!"

"Keine Problematik bei Nationalitäten"

Die leidige Diskussion um die spanischen Verhältnisse bei den Bayern wollten weder Alonso, noch der Klub befeuern. "Natürlich ist es gut, jemanden zu haben, den man bereits kennt", gab Alonso zu, stellte jedoch klar: "Die einheimischen Spieler sind der Maßstab, an denen ich mich orientieren muss."

Auch Sammer sieht bei den "Nationalitäten keine Problematik. Es muss uns gelingen, die Tradition des Klubs und des deutschen Fußballs sowohl mit den Ideen von Pep Guardiola als auch den vorhandenen Spielern zu verbinden", erklärte der Sportvorstand. Freilich werde auch Alonso das Spiel des Klubs mitprägen. "Aber nur in Nuancen."

Das Argument, der Alonso-Transfer würde Talenten wie Gianluca Gaudino oder Pierre-Emile Hojbjerg schaden, ließ Sammer ebenso wenig zählen. "Die jungen Spieler werden von ihm profitieren - und sich besser entwickeln."

"Gebe die Antwort auf dem Platz"

Es scheint also tatsächlich ein perfektes Geschäft für beide Seiten zu sein. Der Welt- und Europameister darf sich auch noch in der dritten großen Liga Europas beweisen und sich vielleicht den Traum vom dritten Titel in der Königsklasse erfüllen. Die Münchner bekommen einen erfahrenen Spieler, der spielerisch und mental alle Voraussetzungen mitbringt.

Und der am Ende seiner Vorstellung dann doch noch einmal schelmisch grinsen musste. Wer denn den besseren Transfer getätigt hätte, Real mit Kroos oder die Bayern mit ihm? Alonso lachte kurz auf und blickte zur Seite. "Ich werde die Antwort auf dem Platz geben."

Xabi Alonso im Steckbrief

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