Im Schatten des Kugelblitzes

Von Ole Frerks
Freitag, 12.09.2014 | 14:57 Uhr
Franco di Santo hat Nils Petersen im Sturm abgehängt - zumindest für den Moment
© getty
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Robin Dutt wollte noch einen Stürmer, doch es fehlte an Geld. Nun muss der Trainer mit einem Trio auskommen, das Fragezeichen aufwirft. Franco di Santo fehlt es am Torriecher, Davie Selke an Erfahrung. Nils Petersen ist frustriert. Am Freitag gegen Leverkusen (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) rechnen sich alle drei Chancen aus.

Am vergangenen Samstag wurde im Bremer Weserstadion Fußball gespielt. Thomas Schaaf stand an der Seitenlinie und gab Anweisungen an Tim Borowski, Valerien Ismael, Frank Baumann, Johan Micoud, Ailton und den Rest seiner Mannschaft. Beim Gegner spielten unter anderem Ze Roberto und Giovane Elber.

Dominiert wurde das Geschehen von den Fans, die ihren Liebling immer wieder anfeuerten: "Aaaaaaaaaaailton, oohoo, Aaaaaaaaaaaaailton, ohohohoo!" Die Stimmung war das ganze Spiel über großartig.

Eine gewisse Portion Wehmut war allerdings auch dabei. Nicht nur, weil es wohl die letzte Gelegenheit war, den Publikumsliebling in diesem Rahmen zu feiern - Ailton gab schließlich sein Abschiedsspiel. Sondern auch, weil das Spiel Erinnerungen weckte.

Erinnerungen an eine Ära, in der Bremer Fußball für massenweise Tore, Spektakel und Erfolg stand. Eine Ära, in der Bremer Stürmer Ailton hießen oder Claudio Pizarro, Miroslav Klose, Ivan Klasnic, und regelmäßig zu den produktivsten und besten Knipsern der Liga zählten. Eine Ära, die seit einigen Jahren vorbei ist.

Vorstand blockt Ruiz-Transfer

Die Bremer Realität ist im September 2014 eine andere. Das Werder-Spiel ist bisweilen schwer genießbar und hauptsächlich von Kampf geprägt. "Erfolg" bedeutet nicht mehr Europapokal, sondern gesichertes Mittelfeld.

Illustre Namen finden sich im Kader nicht, es fehlt an Geld und sportlichem Anreiz. Der Verein schreibt rote Zahlen und ist zum Sparen gezwungen, obwohl der Kader eklatante Mängel aufweist. Da ein Abstieg gleichzeitig mit noch viel mehr finanziellen Problemen verbunden wäre, muss dieser auch zwingend verhindert werden.

Eine empfindliche Zwickmühle für die sportliche Leitung, zumal Geschäftsführer Sport Thomas Eichin häufig vom Aufsichtsrat ausgebremst wird. Mehrere Versuche, den Costa Ricaner Bryan Ruiz in die Hansestadt zu holen, scheiterten im Sommer daran, dass der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Willi Lemke sein Veto einlegte.

"Ich kann nichts mehr machen", gab Eichin irgendwann auf. Auch Robin Dutt resignierte: "Wir hatten gestern kein Geld, wir haben heute kein Geld und wir werden morgen kein Geld haben."

Keine Zeit zum Meckern

Dabei war Ruiz ein ausdrücklicher Wunschspieler des Trainers. Er wollte diesen Stürmer, der sich international bewiesen hatte und der sogar ein kleines bisschen von dem Glanz zurückgebracht hätte, welcher der Abteilung Attacke spätestens seit dem Abschied von Pizarro im Jahr 2012 abgeht.

Es sollte nicht klappen, soviel ist seit Ablauf der Transferperiode klar. Ruiz spielt weiterhin beim FC Fulham. Dutts Sturmtrio besteht aus Franco di Santo, Nils Petersen und Davie Selke, zumal Martin Kobylanski kurzfristig noch an Union Berlin ausgeliehen wurde.

Es ist nicht die Situation, die sich Dutt erhofft hatte. Der Trainer wird sich aber bereits damit arrangiert haben, er hat ohnehin keine Zeit zu verschwenden und weiß, dass Meckern ihn nicht weiter bringt. Lemkes Worte "wir machen eine schwere Zeit durch" hat mittlerweile wohl jeder Werder-Angestellte verinnerlicht.

Und auch wenn Ruiz ein klares Upgrade dargestellt hätte: Potenzial haben Bremens Angreifer durchaus, jeder für sich. Nur hat eben auch jeder von ihnen größere und kleinere Schwächen, an denen gearbeitet werden muss.

Di Santo: Guter Fußballer, kein Knipser

Nummer eins in der Hackordnung ist mittlerweile di Santo. Der Argentinier ist technisch versiert, kann sich auch mal zurückfallen lassen und sich wesentlich besser ins Kombinationsspiel einschalten als seine beiden Konkurrenten. Das demonstrierte er kürzlich in der Schlussphase gegen Hoffenheim, als er kaum zu halten war und den Ausgleich durch Alejandro Galvez vorbereitete.

Das Problem: Er ist nicht unbedingt ein Torjäger. "Was fehlt, sind die Tore", sagt er selbst. Beim ersten Saisonspiel gegen Berlin traf er zwar, gegen Hoffenheim ließ er aber mal wieder mehrfach gute Chancen aus. Ein Problem, das sich schon in der letzten Saison zeigte, als er bei 23 Einsätzen nur auf vier Tore kam.

"Mindestens zehn", so lautet sein Ziel für diese Saison. Diese Ausbeute sollte durchaus realistisch sein, zumal er wohl gesetzt ist. Sowohl im System mit nur einer echten Spitze im Auftaktspiel als auch bei der Variante mit Doppelspitze ist er derzeit der Favorit des Trainers.

Topmotiviert ist er sowieso: Auch wenn er es nicht in den endgültigen WM-Kader Argentiniens geschafft hat, träumt er weiter von der nächsten Copa America. Zudem hat er nun erstmals die Saisonvorbereitung mit Werder absolviert und kennt sowohl Mitspieler als auch Systeme besser. Wird er wenigstens etwas mehr zum Knipser, wären Dutts Sorgen schon um ein Vielfaches reduziert.

Petersen ist frustriert

Denn neben di Santo fehlt es momentan an einer veritablen Alternative. Petersen, der in den letzten beiden Jahren Werders produktivster Stürmer war, befindet sich schon länger im Formtief. Das Spiel gegen Leverkusen könnte eine letzte Chance werden. Nur 25 Minuten hat er in den drei Pflichtspielen der noch jungen Saison gespielt und schon nach dem Pokalspiel gegen Illertissen, das er über 120 Minuten von draußen verfolgte, seinen Frust deutlich gemacht.

"Es war enttäuschend für mich. Ich bin davon ausgegangen zu spielen. Das war nicht schön", kommentierte er, machte aber auch deutlich, dass er durch Einsatz dem Trainer zeigen wolle, "dass er einen Fehler gemacht hat."

Sein Frust war durchaus verständlich. Di Santo war noch angeschlagen und gar nicht im Kader, Petersen war fit. Dutt wiederum entschied sich für ein System ohne echten Stürmer, mit Eljero Elia und Izet Hajrovic als Stürmer-Surrogaten. Als dann doch ein Stürmer kommen sollte, wurde nicht etwa Petersens Nummer angezeigt - sondern die von Selke.

Eine Entscheidung, die überraschte, zumal das Spiel bekanntermaßen auf der Kippe stand. Petersen hat zwar vor allem in seinem zweiten Werder-Jahr keineswegs überragt, dass ihm ein "Greenhorn" in dieser Situation vorgezogen wird, dürfte jedoch als Zeichen verstanden werden, dass der Trainer mit Entwicklung und Einsatz des früheren Zweitliga-Torschützenkönigs nicht zufrieden ist.

Selkes Sprung im Sommer

Zumal Selke selbst noch einige Entwicklungsschritte vor sich hat. Der Youngster galt vor dem Sommer noch als klarer Leih-Kandidat, spielte dann aber eine herausragende U-19-EM, bei der er mit sechs Toren in fünf Spielen Torschützenkönig wurde. Auf einmal klopften Berichten zufolge Benfica Lissabon und der FC Southampton an die Tür, um den 19-Jährigen zu kaufen.

Verständlicherweise änderte sich dadurch auch Selkes Standing im Verein, Eichin bezeichnete ihn sogar als "unverkäuflich". Kobylanski, der in der Vorsaison noch deutlich häufiger bei den Profis zum Einsatz kam, wurde verliehen, während Selke blieb und eine viel größere Rolle in den Planungen einnahm.

Gegen Illertissen und Berlin wurde er jeweils eingewechselt, gegen Hoffenheim stand er neben di Santo sogar in der Startelf. Mit einem sehenswerten Treffer im Pokal stelle er auch bereits unter Beweis, dass er weiß, wo das Tor steht. Allerdings zeigte vor allem das Hoffenheim-Spiel, dass er eben auch noch viel zu lernen hat.

Laut "Opta" bestritt er in dieser Partie die meisten Zweikämpfe (24) aller Bremer, gewann aber nur 21 Prozent davon. Er war nur 17 Mal am Ball und weder als Schütze noch als Vorbereiter an einem Torschuss beteiligt. Nach 66 Minuten war sein Einsatz beendet, auch weil er nach mehrmaligem überharten Einsatz nicht allzu weit von einer Gelb-Roten Karte entfernt war.

"Aktuell sehr nah am Team"

Gewisse Attribute wie die Dynamik, die starke Physis und der Abschluss sind bei Selke bereits vorhanden und lassen erahnen, dass ihm eine gute Karriere bevorstehen könnte. Bei anderen wie beispielsweise dem Temperament oder dem Spielverständnis hat er dagegen noch viel Arbeit vor sich.

Auch deshalb verzichtet Selke während der Länderspiele auf eine Fahrt zur U 20, um gemeinsam mit den anderen zu trainieren. Dutt begrüßt den Schritt: "Davie ist aktuell sehr nah am Team und soll die Zeit nutzen, mit den Profis zu trainieren."

Bei Werder hofft man - auch, weil es an Alternativen fehlt - dass Selkes Entwicklung rasant voranschreitet und dass er sich vielleicht bereits in dieser Saison etabliert. Schon jetzt wird langfristig mit ihm geplant. Sein Vertrag läuft noch bis 2015, verlängert sich aber bei einer gewissen Anzahl an Einsätzen automatisch um ein weiteres Jahr.

Zeitdruck besteht also nicht, aber Eichin feilt schon jetzt an einem Folgevertrag: "Unser Ziel ist, eine Einigung über 2016 hinaus hinzukriegen. Es sieht positiv aus. Er hat gesagt, dass er hier spielen möchte."

Ab ins kalte Wasser

Es wäre das Bremer Traumszenario, wenn Selke die großen Hoffnungen annähernd erfüllen könnte, zumal Werder in den letzten Jahren keineswegs erfolgreich darin war, Spieler aus den eigenen Jugendmannschaften bei den Profis zu etablieren.

Sicher hätte auch er davon profitieren können, von einem erfahrenen Mann wie Ruiz zu lernen. Diese Option besteht aber eben nicht, also muss er sich alleine durchbeißen.

Zumindest sein Sturmpartner aus dem Hoffenheim-Spiel traut ihm das zu. "Er hat eine große Zukunft vor sich. Er ist sehr willig, sich zu zeigen und zu verbessern", sagt di Santo.

Nur elf Stürmertore 2013/14

Bis es so weit ist, muss Dutt auf die Zähne beißen und einen Weg finden, das Maximum aus dem vorhandenen Potenzial herauszuholen. Letztes Jahr kam der Werder-Sturm nur auf elf Tore, im Vorjahr waren es 17.

Ailton allein machte in seiner letzten Saison in Bremen so viele Buden wie seine Nachfolger in den letzten beiden Saisons zusammen.

"Das war eine andere Qualität"

"Das" nächste Ailton muss weder Selke noch di Santo werden. Dass beide einen Schritt nach vorne machen, ist dennoch von essenzieller Bedeutung für ihren Verein, fußballerisch wie finanziell. Auch Petersen muss aus seinem Loch herauskommen und sich wieder bei Dutt empfehlen.

"Ailton, Micoud, Klasnic - das war eine andere Qualität", gibt der Ehrengast vom Samstag im Interview mit dem "Weser Kurier" seine Einschätzung, "die jungen Spieler brauchen Zeit. Potenzial ist da, jetzt müssen sie von Jahr zu Jahr ein bisschen besser werden und Erfahrung sammeln."

An Erfahrungen wird es Werders Stürmern nicht fehlen. Dutt hat eine begrenzte Auswahl.

Werder Bremen im Überblick

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