Nicht nochmal "den Malanda machen"

Von Sebastian Hahn
Donnerstag, 18.09.2014 | 15:15 Uhr
Junior Malanda wurde zur Symbolfigur des schwachen Saisonstarts beim VfL Wolfsburg
© getty
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Der VfL Wolfsburg wollte in diesem Jahr eigentlich voll durchstarten und die Bundesligaspitze entern. Nach drei Spieltagen stehen aber nur zwei magere Pünktchen zu Buche, der Saisonstart wurde verpatzt. Die Europa League - zum Auftakt muss man beim FC Everton antreten (21 Uhr im LIVE-TICKER) - soll jetzt den Knoten platzen lassen, ansonsten wird es ungemütlich bei den Wölfen.

Junior Malanda schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Nicht schon wieder. Bereits gegen den FC Bayern hatte er im Auftaktspiel den Ball nicht im Tor unterbringen können - obwohl er vor dem leeren Tor gestanden war!

Gegen Eintracht Frankfurt passierte dem Belgier dann wieder dieses Missgeschick. Wieder war der gegnerische Kasten leer, wieder durfte Malanda nicht jubeln.

Die beiden verpassten Chancen des Mittelfeldmanns stehen stellvertretend für den schwachen Wolfsburger Saisonstart. Nur zwei Punkte konnte man an den ersten drei Spieltagen verbuchen. Zu wenig für die gestiegenen Ansprüche.

"Wir haben viel vor"

Denn eigentlich wollte man nach einer ordentlichen Rückrunde, in der man von den letzten zehn Partien nur eine verlor, in dieser Saison das Spitzen-Quartett der Liga anpeilen. "Es ist klar, dass wir mittelfristig in die Champions League wollen. Wir hoffen, diesen nächsten Schritt in dieser Saison zu machen. Wir haben viel vor", erklärte Klaus Allofs gegenüber der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

Dementsprechend wollte der Geschaftsführer im Sommer auch auf dem Transfermarkt zuschlagen, ein Stürmer von internationalem Format sollte her. Schließlich war Bas Dost langzeitverletzt, Ivica Olic hat auch schon 35 Jahre auf dem Buckel. Man verhandelte mit Alvaro Morata, flirtete mit Romelu Lukaku, sogar Lukas Podolski war bis zum Matchwort von Arsene Wenger ("Er bleibt bei uns") ein Thema.

Am Ende kam Nicklas Bendtner. Ein Stürmer, der bei Arsenals als Zukunft im Angriff gesehen wurde, dann aber abseits des Platzes mit dem einen oder anderen Skandälchen für Aufsehen sorgte und im Sommer dementsprechend lange ohne Verein dastand. Klar, Bendtner hat sicherlich das Potenzial, sich in der Bundesliga durchzusetzen. Die Frage ist, ob er das auch will.

Die 1A-Lösung ist der Däne jedenfalls nicht. Immerhin: Bei seinen ersten beiden Einsätzen für die Wölfe zeigte er, dass er durchaus weiterhin über einen unverkennbaren Torriecher verfügt. Das erste Saisontor wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Ob Allofs und Hecking an Bendtner dachten, als sie an einen Stürmer von internationalen Format dachten, sei aber dahingestellt.

Solide, gut - aber nicht mehr!

Dass wir in diesem Jahr keinen Lukaku oder Morata in hellgrün kicken sehen, liegt wohl auch an Allofs' Marschroute: "Das sind Dinge, die ich nicht machen möchte. Das passt nicht zu unserer Philosophie", kommentierte er gegenüber dem "Kicker" den 35-Millionen-Euro-Transfer des Belgiers Lukaku zum FC Everton.

Daher lassen auch die anderen Neuzugänge des Sommers den Fußball-Kenner nicht mit der Zunge schnalzen. Mateusz Klich, Sebastian Jung und Aaron Hunt sind sicherlich keine schlechten Fußballer, aber eben auch nicht die Extraklasse, die man braucht, um sich für die Champions League zu qualifizieren.

Dieser Eindruck festigte sich in den ersten Saisonspielen. Vor allem Hunt und Jung agierten solide bis gut - aber eben nicht viel besser. Das erste Spiel gegen Bayern mal ausgeklammert, als man nur aufgrund des unfassbaren Pechs von Junior Malanda als Verlierer vom Platz ging, agierten die Wölfe zu ideenlos, es fehlte die letzte Durchschlagskraft.

Gegen Frankfurt schenkte man den verdienten Sieg noch in letzter Sekunde weg, in Hoffenheim rettete man sich dagegen selbst noch. Am Wochenende wartet mit Bayer Leverkusen der nächste Härtetest. Verpasst man dort erneut den ersten Saisonsieg, könnte sich schon Unmut breit machen.

Zittern in Darmstadt

Auch im DFB-Pokal schlitterte man nur knapp an der Blamage vorbei. In Darmstadt zitterte man sich im Elfmeterschießen weiter - nicht gerade der Auftakt, denn sich die Verantwortlichen vorgestellt hatten. "Wir waren jetzt zweimal in Folge im Halbfinale. Wir haben das Ziel, nach Berlin zu fahren - und dort mit 30.000 Wolfsburgern im Stadion das Endspiel zu bestreiten", sagte Allofs.

Die Ursachenforschung bei den Niedersachsen ist durchaus knifflig. Am ehesten fällt noch die eigene Chancenverwertung auf. "Mit den Möglichkeiten, die wir hatten, wäre es nicht unmöglich gewesen, heute zu gewinnen", erklärte Diego Benaglio nach der Hoffenheim-Partie. Auch gegen Frankfurt und Bayern hätte man durchaus öfter treffen dürfen.

Am Kader liegt es defintiv nicht. Der blieb nämlich zu großen Teilen zusammen. In der Offensive wirbeln mit Kevin de Bruyne, Maximilian Arnold und Co. dieselben Spieler wie im letzten Jahr, auch die Defensive mit Robin Knoche, Ricardo Rodriguez und Naldo steht und wurde sogar noch durch Jung verstärkt.

Luiz Gustavo bekannte sich trotz lukrativer Offerten aus Madrid und von der Insel zum VfL. "Ich bin hier, ich will hier weiter spielen und der Mannschaft helfen. Wir sind in drei Wettbewerben vertreten, da wollen wir gerne vorne dabei sein", erklärte der Brasilianer.

Rückkehr nach Europa

Denn neben den nationalen Wettbewerben will man nach vier Jahren Abstinenz auch in der Europa League für Furore sorgen. "Wenn ich mir so anschaue, wer in diesem Jahr im Finale der Europa League steht, da könnten wir im nächsten Jahr auch stehen", erklärte Gustavo gegenüber der "Sport Bild" vor dem Duell zwischen Benfica und dem FC Sevilla in der vergangenen Saison.

Die Sehnsucht nach Europa ist groß in Wolfsburg. Letztmals durfte man 2009 auf kontinentaler Ebene mitspielen - damals sogar in der Champions League. Das Abenteuer endete mit Platz drei in der Gruppenphase, anschließend erreichte man in der Europa League immerhin das Viertelfinale.

"Sieht nach Champions League aus"

Einfach wird eine erfolgreiche Saison im internationalen Geschäft aber nicht. Mit dem FC Everton, dem OSC Lille und Kuban Krasnodar hat man drei schwere Gegner vor der Brust. "Das sieht nach Champions League aus", meinte Allofs nach der Auslosung der Gruppen in Monaco.

Das Erreichen der nächsten Runde wird in dieser Gruppe auf keinen Fall ein Spaziergang, vor allem, wenn sich der VfL weiterhin so formschwach präsentiert. Zum Auftakt will man in Liverpool bei den Toffees direkt einen Sieg mitnehmen.

Ein Sieg gegen Everton könnte den Knoten platzen lassen. Dort ausgerechnet im Sturm gesetzt - Romelu Lukaku. Nicklas "Lord" Bendtner kann also direkt beweisen, dass sein Einkauf die richtige Wahl war.

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