Juan Bernat: Neue Konstante

Von Stefan Rommel
Dienstag, 23.09.2014 | 14:11 Uhr
Juan Bernat hat sich beim FC Bayern München durchgesetzt
© getty
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Der Überraschungstransfer des FC Bayern München hat sich erstaunlich schnell zu einer festen Größe beim Rekordmeister entwickelt und wird auch gegen den SC Paderbornin der Startelf stehen. Derzeit ist Bernat ein Fixpunkt - in einer suchenden Mannschaft.

Vor drei Jahren waren sie noch dicke Kumpels und Mannschaftskollegen beim FC Valencia. Beide waren auf dem linken Flügel zu Hause, sie bildeten ein Pärchen auf der Außenbahn. Und weil Jordi vier Jahre älter ist als Juan, schaute der Kleine schon damals immer interessiert auf den Großen.

Heute sind Jordi Alba und Juan Bernat immer noch eng befreundet. Sie spielen aber nicht mehr beim FC Valencia oder in der Europa League. Der eine hat sich vor zwei Jahren zum FC Barcelona aufgemacht, da war er bereits Europameister. Der andere hat das erste Abenteuer seiner noch jungen Karriere am 10. Juli gestartet.

Mit Vater Alejandro, Mama Amparo, Bruder Alejandro junior und Zwillingsschwester Ines im Gepäck setzte Juan Bernat nach München über, beim großen FC Bayern war er der Überraschungstransfer des Sommers. Die Familie blieb die ersten Tage zur leichteren Eingewöhnung in München. In der Zeit hat er auch öfter mit Jordi Alba telefoniert.

Umstellung auf den FC Bayern

"Jordi ist ein Vorbild für mich. Ich spreche regelmäßig mit ihm und er hilft mir viel mit seinen Ratschlägen", sagt Bernat. Zum Beispiel hatte sein Kumpel ihm berichten können, wie es ist, sich auf in vielerlei Hinsicht fremdem Terrain zu bewegen. Der Schritt von Valencia nach Barcelona ist in etwa zu vergleichen mit dem nach München - wobei Alba den Vorteil hatte, dass er als Katalane und ehemaliger Jugendspieler von La Masia den Klub bereits kannte. Und natürlich auch keine Sprachbarriere zu überwinden hatte.

Bei Juan Bernat war das schon deutlich schwieriger. Neben den Hürden des täglichen Lebens war für den 21-Jährigen auch die Umstellung in den Trainingseinheiten enorm. In Valencia war Bernat Bestandteil einer vergleichsweise defensiv ausgerichteten Mannschaft, die auf schnelles Konterspiel setzte. In München lauten die Schlagworte Ballbesitz, Positions- und Kombinationsspiel, Dominanz.

Eine zuverlässige Stütze

Er hat sich schwer getan in den ersten Wochen. Seinem Spiel war eine gewisse Unsicherheit stets anzumerken. In der Vorbereitung durfte er spielen, weil die Brasilien-Fahrer noch im Urlaub weilten oder verletzt waren. In den ersten Pflichtspielen durfte er ran, weil einige noch Rückstand hatten oder immer noch verletzt waren. Mittlerweile spielt Juan Bernat, weil es für seine Position keinen Besseren gibt und weil Pep Guardiola sich voll auf ihn verlassen kann.

"Ich bin mit meinen Leistungen und mit der Saison bisher sehr zufrieden. Denn der Trainer schenkt mir das Vertrauen. Und ich versuche, ihm dieses Vertrauen in jedem Spiel so gut es mir möglich ist zurückzuzahlen", sagte der Spanier nach dem Remis beim Hamburger SV gegenüber "bundesliga.de".

Für die Mannschaft war das eine nächste kleine Enttäuschung. Für Bernat der nächste kleine Schritt seiner Entwicklung beim Rekordmeister. Die Bayern sind derzeit eine Mannschaft, die nach der Selbstverständlichkeit der abgelaufenen Saison sucht. Es fehlen weiterhin viele wichtige Spieler, der Trainer improvisiert deshalb notgedrungen.

Andere sind immer noch nicht bei einhundert Prozent ihrer Leistungsfähigkeit oder finden nur schleppend in die Saison. Selbst Granden wie Dante, Philipp Lahm oder Thomas Müller haben noch Luft nach oben. Robert Lewandowski hat sich noch nicht ganz eingefunden im System der Münchener. Im Moment kann sich Guardiola auf einige Größen verlassen: Auf Torhüter Manuel Neuer, Innenverteidiger Jerome Boateng, Rechtsverteidiger Rafinha und Juan Bernat.

Die linke Seite ist seine

Der hat vorerst die Position links in der Viererkette von David Alaba übernommen. Sofern die Bayern mit vier Spielern auf einer Linie spielen. In Valencia spielte Bernat lange im offensiven Mittefeld, auf der linken Außenbahn. Er weiß, was im Offensivspiel gefordert ist.

Seinen Durchbruch hat er aber erst geschafft, als er zwei Linien weiter nach hinten gezogen wurde. Das entspricht in etwa auch Alabas Entwicklung, der in der U 17 der Bayern noch im Angriff eingesetzt wurde, bis ihn der damalige Profi-Trainer Louis van Gaal in der ersten Mannschaft als linken Verteidiger ausprobierte. "David ist das reinste Spektakel", sagt Bernat über Alaba, der lediglich ein paar Monate älter ist. "Er hat so viel Dynamik, ist physisch unglaublich stark und dabei noch so jung..."

Mittlerweile gehört Alaba auf dieser Position zu den Besten der Welt. Nur: Der Österreicher würde in Guardiolas System lieber im Mittelfeld spielen. Zumal jetzt, wo Bastian Schweinsteiger, Thiago und Javi Martinez verletzt sind und Toni Kroos nicht mehr da.

"Ich gehe hart zur Sache"

Er hat es sich abgewöhnt, die Zuspiele auf ihn direkt und ohne Risiko wieder zurück an den Absender zu schicken. In den letzten drei, vier Pflichtspielen war er immer einer der stärksten Bayern-Spieler und deutet das an, was sie sich in München von ihm versprechen. Dynamik und Wucht in der Offensive, Zuverlässigkeit in der Defensive, ein hohes taktisches Verständnis, Torgefahr.

"Ich bin ein Außenbahnspieler mit großem Offensivdrang. Schnell, ballsicher und zweikampfstark", sagt Bernat über sich selbst. Das ist durchaus selbstbewusst formuliert, passt aber auch sehr gut zum "Mia san Mia"-Selbstverständnis der Bayern. "Und ich gehe hart zur Sache. Auf dem Spielfeld gibt es keine Freunde!"

Das freut besonders Matthias Sammer. Der Sportvorstand hat Bernat bei dessen erster Pressekonferenz flankiert und schon im Juli von einem "außergewöhnlichen, jungen Spieler, den wir schon lange beobachtet haben. Er ist schnell, zweikampfstark, hat einen unglaublichen Zug zum Tor." Sammer hat seine Vorschusslorbeeren zuletzt bekräftigt und Bernat eine ungeahnt kurze Eingewöhnungszeit beschieden.

Bernat ergreift die Chance

"Wir planen mit ihm nicht nur als Backup für links, sondern erhoffen uns, dass er sich schnell adaptiert und ein gestandener Spieler wird", hatte Sammer in der Sommerpause gehofft. Bernat hat dem Wunsch seiner Vorgesetzten bisher durchaus entsprochen. Die Umstellung auf einige deutsche Eigenheiten hat er gut hinbekommen, dabei aber auch vom spanisch angehauchten Stil Guardiolas profitiert.

"Der deutsche Fußball ist sehr direkt und physisch stark, das ist ein Unterschied zu Spanien. Aber das System von Pep Guardiola hat schon viele Ansätze vom spanischen Fußball", sagt Bernat. Die Chance, die ihm bereits in jungen Jahren offeriert wurde, packt er momentan beim Schopfe.

"Dass einer der besten Vereine der Welt von dir Notiz nimmt, dass ein Trainer wie Pep Guardiola dich will, obwohl du noch so jung bist, das war definitiv eine Überraschung", erinnert sich Bernat an die ersten Gespräche. Die anfängliche gesunde Demut ist einer selbstbewussten Angriffslust gewichen. "Ich habe die letzten Jahre harte dafür gearbeitet, so eine Chance zu bekommen. Und das genieße ich jeden Tag aufs Neue."

Nationalmannschaft kann warten

In der Heimat ist die A-Nationalmannschaft auf ihn aufmerksam geworden. Von der U 16 bis zur U 21 hat Bernat alle Jugendmannschaften des spanischen Fußballverbands durchkaufen, er ist also kein Niemand. Für eine Einladung zur Roja hat es bisher aber noch nicht gereicht.

"Das wäre natürlich eine schöne Sache. Aber letztlich wäre das ein Bonus, denn daran denke ich momentan nicht. Meine volle Konzentration gilt dem FC Bayern. Ich will hier viele Titel gewinnen", sagt Bernat.

Dafür muss sich die Mannschaft aber bis zur Winterpause durchquälen. Das kündigten zumindest Guardiola und Sammer nun schon mehrfach an. Da trifft es sich ganz gut, dass der Neue, der permanent spielt, sich schnell und lautlos integriert hat.

Am Dienstag steht die Prüfung gegen den SC Paderborn an (20 Uhr im LIVE-TICKER). Vermutlich hat er von keinem einzigen Spieler des Aufsteigers bis zur Teambesprechung am Montag je etwas gehört. Aber mit neuen Herausforderungen kennt sich Juan Bernat ja aus.

Wobei, eine Sache dürfte ihm dann doch etwas befremdlich erscheinen: In den kommenden Tagen steht der Wiesn-Besuch der Mannschaft auf dem Programm. Für Juan Bernat wird es das erste Mal sein, eine neue Erfahrung. Da wird ihm auch Jordi Alba nicht weiterhelfen können.

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