Fussball

Selbst Julius Caesar erblasst

Pepe Reina wechselt vom FC Liverpool zum FC Bayern München
© getty

Schauspieler, Entertainer, Fürsorger. Pepe Reina hat nicht nur herausragende Qualitäten auf der Linie. Mit 31 wechselt er vom FC Liverpool zum FC Bayern München. Pep Guardiola bekommt seinen nächsten Wunschspieler. Dabei verbindet die Reinas mit dem FC Bayern eine schreckliche Erfahrung.

Pepe Reina wird mit Steinen beworfen. Er macht einen Salto vom Pferd, legt sich mit Julius Caesar an, verdreht einer brünetten Schönheit den Kopf und wird eingekerkert. 17 Minuten dauert der Kurzfilm "Invictus. El correo del Caesar", in dem Reina die Hauptrolle als römischer Soldat spielt.

Seinen Ausflug in die Welt des Cineasmus verdankt Reina seinen Schauspieler- und Entertainer-Qualitäten, die er als Torhüter der spanischen Nationalmannschaft mehrfach unter Beweis gestellt hat. Wann immer die Furia Roja einen große Titel gewann, war Reina Protagonist der Feierlichkeiten.

Keine Aufnahme im Flugzeug ohne einen singenden und tanzenden Reina, kein Staatsempfang ohne eine One-Man-Show des mittlerweile 31-Jährigen. Nach der Rückkehr von der WM 2010 stellte Reina jeden einzelnen Weltmeister der tobenden Menschenmenge vor. Laut, witzig, charmant.

"Wenn ich nicht Torhüter geworden wäre, wäre ich ins Showgeschäft gegangen. Mein Traum wäre eine eigene Late-Night-Show", sagte Reina einmal. Er hätte ein unbestrittenes Talent dafür.

Barca, Liverpool, Neapel

Allerdings lag Reina mit seiner Berufswahl auch nicht falsch. Früh trat er in die Fußstapfen seines Vaters Miguel, der 15 Jahre für den FC Barcelona und Atletico Madrid spielte und zwischen 1969 und 1973 fünf Spiele für die Nationalmannschaft bestritt.

Obwohl Pepe in Madrid geboren wurde, hat er nie das Trikot der Königlichen getragen. Mit 13 kam er nach La Masia, der Jugendakademie des FC Barcelona. Er durchlief sämtliche Jugend-Nationalmannschaften, konnte sich aber bei Barca keinen Stammplatz erkämpfen.

Nach drei Jahren in Villarreal, wo sich Reina den Ruf eines "Elfmeterkillers" verdiente mit sieben gehaltenen Strafstößen in einer Saison, wechselte er 2005 zum FC Liverpool. Nach 285 Premier-League-Spielen ließ er sich in der letzten Saison zum SSC Neapel ausleihen, da die Reds mit Simon Mignolet eine neue Nummer eins verpflichtet hatten.

Guardiola bekommt den nächsten Wunschspieler

Napoli hätte Reina Liverpool gerne abgekauft, aber das Rennen machte der FC Bayern. "Wir haben mit dem Spieler und dem FC Liverpool Einigung erzielt. Pepe Reina erfüllt unser sportliches Profil und wollte unbedingt zu uns", erklärte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Audi Summer Tour des FC Bayern in Portland.

Mit Reina erhöht sich die Zahl der spanischen Spieler im Kader des FC Bayern auf vier. Pep Guardiola hat nach Thiago Alcantara im letzten und nach Juan Bernat in diesem Jahr nun auch seinen dritten Wunschspieler bekommen. Und die Bayern wären bereit gewesen, weitere Transfers zu tätigen.

"Wenn unser Trainer es gewollt hätte, hätten wir noch was gemacht. Aber er hat klar gesagt, dass er mit der Qualität des Kaders hochzufrieden ist", sagte Rummenigge.

Zwei Nationaltorhüter und Starke

Durch die Verpflichtung von Reina sind die Bayern nun auch auf der Torhüterposition bemerkenswert stark besetzt. Manuel Neuer ist als Weltmeister und derzeit wohl bester Torhüter der Welt als Nummer eins gesetzt.

Tom Starke hat in den letzten Jahren beweisen, dass man sich auf ihn verlassen kann, wenn er gebraucht wird und in den bisherigen Testspielen der Vorbereitung einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Zudem wird Starke innerhalb der Mannschaft sehr geschätzt.

Pepe Reina hat 33 Länderspiele für Spanien bestritten, war bei allen großen Titel dabei und will auch weiterhin für Spanien spielen. Nationaltrainer Vicente del Bosque hat die Torhüter-Hierarchie nach der blamablen WM noch nicht neu ausgerichtet. Eine klare Nummer eins gibt es bei den Spaniern nicht, bei der WM entschied sich del Bosque für den langjährigen Kapitän Iker Casillas.

Qualitäten auch als Feldspieler

Der Kontakt zwischen Guardiola und Reina, die 2000/01 gemeinsam für den FC Barcelona spielten, muss spätestens kurz nach dem WM-Vorrunden-Aus der Spanier hergestellt worden sein. Seit 24. Juni folgt Reina (PReina25) auf Twitter "FC Bayern Espanol", dem offiziellen spanischen Account der Münchner.

Reina hat herausragende Qualitäten auf der Linie und er ist ein guter Fußballer. Statt dem langen Abschlag bevorzugt er den präzisen Pass.

"Ich habe noch nie einen Torhüter erlebt, der so perfekt mit dem Ball umgehen kann. Wenn Pepe nicht so langsam wäre, könnte er auch Feldspieler sein", sagte Daniel Agger, Reinas langjähriger Teamkollege in Liverpool.

Fußball-Camp für Kinder

Neben seiner Leidenschaft für die Schauspielerei kümmert sich der dreifache Familienvater auch um den Nachwuchs. Seit 2011 versammelt er jedes Jahr im Juli in Andalusien 130 Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und 15 Jahren für eine Woche in seinem Pepe Reina Campus.

"Das Camp steht unter dem Motto Sport, Erziehung und Zusammenleben. Wir kümmern uns 24 Stunden am Tag um die Kinder. Ich habe früh in meinem Leben gelernt, dass man nur weiterkommt, wenn man sich auch um andere kümmert und auf sie zugeht. Das in Verbindung mit Sport funktioniert sehr gut", sagt Reina.

Vater Miguel hat die Karriere seines Sohnes stets gefördert. Mit dem Erreichten ist er sehr zufrieden. "Schauen Sie sich meinen Sohn doch an. Er ist größer, schöner und verdient mehr Geld als ich. Damit ist alles gesagt."

Zwiespältige Beziehung zum FC Bayern

Dass sein Sohn jetzt ausgerechnet zum FC Bayern wechselt, kann Miguel mittlerweile auch verkraften. Jahrzehntelang hatte er am Finale der Landesmeister 1974 zu knabbern.

Altetico Madrid hatte schon eine Hand am Pokal, als Katsche Schwarzenbeck in der 120. Minute Reina mit einem Distanzschuss düpierte und ein Wiederholungsspiel erzwang, dass die Bayern drei Tage später mit 4:0 gewannen.

Reina soll sich Sekunden vor Schwarzenbecks Schuss die Torwarthandschuhe ausgezogen haben, weil er sie dem Reporter einer Zeitung versprochen hatte.

"Schwarzenbeck verfolgt mich bis heute. Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere und bekam plötzlich Depressionen. Das ist wie ein großer schwarzer Fleck", sagt Miguel Reina.

Sohn Pepe wird sich in den nächsten Jahren bemühen, den Namen Reina in Verbindung mit dem FC Bayern in glänzenderes Licht zu setzen.

Pepe Reina im Steckbrief

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