"Hurra-Fußball? Natürlich riskant"

Von Daniel Reimann
Freitag, 09.05.2014 | 11:30 Uhr
Kevin Volland erzielte in dieser Saison zehn Treffer und bereitete zehn Tore vor
© getty
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Ein Topscorer bei 1899 Hoffenheim, Geheimtipp im deutschen WM-Kader: Kevin Volland über Nebenwirkungen des Hoffenheimer Hurra-Fußballs, Markus Gisdols Besonderheiten und das Training im Footbonauten.

Kevin Volland ist am Donnerstag in das vorläufige Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die WM in Brasilien berufen worden. Der 21-Jährige überzeugte in dieser Saison mit bislang zehn Treffern und zehn Assists.

Auf der Homepage von 1899 Hoffenheim äußerte sich Volland begeistert über seine Nominierung: "Hansi Flick hat mich Mittwochnachmittag angerufen. Es fiel mir dann ein bisschen schwer, die Sache für mich zu behalten. Meinen Eltern, mit denen ich gestern Abend lange telefoniert habe, und meiner Freundin, mit der ich abends noch etwas Essen war, habe ich es natürlich gesagt. Ich werde mit den besten deutschen Spielern gemeinsam trainieren können. Das ist eine Ehre und wird großen Spaß machen."

Dass nun die Urlaubspläne durcheinander kommen, stört den Stürmer nicht: "Meinen Urlaub habe ich wie immer mit einer Reiserücktrittsversicherung gebucht. Ob diese in diesem Fall greift, weiß ich aber noch nicht. Ich werde mich da schlau machen. Aber, eines ist klar: Zur Nationalmannschaft zu fahren ist viel besser als Urlaub."

SPOX: Vergangene Saison rettete sich Hoffenheim erst am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz. Für den Verein ohnehin eine schwere Situation. Aber wie viel Angst hat man als Spieler um die eigene Zukunft?

Kevin Volland: Die letzte Saison war für jeden Einzelnen im Verein sehr unruhig, hinzu kamen die zahlreichen Trainerwechsel. Aber als Markus Gisdol kam, hat man gemerkt, dass er uns den Druck genommen hat. Wir haben am Schluss sehr gut gespielt und mit viel Glück das Ruder noch herumgerissen. Im Nachhinein war das eine überragende Erfahrung. Der Klassenerhalt war mit das Schönste, das ich je erlebt habe. Aber ein zweites Mal brauche ich das nicht.

SPOX: Sie haben sowohl bei 1860 als auch in Hoffenheim viele Trainerentlassungen erlebt. Wie hinderlich ist das?

Volland: Das ist schon problematisch, wenn man in einer Saison drei Trainer hat und jeder fängt bei null an. Das Team muss ja auch die Spielphilosophie eines jeden Trainers trainieren, sie sich einprägen. Daher ist es schon von Vorteil, wenn man konstant den gleichen Trainer über mehrere Jahre hat. Dann weiß man einfach, was von einem erwartet wird, was der Trainer fordert.

SPOX: Unter welchem Trainer haben Sie selbst den größten Sprung gemacht?

Volland: Der Sprung unter Reiner Maurer damals bei 1860 war schon groß, als ich aus der Jugend zu den Profis hochgeholt wurde. Aber auch unter Markus Gisdol habe ich einen großen Sprung gemacht.

SPOX: Was war denn die zentrale Veränderung, die Gisdol in Hoffenheim vorgenommen hat?

Volland: Als er angekommen ist, hat er gesehen, wie verunsichert wir Spieler waren. Wie er dann im Training Fußball spielen ließ, war einfach überragend. Das hat jedem Spaß gemacht, jeder kann sich mit seiner Vorstellung vom Offensivpressing identifizieren. Seine Vorgabe, vorne die Gegenspieler bedingungslos anzulaufen, den Gegner früh unter Druck zu setzen, haben wir umgesetzt und dadurch viele Gegner überrascht. So haben wir einige Siege eingefahren, die Gold wert waren.

SPOX: Es gab in Hoffenheim unter Gisdol eine Art Zweiklassengesellschaft durch die Einführung "Trainingsgruppe 2". Wie nimmt man das als Spieler wahr, wenn plötzlich Mannschaftskollegen abgeschottet trainieren müssen?

Volland: Das nimmt man eher gar nicht wahr. Wir waren in der Vorbereitung und mussten uns als Mannschaft auf das Sportliche und die anstehenden Spiele konzentrieren.

SPOX: Eine solche Maßnahme soll ja auch beim Rest der Mannschaft einen Effekt auslösen. Welchen Effekt hat das bei Ihnen hervorgerufen?

Volland: Ich habe so weitergemacht wie davor. Bei mir hat das keinen Unterschied gemacht.

SPOX: Unter Gisdol hat Hoffenheim diese Saison die drittmeisten Treffer erzielt, zugleich aber die zweitmeisten Gegentore kassiert. Ist diese Form von Hurra-Fußball nicht riskant?

Volland: Ja, natürlich ist das riskant. Uns ist bewusst, dass es ein gewisses Risiko mit sich bringt. In der Hinrunde gab es ja meistens Spektakel. Daran waren wir aber als Mannschaft selbst schuld, weil wir manche Spiele dumm hergeschenkt haben. Aber das ist uns in der Rückrunde nicht mehr so häufig passiert. Wir haben nochmal einen Riesenschritt gemacht. Wir haben uns als Team gefestigt, sogar dreimal zu Null gespielt, auch wenn das nicht so viel ist. Dazu haben wir auch "langweilige" Partien abgeliefert, wo es mal nicht so spektakulär abging.

Seite 1: Volland über seine WM-Nominierung und Gisdols Veränderungen

Seite 2: Volland über die variable Offensive und Training im Footbonauten

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