Montag, 10.03.2014

Nach Treffen mit Schneider

Stevens warnt: "Es ist eins vor zwölf"

Huub Stevens ist zurück in der Bundesliga. Bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des VfB Stuttgart überraschte er die Journalisten - und wagte die Abkehr von seinem Credo.

Huub Stevens bei seiner Vorstellung in Stuttgart
© getty
Huub Stevens bei seiner Vorstellung in Stuttgart

Für die erste "Huuberraschung" benötigte Huub Stevens nur wenige Sekunden. Gerade erst hatte ihm der Pressesprecher das Wort erteilt, da offenbarte der neue Trainer des VfB Stuttgart, dass er vor seinem Amtsantritt einen besonderen Experten zurate gezogen hatte: seinen Vorgänger Thomas Schneider. "Er kennt die Mannschaft besser, er war in der Kabine, beim Training, überall da, wo wir nicht waren. Hut ab! Danke, dass er mich treffen wollte", sagte Stevens bei seiner offiziellen Vorstellung am Montag.

Welche Tipps und Einschätzungen er sich beim beurlaubten, am Ende beinahe bemitleidenswert erfolglosen "Ex" der Schwaben geholt hat, wollte Stevens aber nicht verraten. Stattdessen schwor er sofort den gesamten Verein eindringlich auf das große Ziel ein - den Klassenerhalt in der Bundesliga.

"Es ist eins vor zwölf", sagte der Niederländer und ließ seine Worte einen Sekundenbruchteil wirken, "was wir erreichen müssen, kann Huub Stevens nicht allein!" Sportvorstand Fredi Bobic, Präsident Bernd Wahler, die VfB-Spieler, seien sie "alt, jung, schwarz oder weiß", eben "alle von der Putzfrau bis zum Analysten" würden gebraucht - nur so sei der Klub vor dem ersten Abstieg seit 1975 zu retten.

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Unheimlich viel zu tun

Er habe nun unheimlich viel zu tun, sagte Stevens, deshalb strich er der Mannschaft gleich den freien Montag und bat um 15.00 Uhr zum ersten Training unter seiner Leitung. Über sein Knurrer-Image scherzte Huub Stevens zwar ("Ach, der Hund, der knorrige!"), jedoch ließ sich erahnen, dass nun ein schärferer Wind neben dem VfB-Stadion wehen wird. "Ich werde deutlich zu den Spielern sein", sagte Stevens, "sodass jeder weiß, was zu tun ist."

In guter Kenntnis der Abwehrschwäche seiner neuen Mannschaft (51 Gegentore, die drittmeisten der Liga) modifizierte Stevens dann auch sein altes Credo. Die Null muss stehen? In Stuttgart darf es durchaus auch mal ein 4:3 sein: "Du musst ein Tor mehr schießen als der Gegner, dann hast du drei Punkte." Lachen im Saal. Die erste Gelegenheit, den VfB zum Sieg zu führen, hat Stevens am Samstag bei Werder Bremen.

Seit Entlassung in Alarmbereitschaft

Die Tage seit seiner Entlassung beim griechischen Vize-Meister PAOK Saloniki am 2. März hatte er in Alarmbereitschaft verbracht. "Ich habe geahnt, dass es so kommen würde. Es ging um einen Plan B. Ich habe gehofft, dass Thomas Schneider das hinkriegt - habe aber gesagt: Wenn es so eintritt, bin ich bereit."

Es trat so ein. Nach "kurzen, knackigen Gesprächen" (Bobic) ist Huub Stevens der dritte VfB-Trainer der Saison nach Bruno Labbadia und Schneider. Nun will er "jede Stunde nutzen, das Team kennenzulernen" und den Absturz endlich zu stoppen. Einen einzigen Punkt hat der VfB aus seinen vergangenen neun Spielen geholt - aus dem Heimspiel gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig (2:2).

Er habe dieses Spiel inzwischen angeschaut, sagte Stevens und grinste breit: "Ich konnte leider nicht anwesend sein."

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