Die Verletztenmisere beim 1. FC Nürnberg

Der Club geht am Stock

Dienstag, 11.02.2014 | 13:56 Uhr
Gertjan Verbeek muss in den nächsten Wochen auf fünf Stammspieler verzichten
© getty
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Mit Timothy Chandler und Daniel Ginczek fallen zwei weitere wichtige Spieler beim 1. FC Nürnberg für lange Zeit aus. Doch es sind nicht die einzigen Stützen, die das Gerüst von Trainer Gertjan Verbeek zum Wanken bringen. Für den Club ist das jedoch kein Grund für Pessimismus.

"Die Dinge sind wie sie sind. Am Sonntagmorgen werde ich mir darüber Gedanken machen, aber jetzt erstmal ein Bier trinken." Gertjan Verbeek wollte sich am Samstagabend nach der 0:2-Pleite gegen den FC Bayern noch nicht den Kopf zerbrechen. Unglücklich hatte der Club verloren. Hätte man die Chancen zu Beginn genutzt, wer weiß - vielleicht hätte man dem Rekordmeister an diesem Tag ein Bein stellen können.

Der Griff von Verbeek zum Glas lag aber nicht an der Niederlage. Viel schwerer wiegen beim Club die Verletzungen von Timothy Chandler und Daniel Ginczek. Der US-Amerikaner Chandler fällt mit einem Außenmeniskusriss acht bis zehn Wochen aus. Stürmer Ginczek hat es gar noch schlimmer erwischt: Er zog sich einen Kreuzbandriss zu und wird den Rest der Saison fehlen.

Zwei weitere schwerwiegende Ausfälle bei den Franken, die schon länger auf Makoto Hasebe (Meniskuseinriss) und Emanuel Pogatetz (Außenbandanriss) verzichten müssen. Alleine bei Per Nilsson besteht nach seiner Kreuzbandzerrung die kleine Hoffnung, dass der Schwede am Wochenende wieder zur Verfügung stehen könnte.

Verbeek stellt ungern um

"Fünf Spieler aus meiner Basismannschaft fehlen. Das ist zu viel an Qualität, das können wir nicht auffangen", erklärte der Niederländer. In der Tat wird es in den nächsten Wochen nicht einfach für den Coach, der sein Team generell selten umbaut, eine Truppe auf den Platz zu schicken, die im Abstiegskampf bestehen kann.

Neuzugang Ondrej Petrak und Routinier Javier Pinola konnten die Ausfälle von Pogatetz und Nilsson bisher halbwegs kompensieren. Beide sind allerdings keine gelernten Innenverteidiger. Nun kommt noch die Verletzung von Chandler hinzu. Drei Viertel der Stamm-Viererkette könnten somit ausfallen. Chandlers mögliche Vertretung wird wohl Martin Angha sein.

Der 20-Jährige, der im Sommer aus der zweiten Mannschaft des FC Arsenal zu den Franken wechselte, kam bisher hauptsächlich in der Regionalliga-Mannschaft zum Einsatz. Doch Verbeek traut ihm das allemal zu. "Er ist talentiert, jetzt kann er seine Chance nutzen", sagte der 51-Jährige. 83 Bundesliga-Minuten stehen bisher auf der Habenseite des Schweizers. Und nun direkt Abstiegskampf - kein einfaches Unterfangen. Routinier Hanno Balitsch wäre die nächste Alternative.

Pekhart enttäuscht abermals

Noch schwieriger gestaltet sich allerdings der Ersatz von Ginczek im Sturmzentrum. Eigentlich würde sich dafür Josip Drmic anbieten, zumal das die ausgesprochene Lieblingsposition des 21-Jährigen ist. Doch Verbeek sieht Drmic lieber auf dem Flügel.

Bereits in der Hinrunde fehlte Ginczek wochenlang aufgrund eines Zehenbruchs. In dieser Zeit fungierte Drmic in der Club-Offensive als Alleinunterhalter. Das dürfte ihm nun wieder blühen.

Gegen den FCB kam Tomas Pekhart für Ginczek - doch überzeugen konnte der Tscheche überhaupt nicht. Es bleibt abzuwarten, ob Verbeek ihm gegen Augsburg nochmal eine Chance gibt oder doch Drmic ins Zentrum zieht. Dann könnte sein Platz auf dem rechten Flügel Robert Mak einnehmen.

Nach längerer Verletzungspause und Disziplinlosigkeiten steht auch wieder Timo Gebhart zur Verfügung. Er könnte ebenfalls auf dem rechten Flügel auflaufen, doch auch hier bleibt abzuwarten, inwieweit der Mittelfeldspieler dem Team überhaupt schon helfen kann.

Blick ist nach vorne gerichtet

Der 1. FCN könnte jetzt ins Jammertal fallen und lamentieren - das ist in der derzeitigen Situation aber nicht angebracht. Für Markus Feulner ist die Lage natürlich nicht ganz optimal, der Routinier sieht aber für die nächsten Wochen nicht schwarz: "Es ist bitter, solche Stammspieler ersetzen zu müssen, aber bei uns sind die Abläufe klar, sind die Positionen klar, wir trainieren das jeden Tag."

"Eigentlich", so räumte Verbeek Anfang der Woche ein, "sind die Ausfälle nicht zu kompensieren. Fünf Spieler kann selbst Bayern München nicht ersetzen, wenigstens in der Champions League." Aber Verbeek ist kein Mensch, der nun den Kopf in den Sand steckt. Bereits bei seinem Amtsantritt gab er die Devise aus, immer nach vorne zu schauen - auch wenn es mal Gegenwind gibt.

Außerdem haben die ersten Spiele 2014 Hoffnung gemacht. Mike Frantz ersetzte Hasebe auf der Sechs bisher zufriedenstellend und auch die Not-Innenverteidigung machte ihren Job ordentlich. Warum sollten weitere Spieler aus der zweiten Reihe nicht auch derart helfen können?

Selbstvertrauen ist mehr Wert als Qualität

Spieler wie Angha, Mak und Gebhart sind talentiert und haben jetzt wieder die Chance sich zu beweisen. Inwieweit Winter-Neuzugang Jose Campana schon eine ernsthafte Alternative darstellt, bleibt abzuwarten. Zumal auf der Position im zentralen Mittelfeld eher wenig Handlungsbedarf besteht. Es sei denn, Verbeek zieht Drmic ins Sturmzentrum und versetzt Kiyotake auf die rechte Außenbahn - dann könnte der 20-jährige Spanier zum Zug kommen.

Es ist davon auszugehen, dass sich Verbeek bis zum Augsburg-Spiel etwas einfallen lassen wird. Denn trotz der Niederlage gegen die Bayern, dem abermaligen Abrutschen auf den Relegationsplatz und der Verletzungsmisere ist die Stimmung in Nürnberg nicht am Boden. Dafür waren die Auftritte in diesem Jahr zu gut.

Der Niederländer hat es geschafft, aus der Mannschaft eine Einheit zu formen, in der viele Spieler unterschiedliche Positionen einnehmen können. Und er gab ihnen Selbstvertrauen. Trotz der vielen Ausfälle - das ist eine Komponente im Abstiegskampf, die vielleicht entscheidender ist als die Qualität der Spieler, die letzten Endes auf dem Platz stehen.

Der 1. FC Nürnberg im Überblick

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