Samstag, 18.01.2014

HSV-Boss Jarchow fordert Abgrenzug vom Verein

Trennung von Profiabteilung nötig

Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow hält beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV eine Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft mittelfristig für unabwendbar. Über entsprechende Modelle wird auf der Mitgliederversammlung des Vereins am Sonntag im Hamburger Congresscentrum abgestimmt.

Jarchow sieht den HSV für die Zukunft gut aufgestellt, vor allem wenn das Stadion abbezahlt ist
© getty
Jarchow sieht den HSV für die Zukunft gut aufgestellt, vor allem wenn das Stadion abbezahlt ist

Jarchow sagte der "Welt am Sonntag": "Ich bekenne mich nicht zu einem Modell. Grundsätzlich meine ich, dass es im Fußball möglich ist, Erfolg zu haben mit einem eingetragenem oder ausgegliederten Verein." Dennoch hält der 58 Jahre alte Klubchef eine Abspaltung der Profiabteilung vom Hauptverein für notwendig.

"Die Entwicklung des Profifußballs in den vergangenen Jahrzehnten hat dazu geführt, dass die Bundesligaklubs alle mittelständische Unternehmen sind. Es zeichnet sich ab, dass es immer schwieriger sein wird, einen Amateur- und Breitensportverein und einen wirtschaftlichen Betrieb unter einem Dach zu haben. Mittelfristig ist es unausweichlich, dass es getrennt wird. Völlig losgelöst von der Frage: Gibt es Investoren, Mäzene, automatischen Erfolg, die ein bisschen populistisch in den Vordergrund gestellt werden", sagte Jarchow und fügte an: "Die Umsätze werden weiter steigen, die TV-Gelder und auch die Sponsoringeinnahmen. Das ist mit einem eingetragenen Verein nicht mehr zu regeln."

Viele Diskussionen im Vorfeld

Bei der kontroversen Diskussion im Vorfeld der Mitgliederversammlung, die mit rund 10.000 Teilnehmern die größte in der Geschichte des Vereins werden dürfte, überwiegt aus Jarchows Sicht der Nutzen. Schädlich sei allerdings die Diskussion über die 100 Millionen Euro, "die wir als Verbindlichkeiten haben, aber in der Öffentlichkeit als Schulden deklariert werden".

Dies sei "ja nicht Geld, was wir zum Fenster hinaus geworfen haben und jetzt wieder reinholen müssen. Die 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten bestehen in dieser Höhe schon seit Jahren, in erster Linie durch das Stadion."

Der HSV sei zwar nicht liquide wie Bayern München, Dortmund und Wolfsburg, aber "weder zahlungsunfähig noch sonst was. Uns fehlt nur seit vielen Jahren die finanzielle Basis, um aus dem Vollen schöpfen zu können". Aus Jarchows Sicht ist zudem Besserung in Sicht: "Wir sind absolut zukunftsfähig, weil wir in vielen Punkten gut aufgestellt sind. Vor allem, wenn wir das Stadion abbezahlt haben. Das wird weitestgehend 2017 sein, ab dann ist die Belastung weniger als eine Million Euro pro Jahr."

Der Hamburger SV im Überblick


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