Schiri-Check 2 - Saison 2013/2014

Blackouts im Wochentakt

Von Partrick Völkner
Mittwoch, 22.01.2014 | 14:09 Uhr
Markus Schmidt blieb als einziger Unparteiischer in der Hinrunde durchweg fehlerfrei
© getty
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Phantomtore, Handelfmeter, Abseitstreffer - die Schiedsrichterleistungen geben auch in der Saison 2013/14 weiterhin viel Anlass zu Diskussionen. Im Rahmen unseres faktenbasierten Schiri-Checks analysieren wir die Entscheidungen der Unparteiischen und geben einen Überblick über ihr Leistungsniveau: Welche Referees haben enttäuscht? Wie hat sich das Leistungsniveau in den Hinrunde entwickelt? Wer sind die Top-Schiedsrichter dieser Spielzeit?

Selbst Schiri-Boss Herbert Fandel erkennt noch eine Menge Steigerungspotential: Auch in der Hinrunde ließen die Schiedsrichterleistungen mitunter zu wünschen übrig.

Das Gesamtniveau war gleichwohl absolut vorzeigbar, wurde jedoch konterkariert durch einige desaströse Darbietungen - allen voran Felix Brychs schwarze Stunde von Sinsheim. Neben zahlreichen Tiefpunkten und Enttäuschungen stechen eine positive Überraschung und Gräfes Sternstunde hervor.

Trübende Blackouts: Zahlen lügen nicht! Und dennoch bildet die Hinrundenstatistik nur einen Teil der Wahrheit ab. So zeugt die Durchschnittsnote von 2,99 bei einer Quote von 0,74 Fehlentscheidungen pro Spiel von einem durchaus ordentlichen Leistungsniveau der Schiedsrichter, das jedoch beeinträchtigt wurde durch vereinzelte, aber regelmäßig auftretende Blackouts.

Der Aufwärtstrend gegenüber der Vorsaison, zu der zum gleichen Zeitpunkt ein Notenmittelwert von 3,11 und eine Fehlerquote von 0,88 zu Buche standen, gerät denn auch in den Hintergrund angesichts einiger hanebüchener Darbietungen der Unparteiischen. Gerade die Ausreißer nach unten bleiben in Erinnerung und beeinflussen die Wahrnehmung der Bundesliga-Schiedsrichter besonders negativ.

Stellvertretend dafür steht der 4. Spieltag, an dem die Referees eine insgesamt höchst ansehnliche Gesamtperformance ablieferten (Spieltagsnotenschnitt 2,72). Die öffentliche Berichterstattung fokussierte sich jedoch vielmehr auf den schwachen Auftritt von Robert Hartmann bei der Partie zwischen Wolfsburg und Hertha (Note 4,5). Hartmann, der den Gastgebern zunächst einen Handelfmeter verweigerte, um ihnen später einen abwegigen Strafstoß zu gewähren, stand an diesem Spieltag im Mittelpunkt der Kritik und trübte mit seinem mäßigen Auftritt die soliden Leistungen seiner Kollegen.

Das Szenario wiederholte sich regelmäßig. Immer wieder wurde die im Gros annehmbaren Schiedsrichterleistungen verwässert durch einzelne desolate Darbietungen. Auch Herbert Fandel, sonst eher für rechtfertige Statements bekannt, zeigt sich selbstkritisch und sieht noch Luft nach oben. Im Hinblick auf die zahlreichen Komplettaussetzer kann man ihm da nur zustimmen.

Tiefpunkt der Hinrunde: An Bewerbungen für die Goldene Himbeere der Bundesligaschiedsrichter mangelte es dementsprechend nicht. Gleich mehrere Referees warfen ihren Hut in den Ring, zuletzt Guido Winkmann, der die Partie zwischen Braunschweig und Hoffenheim am 17. Spieltag mit seinen Entscheidungen maßgeblich beeinflusste. So erkannte er mit seinem Gespann zunächst fälschlicherweise bei Oehrls Führungstreffer auf Abseits und gab wenig später einen Strafstoß, der sich wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung und mangels Foulspiels gleich aus zwei Gründen als unberechtigt darstellte. Winkmanns auch ansonsten unsichere und konfuse Spielleitung wurde mit der SPOX-Note 6 bewertet.

Eine Woche zuvor erlaubte sich Thorsten Kinhöfer im Rahmen der Partie zwischen Hannover und dem 1. FC Nürnberg die wohl groteskeste Abseitsfehlentscheidung der letzten zehn Jahre. Mame Diouf stand bei seinem Anschlusstreffer zum 2:3 - für jedermann sichtbar - mindestens zwei Meter im Abseits. Doch weder Assistent Detlef Scheppe noch der Unparteiische erkannten den Regelverstoß. Für Kinhöfer, der bis zu diesem Zeit eine jedenfalls ordentliche Spielleitung geboten hatte, stand nach dieser geradezu absurden Fehlentscheidung die Note 5,5 zu Buche. Getoppt wurden diesen Fehlleistungen nur durch Dr. Felix Brych, der am 9. Spieltag im Spiel zwischen Hoffenheim und Leverkusen die wohl schwärzeste Stunde seiner Karriere als Bundesligaschiedsrichter erlebte. Die Verantwortung für das gegebene Phantomtor fiel dabei nicht alleine dem Unparteiischen zu.

Auch die weiteren Beteiligten, allen voran die Spieler von Bayer Leverkusen, machten in dieser Szene eine ebenso unglückliche Figur wie Brych, der an diesem Freitagabend gleich mehrfach daneben lag. Neben dem wegen vermeintlichen Abseits nicht gegebenen Volland-Treffer bleibt dabei vor allem die falsche Elfmeterscheidung zu Gunsten der Hoffenheimer in schlechter Erinnerung. Die höchst unglückliche und für Brych-Verhältnisse untypisch schlechte Darbietung markierte den Tiefpunkt der Schiedsrichterleistungen der Hinserie.

Für Brych, der sich nach einer insgesamt durchwachsenen bis schwachen ersten Saisonhälfte auf Platz 20 unserer Schiedsrichtertabelle wiederfindet, gab es unlängst gleichwohl eine positive Nachricht: Er wird als einziger deutscher Schiedsrichter bei der Weltmeisterschaft in Brasilien vertreten sein und dort hoffentlich ein glücklicheres Händchen beweisen als zuletzt in der Bundesliga.

Enttäuschung & Überraschung: Auch wenn Brych bis dato weit hinter seinen Erwartungen blieb, darf er den Titel der "Enttäuschung der Hinrunde" einem Kollegen aus seiner Heimatstadt überlassen. Der ebenfalls aus München stammende Günter Perl, dem gemeinhin der Ruf eines abgeklärten und souverän agierenden Unparteiischen vorauseilt, blieb an den ersten 17. Spieltagen zumeist weiter unter seinen Möglichkeiten.

Neben der hohen Fehlerquote von 1,3 fiel insbesondere seine unsichere und mitunter kleinliche Spielleitung negativ auf. Beispielhaft dafür stehen seine schwachen Leistungen am 2. Spieltag (Hamburg - Hoffenheim, Note 4,5) und bei der Partie zwischen Hertha und Schalke am 11. Spieltag (Note 4,0).

Entgegen seinem Image als mitunter konfuser und desorientierter Referee lieferte Markus Schmidt indes eine blitzsaubere Hinrunde ab und ist damit bislang die positive Überraschung der Saison. Als einziger Bundesliga-Unparteiischer blieb Schmidt an den ersten 17 Spieltagen ohne jeden Fehler und rangiert mit der Durchschnittsnote 2,5 auf einem geradezu sensationellen zweiten Platz. Die erste richtige Bewährungsprobe steht allerdings noch aus. So wurde Schmidt in seinen sechs Einsätzen vor keine all zu großen Herausforderungen gestellt. Es bleibt daher abzuwarten, ob er auch in einer hektischen Partie mit kniffligen Entscheidungen die Übersicht bewahrt und weiterhin fehlerfrei bleibt.

Kircher & Co.: Eine Art Liebesbeziehung schien sich im ersten Saisondrittel zwischen Knut Kircher und Borussia Dortmund anzubahnen. Für gleich drei der ersten zehn Dortmunder Partien wurde der Rottenburger Referee vom Schiedsrichterausschuss eingeteilt. Kircher pfiff die BVB-Gastspiele in Augsburg, Nürnberg und auf Schalke.

Beim Topspiel der Schwarzgelben gegen den FC Bayern am 13. Spieltag konnte man dann nicht schon wieder auf den Schwaben zurückgreifen. Gänzlich auf ihn verzichten wollte man jedoch auch nicht und berief Kircher als Vierten Offiziellen. Die Spielleitung oblag Manuel Gräfe, der einen hervorragenden Job machte und insbesondere bei der deeskalierenden Schlichtung zwischen Kevin Großkreutz und Mario Mandzukic seine ganze Klasse bewies. Allein die unterlassene Gelbe Karte gegen Marco Reus, dessen Foulspiel an Rafinha zwingend verwarnungswürdig war, trübte ein wenig die ansonsten absolut überzeugende Leistung Gräfes (SPOX-Note 1,5).

Bei Toppartien und Risikospielen griff man seitens des DFB fast ausschließlich auf renommierte Referees vom Schlage der Kirchers, Gräfes und Meyers zurück. Für Wolfgang Stark indes scheint die Zeit abgelaufen. Nur noch selten wird er für die Leitung wirklich brisanter Begegnungen eingeteilt, zumal er nach dem Skandalmatch der Vorsaison zwischen Dortmund und Wolfsburg auf absehbare Zeit nicht mehr bei BVB-Spielen zum Einsatz kommen wird.

Ein ähnliches "Schicksal" widerfuhr diese Saison auch Peter Gagelmann. Er wird nach massiven Beschwerden der Augsburger Spieler über seine abfällige Ausdrucksweise keine Partien mit FCA-Beteiligung mehr leiten. Gagelmann dürfte es verkraften.

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