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Star-Coach sucht Problem

Donnerstag, 30.01.2014 | 12:35 Uhr
Pep Guardiola (r.) brachte mit seinen Einwechslungen gegen Stuttgart den Sieg
© getty
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Nach seinem unfassbaren Last-Minute-Siegtor gehörten Bayerns Thiago nach dem Stuttgart-Spiel die Schlagzeilen. Der wahre Matchwinner des Rekordmeisters saß jedoch einmal mehr 90 Minuten auf der Bank - Pep Guardiola.

Manchmal ist die Form einer Mannschaft an der Art der Berichterstattung über selbige abzulesen. Mario Mandzukic' Ausbootung aus dem Kader gegen Gladbach, Toni Kroos' stockende Vertragsverhandlungen - es waren lange Bayerns größte "Probleme".

Da kamen so manchem Pep Guardiolas Aussagen vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart ganz recht. "Stuttgart ist ein weiterer Test für uns. Eine gute Möglichkeit, uns weiter zu verbessern", sagte der Spanier und nicht wenige legten ihm die Aussage als Abwertung des Spiels aus.

"Der Respekt ist groß"

Während einige fragten, ob er die Bundesliga schon jetzt nicht mehr ernst nehme, wussten die direkt Beteiligten jedoch genau, was der FCB Coach meinte. "Die deutsche Sprache hat ein feines Vokabular", relativierte Matthias Sammer und stellte klar: " Der Respekt ist groß."

Auch VfB-Coach Thomas Schneider wusste mit der Aussage umzugehen. Selbstverständlich sollte es keine Respektlosigkeit gegen die Schwaben sein, selbstverständlich würde das Spiel von den Bayern nicht zum Testspiel degradiert.

Doch Guardiola ist bekannt dafür, während eines Spiels zu experimentieren, Spieler zu verschieben und Systeme durcheinander zu würfeln. Der 43-Jährige schreckt nicht vor extremen Maßnahmen zurück und will Dinge ausprobieren, so sieht er seine Mannschaft noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten.

Große Probleme gegen den VfB

Ersichtlich wurde das vor allem in den ersten 45 Minuten in der Mercedes Benz Arena, als die exakt gleiche Bayern-Elf, die am Freitag mit den Fohlen keine Probleme hatte, gegen den VfB ziemlich hilflos aussah.

Das lag natürlich auch daran, dass die Stuttgarter ihrerseits eine starke Partie ablieferten, "leidenschaftlich" (Schneider) verteidigten und die Bayern vor große Probleme stellten. Sie störten das bayerische Aufbauspiel, stellten klug die Passwege zu und pressten in den richtigen Momenten.

Bayerns Ballbesitz war lange Zeit absolut nutzlos, die Passquote von 78 Prozent für FCB-Verhältnisse schwach. Hinten schwammen die Bayern zudem ein ums andere mal. Der pfeilschnelle Timo Werner konnte mit Rafinha machen, was er wollte. Auch David Alaba hatte mit Landsmann Martin Harnik große Probleme.

Qualität von und auf der Bank

"Wir waren nicht so konsequent wie sonst", attestierte Kapitän Philipp Lahm. Dennoch könne die Mannschaft "im richtigen Moment die Tore machen". Und sich abermals auf das goldene Händchen von Guardiola verlassen.

Der Spanier hatte eine sogar für ihn extreme Maßnahme parat, als er nach einer Stunde das System mit falscher Neun auflöste und mit Mandzukic und Claudio Pizarro beide nominellen Mittelstürmer brachte. Der Peruaner agierte im neuen 4-2-3-1 als hängende Spitze, während der Kroate in die Spitze ging.

Parallelen zum Dortmund-Spiel

Der Ausgang ist bekannt. Mandzukic zeigte eine starke Vorstellung und dürfte sich wieder für mehr Einsätze empfohlen haben, Pizarro traf für die Bayern zum Ausgleich und in der Nachspielzeit hob Thiago ab und vereitelte mit einem sensationellen Seitfallzieher einen Punkt für den VfB, der durchaus verdient gewesen wäre.

Guardiola traf mit den Spieler- und Systemwechseln ins Schwarze und lag dabei nicht zum ersten Mal richtig. So erinnerte das Szenario in Stuttgart stark an das Spiel in Dortmund, als Pep nach einer Stunde Thiago und Götze brachte und so den Sieg einwechselte.

Jetzt haben die Bayern 13 Punkte Vorsprung auf den erster Verfolger Leverkusen, die 50 Punkte insgesamt sind eine neue Rekordmarke. Dennoch kann Guardiola auch nach dieser Vorstellung nicht 100 Prozent zufrieden sein. Zu schludrig und schwach war der erste Abschnitt, in dem der VfB durchaus höher hätte führen können.

"Manchmal brauchen wir eine Warnung"

Doch der Coach hat ein Gespür für das, was sein Team gerade leistet. "Wenn eine Mannschaft 43 Spiele nicht verliert, das ist nicht einfach", warnte der Spanier vor der mentalen Anstrengung. "Manchmal brauchen wir eine Warnung, ein Problem, um zu reagieren. Wie heute die erste Halbzeit."

Ein großes Plus der Bayern, dass ihnen die aus ihrer Sicht fantastische Ausgangslage beschert hat, ist die gnadenlose Effektivität. Am Anfang der Saison wurden die Spiele gewonnen, obwohl das "System Guardiola" noch hakte. Jetzt braucht es nicht einmal mehr Niederlagen als Warnschuss, sondern nur schlechte Halbzeiten und den großen Kader, um Konzentration und Niveau ganz oben zu halten.

Und Last-Minute-Siege wie der gegen Stuttgart dürften das Team zusätzlich motivieren und in der Serie von mittlerweile 43 Spielen ohne Niederlage bei Laune halten. "Wie kleine Kinder" habe sich die ausgelassen feiernde Mannschaft gefreut, grinste Thomas Müller.

Der Sieg wurde vom Rekordmeister so emotional gefeiert wie zuvor vielleicht nur die Siege im UEFA-Supercup gegen Chelsea und in der Liga gegen Dortmund. Soviel zum Thema Testspiel.

Stuttgart - Bayern: Die Statistik zum Spiel

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