Der Gute-Laune-Verein

Dienstag, 28.01.2014 | 12:03 Uhr
Der FC Bayern kann seinen Vorsprung in der Bundesliga auf 13 Punkte ausbauen
© getty
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Der FC Bayern hätte nach Samstag nur noch vier Punkte Vorsprung haben können, am Mittwochabend könnten es 13 sein. Beim FC Bayern sorgt die Aussicht auf eine kleine Vorentscheidung für gute Laune. Besonders der Kapitän lebt sie vor.

Philipp Lahm ist die Akribie in Person. Der Kapitän des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft setzt sich stets neue Ziele und arbeitet gemeinsam mit Kollegen und Betreuern - derzeit sehr erfolgreich - auf sie hin.

2013 war ein "tolles Jahr", erinnert sich Lahm. Die Bayern holten jeden Titel, den sie wollten. Meisterschaft, Pokal, Champions League, Weltpokal. Auch 2014 soll auch ein tolles Jahr werden. Lahm hat sich erneut ein paar neue Ziele gesetzt. Mit dem FC Bayern sollen möglichst viele Titel verteidigt werden, im Sommer wäre der WM-Triumph mit dem DFB-Team auch mal ganz schick.

Persönliche Ziele setzt sich Lahm dagegen - zumindest öffentlich - selten: Dass er als Dreißigjähriger noch einmal auf einer gänzlich anderen Position zur abermaligen Weltklasse aufstieg, war aus Lahm-Sicht eher nicht geplant. Er fühlte sich auf der defensiven Außenbahn eigentlich ganz wohl, aber Pep Guardiola sah da noch mehr Potenzial und vor allem Bedarf im Mittelfeldzentrum.

Wie viele Spiele noch, Herr Lahm?

Dass Lahm am Freitag als Dreißigjähriger sein 300. Bundesliga-Spiel absolvierte, gehört dagegen durchaus zu den Plänen des Müncheners. 2003 gab er beim nächsten Gegner VfB Stuttgart sein Bundesliga-Debüt - mit dem klaren Ziel im Hinterkopf, irgendwann beim Stammverein FC Bayern als vollwertiges Mitglied der Mannschaft dauerhaft zu spielen.

Mit freundlicher Unterstützung von Herrmann Gerland, der den jungen Lahm Felix Magath empfohlen hatte. Elf Jahre später ist Lahm mehr als ein vollwertiges Mitglied und er hat mehr geschafft, als er sich vielleicht erträumt hatte.

Und wie viele Spiele sollen es noch werden, fragte SPOX am Montag. "Ich will noch 600 machen", sagte Lahm. "Dann hätten wir den Giggs", stellte Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick fest. Bevor das Ganze aber ernst genommen werden sollte, lachten beide munter drauflos.

"Nein, ich habe keine Marke im Visier", sagte Lahm und grinste wieder. Zumal der Verein ohnehin kein Präsent für das 300. Spiel parat hatte. "Ich muss da mit dem Klub nochmal sprechen", witzelte Lahm.

Bayern bauen Vorsprung aus

Der Bayern-Kapitän verbreitet das, was beim FC Bayern spätestens seit Samstagabend herrscht: ausgesprochen gute Laune. Der Auftaktsieg beim "Brocken" (Lahm) Borussia Mönchengladbach war schon schön genug für die Münchener, doch dann folgte auch der Samstag, an dem weder Borussia Dortmund noch Bayer Leverkusen dreifach punkten konnten: "Das war für uns nicht so schlecht, fast besser als der Freitag", so Lahm sichtlich erfreut.

Das Worst-Case-Szenario hätte den Bayern einen Vorsprung von vier Punkten auf Bayer Leverkusen beschert. Nach den letzten Ergebnissen kann der Tabellenführer nun mit einem Sieg beim VfB Stuttgart (Mi., 20 Uhr im LIVE-TICKER) mit 13 Punkten enteilen. "Das ist eine Riesenchance", sagt Lahm, "13 Punkte - das wäre riesig."

Im Vorjahr enteilten die Bayern früh genug, wurden so früh Meister, wie kein anderer vor dem Branchenprimus. Der positive Nebeneffekt: Fokussierung auf die Champions League in der heißen Phase, Kräfteschonung dank einer ausgiebigen Rotation.

Youngster auf der Bank

Auch in der aktuellen Saison hätten die Bayern nichts dagegen, früh das erste Saisonziel zu meistern, zumal sie heuer vom Verletzungspech geplagt sind. In Mönchengladbach fehlten Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Franck Ribery und eigentlich auch Arjen Robben, der erst verzögert zum Einsatz kam. Auf der Bank saßen die Youngster Mitchell Weiser, Pierre-Emile Hojbjerg und erstmals sogar Ylli Salahi.

Dass trotz aller dieser wichtigen Ausfälle auch Mario Mandzukic aufgrund schwacher Trainingsleistungen in München blieb, ist für den Kapitän kein außergewöhnlicher Zwischenfall. "Es war ja nur für ein Spiel, wir haben einen Mega-Kader, der so breit ist. Da wird es in den nächsten Wochen mehrere Härtefälle geben."

Sprich: Sind Robben, Ribery, Schweinsteiger, Martinez und Co. gänzlich fit, könnte es nicht nur einen Arrivierten treffen: "Das gehört zu einem Top-Verein dazu. Es geht bei uns nicht um die ersten Elf, um den ganzen Kader - auch da muss man erst mal reinkommen", sagt Lahm, der aber auch unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass "jeder Profi wissen muss, dass er seine Leistung bringen muss".

Lahm will "einfangen"

Trotz aller guten Laune und des sportlichen Höhenflugs: Das Leistungsklima soll beim FC Bayern nicht zu kurz kommen - mit einer wichtigen Einschränkung: "Alle Profis müssen sich dem großen Ganzen unterordnen, wenn irgendjemand ausbricht, wird es auch meine Aufgabe sein, denjenigen einzufangen", so Lahm. "Wir sprechen immer von Harmonie und von guter Stimmung. Das wird sich jetzt zeigen, wenn alle fit sind, dann muss jeder für die Mannschaft denken."

Lahm lebt diese Denke vor - und will es weiter tun, wenn auch nicht weitere 600 Spiele...

Philipp Lahm im Steckbrief

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