Sonntag, 01.12.2013

SPOX-Meinung zu den Verhältnissen in der Bundesliga

Gefährlich fürs Produkt

Karl-Heinz Rummenigge sagt, dass durch den FC Bayern München und Borussia Dortmund auch die restlichen Teams der Bundesliga besser werden. Die aktuelle Saison spricht nicht dafür. Vielmehr entwächst der FC Bayern der Liga und erarbeitet sich so eine gefährliche Überlegenheit - auch für sich selbst.

Im Mai standen sich Borussia Dortmund und Bayern München in London im CL-Finale gegenüber
© getty
Im Mai standen sich Borussia Dortmund und Bayern München in London im CL-Finale gegenüber

Natürlich hat der FC Bayern am Wochenende mal wieder neue Rekorde aufgestellt. Es vergeht ja keine Woche, in der der Triple-Sieger und sein Trainer Pep Guardiola keine Bestmarke aus der Vergangenheit knacken. Dieses Mal fiel die Marke der höchsten Punktezahl in einem Kalenderjahr (bei noch zwei ausstehenden Spielen) und die Serie an ungeschlagenen Spielen eines Trainer-Neulings in der Liga.

Die Bayern haben in dieser Saison einen weiteren Schritt zur Festigung ihrer Dominanz auf nationaler Ebene getan. Selbst Spiele mit eingeschränkter Motivation wie am Samstag gegen Eintracht Braunschweig haben nur begrenzt Stolperpotenzial. Wo früher mal eine überraschende Niederlage gegen Hansa Rostock oder Energie Cottbus stand, gibt's heute mit halber Kraft eingefahrene, überlegene Pflichtsiege. Da können auch vermeintlich enge Spiele gegen Hertha oder Mainz nicht täuschen.

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Wird die Liga stärker?

Die Lücke zwischen dem FC Bayern, Borussia Dortmund und mit Abstrichen Bayer Leverkusen sowie dem Rest der Liga ist in dieser Saison auf keinen Fall kleiner geworden. Es kommt daher überraschend, dass Karl-Heinz Rummenigge die Meinung vertritt, die Qualität der Bayern und Dortmunder ließe auch den Rest der Liga stärker werden.

Das angesprochene Potenzial an Standorten wie Hamburg oder Schalke mag durchaus vorhanden sein, wird aber schon seit Jahren nicht vollends ausgeschöpft. Und auch jetzt lassen manchmal aufkommende Ansätze nicht darauf schließen, dass diese Vereine die Lücke zu Bayern oder Dortmund in Zukunft schließen könnten.

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Chancenlos in der Europa League

Wie gut der Unterbau der Bundesliga tatsächlich ist, lässt sich an der von der UEFA zur Zweitklassigkeit heruntergewirtschafteten Europa League erkennen, wo seit Jahren Stuttgart, Gladbach, Hannover oder jetzt Frankfurt und Freiburg nur wenig Chancen auf den Titelgewinn haben. In der Champions League ist nur der FC Bayern ein regelmäßiger Gast in der K.o-Phase.

Das Dortmunder Modell kann für die Verfolger eher als Vorbild dienen als das Münchner, ist aber auch mit seinen gesamten Rahmenbedingungen nur schwer zu kopieren.

Bayern: Ein unerreichbares Vorbild

Das Konstrukt FC Bayern hat sich seinen Sonderstatus finanziell und sportlich über Jahre hinweg erarbeitet. Aber den aktuell enormen Abstand zu den restlichen Teams haben sich die Münchner erst in den letzten fünf Jahren geschaffen, als sie ihre Klubphilosophie leicht modifiziert und internationalem Topniveau angepasst haben.

Seitdem haben die Münchner für viel Geld auch internationale Topspieler verpflichtet und ihren Kader auf jeder Position mindestens einmal herausragend besetzt. Herausgekommen ist eine Mannschaft, die im Jahr 2013 alle Liga-Heimspiele gewonnen und insgesamt nur zwei Spiele (Arsenal, Dortmund) verloren hat. Ein beneidenswert gutes Team mit großem Titelhunger. Aber für die Gegner auch ein schier unschlagbares und in seiner Zusammenstellung unerreichbares Vorbild.

Auf ausgewogenes Niveau angewiesen

So weit wie jetzt war selbst der Branchenführer FC Bayern noch zu keiner Zeit in seiner ruhmreichen Geschichte der Bundesliga voraus. Bei der weitsichtigen Personalpolitik im sportlichen Bereich und im Hintergrund wähnt man die Bayern erst am Anfang einer Ära.

Die Bayern-Verantwortlichen betonen den Erhalt des Wettbewerbs in der Bundesliga auch deshalb so oft, weil selbst die Münchner in ihrer Arena auf Dauer auf ein ausgewogenes Niveau angewiesen sind.

Der Fußball lebt von seiner Unberechenbarkeit und seiner Unvorhersehbarkeit, in München geht es in - optimistisch gezählt - zehn von 17 Heimspielen der Saison aber nur noch um den Höhe des Sieges. Noch sind Spiele gegen Eintracht Braunschweig restlos ausverkauft und lange im Vorfeld überbucht, aber auf lange Sicht ist die Überlegenheit auch für die Attraktivität des eigenen Produkts gefährlich.

Der komplette Spielplan der Bundesliga

Andreas Lehner

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Andreas Lehner(Ressortleiter Fußball)

Andreas Lehner, Jahrgang 1984, ist als Head of Football verantwortlich für Inhalte und Abläufe im Fußball-Ressort. Der gebürtige Niederbayer kam 2007 nach dem Abschluss seines Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaften zu SPOX. Verantwortete zwei Jahre lang ran.de und berichtet u.a. vom FC Bayern und der Nationalmannschaft. War auch bei der WM 2014 als Reporter in Brasilien im Einsatz.

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