"Können Fans träumen nicht verbieten"

Von Interview: David Kreisl
Dienstag, 03.12.2013 | 10:27 Uhr
Patrick Herrmann (M). erzielte in der laufenden Saison zwei Tore in 13 Spielen für die Fohlen
© imago
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Spielt Borussia Mönchengladbach nächstes Jahr in der Champions League? Flügelspieler Patrick Herrmann rät zu Realismus, spricht über seine Zeit im Fohlenstall und die Wechselgerüchte um Marc-Andre ter Stegen.

SPOX: Ihr mannschaftsinterner Spitzname ist "Flaco". Wissen Sie, was er bedeutet?

Patrick Herrmann: Ich glaube, das soll so etwas wie "schmächtiger Junge" bedeuten. Juan Arango hat mir den vor zwei Jahren in der Kabine gegeben, seitdem werde ich ihn nicht mehr los.

SPOX: Die wörtliche Übersetzung wäre "Der Dürre". Ist der Spitzname für Sie okay?

Herrmann: Das ist für mich kein Problem. Ich hatte bis jetzt noch nie einen Spitznamen und so schlecht finde ich ihn auch nicht. Die Übersetzung könnte vielleicht etwas besser sein, aber das ist alles halb so wild.

SPOX: Gehen wir in Ihrer Karriere zurück, bevor es "Flaco" noch nicht gab. Es hat Sie 2008 in den "Fohlenstall" der Borussia gezogen. Was hat sie damals bewogen, sich für Mönchengladbach zu entscheiden? Schließlich hatten sie auch Angebote von größeren Klubs.

Herrmann: Gladbach war damals erst in die Bundesliga aufgestiegen. Für mich hat hier einfach alles gepasst. Die Perspektive, das Umfeld, das Stadion und vor allem das Internat. Ich habe mich sofort wohl gefühlt.

SPOX: Mit wem haben Sie sich im "Fohlenstall" am besten verstanden? In Gladbacher Kreisen spricht man noch heute von langen FIFA-Nächten.

Herrmann: Das stimmt! Wir saßen oft abends alle zusammen, haben Fernsehen geschaut und FIFA gespielt. Aber nicht nur mit einzelnen Kumpels, da waren alle aus dem Internat dabei. Das war eine super Zeit, die ich dort erleben durfte.

SPOX: Sie sind eines der Aushängeschilder der Gladbacher Jugendarbeit. Aktuell stehen mit Ihnen, Tony Jantschke, Marc-Andre ter Stegen und Julian Korb zumeist vier Eigengewächse auf dem Platz. Was läuft da bei der Borussia besonders? Worauf wird besonders Wert gelegt?

Herrmann: Wir haben in der Tat eine sehr gute Jugendarbeit. Die Jungs werden schon in den Jugendmannschaften darauf getrimmt, den Stil und das System zu spielen, wie wir in der Bundesligamannschaft. Aber natürlich ist es im Endeffekt der Verdienst des Spielers. Jeder muss hart an sich arbeiten und die Ratschläge der Trainer annehmen. Nur so schafft man es in den Profibereich. Ich denke, wir haben einige super Jungspunde hier, die den Weg schaffen können. Dass es möglich ist, haben in der jüngeren Vergangenheit ja einige bewiesen.

SPOX: Haben Sie noch Kontakt zum Nachwuchs? Gibt es ein paar Rohdiamanten in der Jugend, die sie im Auge haben?

Herrmann: Ja, es trainieren öfter Jugendspieler bei uns mit. Nico Brandenburger zum Beispiel oder auch Mahmoud Dahoud. Und auch aus der A-Jugend gibt es ein paar Kandidaten, die ein, zwei Mal die Woche bei uns mittrainieren. Natürlich ist es immer schwer vorauszusagen, wie sich einzelne Spieler entwickeln werden. Aber wir haben definitiv gute Jungs hier.

SPOX: Denken Sie, Sie hätten die gleiche Entwicklung durchlebt, wenn Sie damals zu einem anderen Verein gegangen wären?

Herrmann: Schwierig zu sagen, aber das habe ich mich auch schon gefragt. Aber es kann gut sein, dass es woanders nicht so optimal gelaufen wäre. Deshalb bin ich sehr froh, damals den Schritt nach Gladbach gemacht zu haben. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

SPOX: Sie waren von der U-15- bis zur U-21-Nationalmannschaft in jedem Jahrgang dabei. Wie groß ist Ihre Hoffnung, noch auf den WM-Zug aufspringen zu können? Ihre jüngsten Leistungen in der Bundesliga geben auf jeden Fall Anlass dazu.

Herrmann: In letzter Zeit klappt es wieder besser. Ich versuche mich natürlich immer zu präsentieren. Dass das manchmal mehr oder weniger gut klappt, ist normal. Im Endeffekt entscheidet der Bundestrainer bis nächstes Jahr, wer mit nach Brasilien darf. Bis dahin sind auch noch verdammt viele Spiele zu absolvieren.

SPOX: An deren Ende Sie sich bestimmt nicht gegen eine Nominierung sträuben würden...

Herrmann: Nein, es wäre natürlich ein riesen Traum! Ich war ja schon einmal dabei, habe aber leider noch keinen Einsatz. Von daher ist es selbstverständlich ein großer Traum.

SPOX: Ihr selbsternanntes Idol Marco Reus hat den dauerhaften Sprung zur Nationalmannschaft ja bereits geschafft. Wie würden Sie ihre Beziehung zu ihm und seinen Einfluss auf Ihre Entwicklung beschreiben?

Herrmann: Ich glaube, wir brauchen nicht darüber sprechen, was er für ein Ausnahmetalent im deutschen Fußball ist. Es ist eine Ehre, dass ich mit ihm zusammenspielen durfte und dass es mit so einem überragenden Fußballer so gut geklappt hat.

Seite 2: Herrmann über Reus, Dante und seine Zukunft

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