Donnerstag, 21.11.2013

BVB vs. FCB: Klopp und Guardiola im Vergleich

Ganz oft auch Zerstörer

Der Kracher zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (Sa., 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist auch das Duell der beiden Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola. Was haben beide vor ihrem ersten Aufeinandertreffen in der Liga gemeinsam, wo liegen die Unterschiede? Wer beherrscht welche Disziplinen des Coachings besser? Der Versuch eines Vergleichs.

Das Topspiel ist auch das Aufeinandertreffen von Jürgen Klopp (l.) und Pep Guardiola
© getty
Das Topspiel ist auch das Aufeinandertreffen von Jürgen Klopp (l.) und Pep Guardiola

Die Spielidee: Auf den ersten Blick liegen beide Trainer in etwa auf derselben Wellenlänge, was die Ausrichtung ihrer Mannschaften anbelangt. Beide lassen offensiven Fußball spielen, der viel Wert auf eine saubere technische Ausführung legt und für die Zuschauer unheimlich attraktiv wirkt.

Was dabei gerne vergessen wird: der Anfang aller Offensivbemühungen wird bei beiden im Spiel gegen den Ball gelegt. Sowohl der BVB als auch die Bayern spielen ein hohes Angriffspressing, bei entsprechender Gelegenheit schon tief in der gegnerischen Hälfte. Die Kunst des Zerstörens gehört fest zum Programm.

Dortmund generiert eine Vielzahl seiner Abschlussaktionen - übrigens die meisten aller Mannschaften in den europäischen Top-Ligen - nach einem erfolgreich durchgeführten Angriffspressing. Jürgen Klopp hat seit seinem Antritt in Dortmund vor über fünf Jahren diese Art der Gegenbewegung immer noch mehr verfeinert, seiner Mannschaft noch mehr Risiko verordnet, die Abläufe perfektioniert und vor allen Dingen unabhängig von einzelnen Personen klare Zielvorgaben formuliert.

"Es hing uns zum Hals raus, als wir 2008 mit dem Kommen von Jürgen Klopp oft eine halbe Stunde im Training ohne Ball verschieben mussten. Was wir defensiv zu tun haben, hat uns das Trainerteam regelrecht eingeimpft", sagte Nuri Sahin. "Mittlerweile macht es uns aber sogar Spaß, einen Gegner auch mal defensiv total zu dominieren."

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Guardiola hat auch in Barcelona die Defensivarbeit gleich gewichtet wie das Spiel mit dem Ball. Nur hat das die große Mehrheit nie so registriert. Dabei wurde Barca auch für einen Trainer wie Klopp, der einen ähnlichen Plan schon im Kopf hatte, zu einer Art Vorbild. Die hohen Ballbesitzzeiten Barcas rührten einerseits von einer grundlegend defensiv orientierten Gangart des Gegners, auf der anderen Seite aber auch daher, dass das komplette Kollektiv sofort und unerbittlich Druck auf den Gegner ausübte, wenn der Ball mal verloren wurde.

Der zentrale Unterschied beider Anschauungen ist das Spiel mit Ball. Dortmund schaltet in der großen Mehrzahl der Fälle sofort auf Angriffsmodus um, bedient sich seiner beiden Außenverteidiger als früher Option für den Konter, spielt raumgreifend und möglichst schnell und risikoreich den Ball vertikal nach vorne. Der klassische Überfall-Fußball, den Jürgen Klinsmann ab 2004 in der Nationalmannschaft implementiert hat.

Guardiolas Mannschaften bedienen sich auch dieses Stilmittels - allerdings trägt die Hauptlast im Offensivspiel das klassische Positionsspiel. Die Bayern haben in dieser Saison einen Ballbesitzanteil von 72 Prozent erzielt, ein fantastischer Wert. Die Borussia kommt derzeit auf knapp 55 Prozent. Während Klopp die aus dem Handball adaptierte "schnelle Mitte" bevorzugt, wollen die Münchener ihren Gegner im Zentrum so lange dominieren, bis sich am Ende einer langen Ballstafette zumeist über die Außen die Chance zum Durchbruch ergibt.

Auffällig ist dabei, dass sowohl bei Klopp als auch bei Guardiolas Mannschaften immer auch eine gewisse Asymmetrie zu erkennen ist: Die jeweils rechten Angriffsseiten lösen deutlich mehr Angriffe aus als die linke Seite. Das hängt aber insbesondere von der personellen Besetzung der Flügel ab.

"Ich mag am Fußball möglicherweise ein paar andere Dinge als er", sagt Klopp über seine Art des Fußballs im Vergleich zum Guardiola-Stil. "Dadurch arbeiten wir komplett anders." Die Bayern haben sich mit Beginn der abgelaufenen Saison unter Jupp Heynckes in einigen Passagen dem Dortmunder Stil angepasst, viele Parameter (Laufleistung, intensive Läufe, Sprints, hohes Stehen der Viererkette, frühes Nach-vorne-Verteidigen) dem Klopp-System angepasst. Und jetzt mit Guardiola jemanden von außen dazu geholt, der neue Ideen einstreut.

Dadurch erscheint der Gardiola-Fußball der Bayern unberechenbarer für den Gegner, während Dortmund an seinem grundlegenden Spiel seit geraumer Zeit wenig verändert hat. Der BVB offenbart in dieser Saison Probleme, wenn er das Spiel machen muss und der Gegner sehr tief steht. Die Kantersiege gegen den HSV, Freiburg oder Stuttgart kamen auch deshalb zustande, weil der jeweilige Gegner sich auf Dortmunds Spiel in der Defensivbewegung nicht entsprechend eingestellt hatte, sondern sein eigenes Spiel durchdrücken wollte.

Die Bayern dagegen sind in dieser Disziplin vielschichtiger, geduldiger und auf Grund ihrer überragenden personellen Besetzung jederzeit in der Lage, entsprechend zu reagieren. Auch - oder gerade im - absoluten Spitzenbereich steht und fällt jede Spielidee mit den Protagonisten, die sie ausführen sollen.

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