Mittwoch, 20.11.2013

Inside Bundesliga: 5 Klubs - 5 Personalien

Hamburgs heimlicher Lenker

Van der Vaart? Lasogga? Der Mann der Stunde beim HSV ist ein anderer. Stuttgart hofft auf das Debüt eines weiteren Youngster, während Freiburg sein Scouting-Konzept kurzfristig ändern muss.

Milan Badelj (r.) kam 2012 von Dinamo Zagreb zum Hamburger SV
© getty
Milan Badelj (r.) kam 2012 von Dinamo Zagreb zum Hamburger SV

Hamburger SV: Milan Badelj ist sicherlich einer der großen Gewinner des Trainerwechsels beim HSV. Der Kroate war zwar auch unter Thorsten Fink schon im defensiven Mittelfeld gesetzt, erreicht aber sowohl quantitativ als auch qualitativ unter Bert van Marwijk ein neues Level. Eigentlich ist Badelj gar nicht der typische Sechser, für den ihn Fink offenbar immer gehalten hatte. Kein klassischer Abräumer, eher ein Spielgestalter in der ersten Offensivlinie nach den Innenverteidigern. Sein Können und seine Sicherheit am Ball kommen seit dem Trainerwechsel immer mehr zum Vorschein, van Marwijk lobte den Strategen immer mal wieder zwischen den Zeilen.

Im allgemeinen Trubel um die Tore von Pierre-Michel Lasogga und den erstarkten Rafael van der Vaart geriet Badeljs Leistungssteigerung nur in den Hintergrund. Trotzdem bleiben starke Zahlen: Seit van Marwijks Übernahme hat Badelj keine einzige Minute mehr verpasst - davor war er in fünf Spielen viermal ausgewechselt worden. In der Bewertung des "Kicker" sich der kroatische Nationalspieler um mehr als eine ganze Note von 4,37 auf 3,25 verbessert. Van Marwijk sieht in Badelj deshalb auch den heimlichen Lenker des Hamburger Spiels. Was allerdings noch deutlich besser werden muss, ist sein Torabschluss. Badelj steht nach anderthalb Jahren in der Bundesliga bei einem mickrigen Törchen. Zumal jetzt, wo van der Vaart länger ausfällt...

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VfB Stuttgart: Diverse Arztpraxen und die Rehawelt des VfB kennt Marco Rojas mittlerweile ebenso gut wie die Business Class etlicher Fluggesellschaften. Jetzt wird es Zeit, dass der Neuseeländer auch die Spielfelder der Bundesliga kennenlernt. Rojas war erst beim VfB lange Zeit wegen eines Mittelfußbruchs außer Gefecht, und durfte - oder musste - zuletzt einmal rund um die Welt fliegen. Seit einigen Wochen ist der 22-Jährige wieder annähernd fit, also berief ihn sein Nationalcoach Ricki Herbert für die WM-Playoffs gegen Mexiko. In Deutschland ist Rojas immer noch ein völlig unbeschriebenes Blatt, in der Heimat schnappet er sich in den letzten Tagen nach dem Gewinn der Harry-Kewell-Medaille des besten U23-Spielers der australischen Liga den Titel "Ozeaniens Fußballer des Jahres".

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Die Vorschusslorbeeren sind beachtlich, jetzt will Rojas auch das zeigen, was man sich von ihm beim VfB verspricht. Die Endlos-Reise mit den Kiwis über die USA, weiter nach Mexiko, zurück in die USA, dann nach Neuseeland, weiter nach London und von da aus am Freitag zurück nach Stuttgart wird Rojas einer Berufung in den Kader gegen Mönchengladbach ziemlich sicher einen Strich durch die Rechnung machen. Immerhin bleibt dem VfB aber die Gewissheit, dass Rojas eine Stunde auf hohem Niveau durchhalten kann; im Rückspiel gegen Mexiko durfte die Nachwuchshoffnung 74 Minuten lang spielen. Das Debüt für den VfB ist endlich in greifbarer Nähe.

SC Freiburg: Im Breisgau tut sich hinter den Kulissen einiges. Vordergründig bleiben Trainer Christian Streich und seine Mannschaft trotz nur acht Punkten und Tabellenplatz 16 ruhig. Streich arbeitet im Training an den grundlegenden Dingen, viel Zeit und Muße blieb trotz der Länderspielpause nicht. Dafür ist die Personalsituation zu angespannt. Und genau deshalb wird Freiburg im Winter auch einen etwas anderen Weg einschlagen als man den vom SCF gewohnt ist. Eigentlich planen die Macher immer gerne im Voraus, suchen (und finden sehr oft) Talente mit Perspektive, die dann im Biotop langsam reifen können. Die veränderten Rahmenbedingungen veranlassen Freiburg in der anstehenden Transferperiode aber zum Umdenken. Da sollen weniger mittelfristige Lösungen gefunden werden - und dafür mehr Spieler, die der Mannschaft sofort helfen können. "Wir müssen jetzt auf Dinge reagieren, die nicht vorhersehbar waren", sagt Sportdirektor Klemens Hartenbach und meint damit die vielen verletzten Spieler, die womöglich noch bis in die Winterpause hinein ausfallen könnten. Deshalb schaue sich der SCF "mehr um als gedacht". Auf die Scouts kommt deshalb eine ganz besondere Aufgabe zu. Sie müssen ihr Arbeitsfeld anpassen, können sich nicht mehr nur auf junge, unbekannte Spieler mit Potenzial für die kommenden Jahre konzentrieren. Es müssen schnell Lösungen her, die greifen. "Talent hat unsere jetzige Mannschaft genug", sagt Hartenbach. "Wir brauchen Spieler, die nach Möglichkeit gleich Ende Januar auflaufen können, uns sofort weiterhelfen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir in der ersten Liga bleiben."

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Eintracht Frankfurt: Nach Deutschland ist Joselu mit einem sehr ordentlichen Ruf gekommen. Der in Stuttgart geborene Spanier kam von Real Madrids zweiter Mannschaft mit der Empfehlung von 40 Toren in 73 Ligaspielen in der zweiten spanischen Liga nach Hoffenheim. Unter vier verschiedenen Trainern konnte der 23-Jährige aber bis auf wenige Lichtblicke nicht sein Potenzial ausschöpfen und wurde am Ende von Markus Gisdol aussortiert. In Frankfurt sollte alles besser werden, der Start mit einem Tor im ersten Pflichtspiel (im DFB-Pokal) war verheißungsvoll. Danach ging es aber auch bei der Eintracht schnell bergab. Nur ein Spiel von Beginn an (beim 1:6 in Berlin), danach noch drei Kurzeinsätze und kein Tor in der Liga sind die magere Ausbeute. Die können auch die paar Minuten in der Europa League nicht aufhübschen. Führt man sich vor Augen, dass Frankfurt ohnehin nur drei gelernte Angreifer im Kader hat - neben Joselu noch Vaclav Kadlec und Srdjan Lakic - wirkt Joselus Zwischenbilanz ernüchternd. Trainer Armin Veh hatte ihn im August angeblich aus disziplinarischen Gründen schon aus dem Kader gestrichen. Seitdem bekommt der Spanier in Frankfurt kaum noch einen Fuß in die Tür. Trotzdem bleibt Joselu bei seiner Meinung, den Wechsel zur Eintracht zu keiner Sekunde zu bereuen. Und glaubt weiter fest an seine Chance. "Ich bin sicher, dass ich meine Einsätze bekomme."

Werder Bremen: Santiago Garcia hat sich auf Schalke im siebten Spiele die fünfte Gelbe Karte eingehandelt und fehlt am Sonntag gegen Mainz 05. Offenbar will Trainer Robin Dutt die Planstelle links in der Viererkette wie nach Garcias Auswechslung in Gelsenkirchen wieder mit Lukas Schmitz besetzen. Obwohl der 25-Jährige bei allen drei Gegentreffern eine unglückliche Figur gemacht hat, weil ihm in engen Situationen noch das nötige Timing fehlt. "Er versucht, im Training Gas zu geben und ich beobachte das", sagt Dutt und fügt an: "Er ist nominell klar die erste Option." Deshalb sollte schmitz am vergangenen Wochenende bei der U 23 wie einige andere Akteure (Tom Trybull, Davie Selke) Spielpraxis sammeln. Schließlich war Schmitz wegen eines Fußwurzelbruchs vier Monate außer Gefecht. In der Regionalliga Nord hatte Schmitz gegen Goslar (0:2) einige ordentliche Szenen, entwickelte besonders in der Offensive Druck nach vorne. Ganz der Alte ist der ehemalige Schalker aber noch nicht. Insofern wäre eine Berücksichtigung gegen Mainz auch mit einem kleinen Risiko verbunden. Sicherer erscheint die Variante, den ewigen Kämpfer Aleksandar Ignjovski links in der Viererkette zu bringen. Der ist im Offensivspiel allerdings nicht so wertvoll wie Schmitz.

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