Mittwoch, 27.11.2013

Inside Bundesliga: 5 Klubs - 5 Personalien

Letzte Ausfahrt Oldie

Hannover sucht in der Krise Halt beim Altbewährten, Steven Cherundolo soll die Wende zum Guten einleiten. In Nürnberg wackelt eine Ikone und Augsburgs Raphael Holzhauser ist ein Opfer des aktuellen Erfolgs.

Steven Cherundolo hat für Hannover 96 in 14 Jahren bereits 368 Spiele absolviert
© getty
Steven Cherundolo hat für Hannover 96 in 14 Jahren bereits 368 Spiele absolviert

1. FC Nürnberg: Seit über acht Jahren hält Javier Pinola für den Club die Knochen hin, hat mit Nürnberg so ziemlich alles erlebt, was man halt so erleben kann bei einem Klub wie dem Club: den Abstieg, den Aufstieg, den Pokalsieg. Pinola blieb damals auch, obwohl Nürnberg als Pokalsieger in die 2. Liga musste und obwohl er zahlreiche Angebote aus dem In- und Ausland hatte. Kurzum: Der mittlerweile 30-Jährige ist in Nürnberg eine Ikone. Aber selbst dieser Status feit ihn nicht davor, in dieser Saison mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Der neun Jahre jüngere Marvin Plattenhardt macht derzeit den lange ersehnten Schritt nach vorne und hat sich im Kampf um den Posten links in der Viererkette deutlich gegen sein einstiges Vorbild durchgesetzt. Unter Michael Wiesinger setzte sein persönlicher Abwärtstrend in dieser Saison ein, bei Gertjan Verbeek hat Pinola noch keine Minute gespielt. Am Wochenende musste er in der Regionalliga Bayern ran, beim 1:3 gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern deutete Pinola nicht an, dass er bald unbedingt wieder bei den Profis eingesetzt werden müsste. Der Argentinier hat beim Club noch einen Vertrag bis Sommer 2015, unter den momentanen Umständen käme ein vorzeitiger Wechsel aber nicht mehr überraschend. Angeblich hat es bereits Gespräche zwischen dem Klub und Pinolas Berater gegeben.

FSV Mainz 05: Der Auswärtstrend hält an, durch den dritten Sieg aus den letzten vier Spielen hat sich Mainz wieder ein ordentliches Polster auf die Abstiegsregion verschafft und kann bis zur Winterpause wieder ruhiger arbeiten. Ebenfalls richtig gut läuft es seit einigen Wochen wieder für Sebastian Polter. Der Zugang aus Nürnberg fand sich nach einigen Einsatzminuten zu Beginn der Saison im Oktober bei den Amateuren in der Regionalliga Südwest wieder. Die Denkpause hat dem 22-Jährigen ganz offenbar gut getan. Polter nutzte die drei Spiele in der 4. Liga nicht nur, um mit drei Toren auf sich aufmerksam zu machen, sondern öffnete seinem Trainer Thomas Tuchel insofern auch die Augen, weil der seit einiger Zeit eine offenbar bessere Position für Polter gefunden hat, als man vermuten durfte. Ausgebildet und eingekauft wurde Polter als klassischer Keilstürmer für das Angriffszentrum. Dort sieht Tuchel aber weiterhin den wuseligen Shinji Okazaki lieber - weshalb er für Polter die Position im rechten offensiven Mittelfeld freigeräumt hat. Die gestellten Defensivaufgaben erledigt Polter bisher recht gewissenhaft, in der Offensive spielt er seine Stärken jetzt eben anders aus. "Ich glaube, dass mir die neue Position ganz gut steht, weil ich die Schnelligkeit, die Wucht und die Zielstrebigkeit zum Tor habe", sagt Polter. Gegen Bremen gelang ihm mit einem akkuraten Pass in die Spitze sein erster "echter" Assist in dieser Saison. In Augsburg holte er einen Elfmeter zum Anschlusstreffer raus. Was allerdings noch fehlt, ist sein Premierentor für die Rheinhessen.

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Hannover 96: Nach sieben Spielen in Folge ohne Sieg und dem Abrutschen auf Platz 13 ist die Stimmung in Hannover im Keller. Neben den rein sportlichen Verfehlungen und einer Portion Verletzungspech macht besonders der Umstand Sorgen, dass sich die Mannschaft seit Wochen nicht mehr als solche präsentiert. Trainer Mirko Slomka hat zuletzt in Hamburg einiges umgestellt, personelle und taktische Rochaden fruchten aber nicht, wenn es innerhalb der Gruppe nicht stimmt. "Dass wir in einer ganz gefährlichen Situation sind, müssen jetzt endlich mal alle verstehen", sagt Torhüter Ron-Robert Zieler und macht damit zwischen den Zeilen auch deutlich, dass es beim einen oder anderen offenbar auch an der nötigen Einstellung fehlt. Nicht nur deshalb wird der Ruf nach einer ordnenden Hand immer lauter - zumal (Ersatz-)Kapitän Lars Stindl mit einem Muskelfaserriss in der linken Wade zwei bis drei Wochen ausfällt. Als Heilsbringer ist der eigentliche Kapitän und Oldie Steven Cherundolo (34) auserkoren.

Der hat zwar seit Mai kein einziges Spiel mehr bestritten und sich stattdessen mit hartnäckigen Knieproblemen rumgeplagt, gilt aber innerhalb der Mannschaft als unumstrittene Respektsperson. "So einen Mann muss ich bringen - auch wenn er nicht fit ist", fordert nicht nur 96-Ikone Dieter Schatzschneider. "Steven ist eine herausragende Persönlichkeit, der vor dem Spiel am Mittelkreis schon die richtigen Worte finden kann." Eigentlich ist Cherundolos Position rechts in der Viererkette mit dem soliden Hiroki Sakai ordentlich besetzt und nicht das größte sportliche Problem. Als Zeichen an den Rest der Mannschaft wird Trainer Slomka gegen Frankfurt aber über eine Nominierung Cherundolos nachdenken. Für Slomka geht es im Abstiegskampf ab sofort auch um den eigenen Job.

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Werder Bremen: Die Niederlage gegen Mainz offenbarte neben der üblichen Abschlussschwäche im Angriff und individuellen Fehlern in der Defensive abermals ein großes Bremer Problem in dieser Saison: Der Ballvortrag über die Innenverteidigung genügt nicht Bundesligaansprüchen. Besonders Assani Lukimya hat enorme Probleme, wenn er scharf angelaufen wird. Dann wird der 27-Jährige schnell hektisch. Die Folge sind über die Maßen viele unkontrollierte Abspiele nach vorne oder ein neutraler Ball, der vom Gegner dankend erobert wird. Da auch Clemens Fritz seit Wochen seiner Form hinterherläuft, hat Bremen ein veritables Problem auf der rechten Seite. Im Zusammenspiel zwischen Lukimya und Fritz tut sich für die Offensivbewegung kaum etwas, vielmehr ist diese Bremer Seite schnell als jene auserkoren, die der Gegner für ein frühes Angriffspressing nutzt. In Anbetracht fehlender personeller Alternativen berief Trainer Robin Dutt in Torben Rehfeldt am Sonntag einen U-23-Spieler in den Kader. Der 20-Jährige hat diese Saison 14 von 17 Spielen in der Regionalliga Nord von Beginn an bestritten und dabei fast immer einen vernünftigen Eindruck hinterlassen. In Anbetracht von Dutts Mut, auch mal überraschend einen Spieler aus der zweiten Mannschaft ins kalte Wasser zu werfen (Kobylanski, Lorenzen, Selke) wäre ein baldiger erster Bundesligaeinsatz für Rehfeldt gar nicht so abwegig.

FC Augsburg: Der FCA ist die Mannschaft der Liga, die am wenigsten das Personal wechselt und die derzeit aus der ersten Formation keinen verletzten Spieler zu beklagen hat. Dieser Umstand ist für Trainer Markus Weinzierl sehr erfreulich, kommt doch gerade eine qualitativ eher unterdurchschnittlich besetzte Mannschaft wie der FCA vor allen Dingen über das eingespielte Kollektiv - was die bayerischen Schwaben seit Monaten in wirklich eindrucksvoller Manier bestätigen. 16 Punkte bedeuten schon vier Spieltage vor der Winterpause das beste Vorrundenergebnis überhaupt für den FCA, Weinzierl hat also keinen Grund, irgendetwas an seiner Stammformation zu ändern. Sehr zum Leidwesen etwa von Raphael Holzhauser.

Der vom VfB Stuttgart ausgeliehene Österreicher hat seit dem 1:2 in Leverkusen vor vier Wochen keine Minute mehr gespielt. Überhaupt hat der 20-Jährige noch kein Spiel über die kompletten 90 Minuten bestritten, während seine Konkurrenten auf den Außenbahnen, Tobias Werner und Andre Hahn bisher eine ganz starke Saison spielen. Der Abwärtstrend verläuft schleichend, aber stetig: Die ersten sechs Spiele durfte Holzhauser noch beginnen, danach wurde er viermal immerhin noch eingewechselt. Seit vier Spielen ist die Bank sein Revier. Eigentlich hat Holzhauser den Schritt nach Augsburg gewagt, um Spielpraxis zu sammeln und dann gestärkt nach Stuttgart zurückzukehren - oder sogar sachte ans Tor der österreichischen Nationalmannschaft anzuklopfen. Von beidem ist er derzeit ein gutes Stück entfernt.

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