Der Jugend eine Chance?

Von Ole Frerks
Donnerstag, 24.10.2013 | 20:14 Uhr
Melvyn Lorenzen könnte beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg zum Startelf-Debüt kommen
© imago
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Nach der Verletzung von Nils Petersen muss Robin Dutt sich für eine neue Lösung im Sturm entscheiden. Zieht er Aaron Hunt weiter nach vorn oder lässt er einen der jungen Wilden von Anfang an spielen?

Robin Dutt saß am Sonntag beim "Doppelpass", als ihn die Diagnose erreichte: Nils Petersen fällt mit einem Innenband-Anriss etwa sechs Wochen aus. Auch Franco Di Santo fehlt mit einem Muskelfaserriss definitiv noch gegen Wolfsburg, eine Rückkehr gegen Hannover eine Woche später ist momentan noch nicht sicher.

Damit steht bei Werder Bremen nun kein etatmäßiger Stürmer mehr im Aufgebot. Im Sommer hatte Werder Bremen seinen Kader ausgedünnt und dabei gleich fünf Stürmer abgegeben. Denni Avdic und Marko Arnautovic wurden verkauft, Johannes Wurtz, Niclas Füllkrug und Joseph Akpala wurden für jeweils ein Jahr verliehen.

Vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg stellt sich nun die Frage, wie Dutt das kompensieren wird. Er hat bereits bewiesen, dass er auch auf junge Leute zurückgreift, als er etwa Melvyn Lorenzen und Martin Kobylanski debütieren ließ. Es ist also denkbar, dass er sich wieder bei den Bremer Jugendmannschaften bedient. Eine andere Option ist Werders "Offensiv-Kapitän" Aaron Hunt.

Hunt: Die konventionelle Lösung

Der Vize-Kapitän der Bremer genießt schon seit der Vorbereitung das vollste Vertrauen des Trainers, der ihm vorne jede Rolle zutraut. "Er entscheidet offensiv komplett alleine, welche Räume er besetzt. Wann und wo er sich anspielen lässt. Wann er sich fallen lässt, wann er in die Tiefe geht", sagte Dutt über Hunt.

Klingt in etwa wie das Anforderungsprofil für eine falsche Neun, wie sie derzeit immer mehr in Mode kommt. Zu Saisonbeginn wurde Hunt bereits als verkappter Mittelstürmer eingesetzt, ursprünglich wurde er ohnehin als solcher ausgebildet. Wirklich überzeugen konnte er auf dieser Position allerdings nicht.

Zumal er selbst Bedenken hat, ob die falsche Neun für das derzeitige Werder in Frage kommt: "Ich zweifle, ob es für uns das richtige Mittel wäre. Es kommt eher für Teams infrage, die viel Ballbesitz haben", sagte der 27-Jährige dem "Kicker".

Yildirim: Zurück in die Startelf?

Im Mittelfeld ist Hunt hingegen ein integraler Bestandteil der Mannschaft. Bei den verhältnismäßig wenigen Chancen, die sich Bremen erarbeitet (nur neun Saisontore), ist er regelmäßig als Vorbereiter oder Vollstrecker beteiligt. Will Dutt ihn weiter nach vorne ziehen, hätte er eine weitere Lücke zu füllen.

Auftritt Özkan Yildirim? Der 20-Jährige ist als gelernter offensiver Mittelfeldspieler tendenziell geeignet für die Rolle und genießt auch das Vertrauen des Trainers, der ihn gegen Borussia Dortmund sogar in die Startaufstellung nahm. Wenig später legte ihn allerdings eine Halswirbelsäulenverletzung lahm, erst am vergangenen Spieltag kehrte er für wenige Minuten am Schluss zurück aufs Feld.

Es ist fraglich, ob er schon wieder die nötige Fitness mitbringt, um von Anfang an zu spielen. Zumal Aaron Hunt mit seiner Analyse, dass die falsche Neun eher für Mannschaften mit viel Ballbesitz eine Option ist, nicht unbedingt falsch liegt. Womöglich bietet genau das eine Chance für einen Spieler, der bis vor kurzem nur absoluten Werder-Insidern ein Begriff war.

Lorenzen mit guten Chancen

Melvyn Lorenzen hat unter Dutt bereits debütiert, er kam sowohl gegen Freiburg als auch gegen Stuttgart jeweils für wenige Minuten zum Einsatz. Beim Trainer hat der 18-Jährige einen Stein im Brett, seitdem dieser ihn ein paar Mal bei der U 23 beobachtet hatte.

"Robin Dutt hat ihn live gesehen in einer Phase, als wir ein paar Mal gewonnen haben und Melvyn eine sehr gute Rolle gespielt hat. Da hat er genau abgespeichert, was Melvyn kann", erklärte U-23-Coach Viktor Skripnik, mit dem Dutt eng zusammenarbeitet, der "Kreiszeitung Syke".

Ein weiterer Einsatz ist also durchaus wahrscheinlich. Lorenzen fühlt sich eigentlich mehr auf den Außen zuhause, strahlt aber ausreichend Torgefahr aus (drei Tore in den ersten fünf Spielen in der Regionalliga). Mit seiner Physis und Größe (1,88 m) sollte er auch dem Nahkampf im Strafraum gewachsen sein.

Für Selke ist es noch zu früh

Der 19-jährige Martin Kobylanski spielte gegen den Hamburger SV sogar von Anfang an, in diesem Fall allerdings im linken Mittelfeld. Auch in der Regionalliga agiert er zumeist eher als hängende Spitze oder Linksaußen. Für die Position des Mittelstürmers hat er bei Dutt, der ihn für das Spiel gegen Freiburg nicht in den Kader berief, wohl nur Außenseiterchancen.

Florian Grillitsch ist ein weiter Name, der bereits in Verbindung mit dem Profikader genannt wurde, seitdem er in den ersten fünf A-Jugend-Spielen der Saison neun Tore erzielt hat und umgehend in die U 23 hochgezogen wurde. In der Regionalliga wartet der Österreicher allerdings noch auf sein erstes Tor, eine Einladung zu den Profis ist unwahrscheinlich.

Der Mangel an Alternativen hätte Davie Selke zur Trumpfkarte des Werder-Trainers machen können. 18 Jahre alt, ist Selke der einzige waschechte Mittelstürmer, auf den Dutt zurückgreifen kann. Für die U 23 machte er in sechs Spielen drei Tore, in Freundschaftsspielen der U-19-Nationalmannschaft waren es bei der gleichen Anzahl von Spielen sogar sechs Buden.

Mit stolzen 1,92 m Körpergröße wäre er auf dem Papier der ideale Gegenpart für die Wölfe-Innenverteidigung mit Naldo und Robin Knoche - wenn er kein gänzlich unerfahrener Frischling wäre. Dutt schloss einen Einsatz daher bereits aus: "Eine Kadernominierung für Samstag käme zu früh."

Dutt: Risiko zahlt sich aus

Not macht erfinderisch, und es wäre für ihn nicht das erste Mal, dass Dutt jungen Spielern viel Verantwortung überträgt. "Unser Trainer hat ja schon bewiesen, dass er sich das traut", sagte Sportchef Thomas Eichin.

Die Vorzüge davon erklärt Dutt selbst am besten: "Natürlich ist das ein Risiko, aber dieses Vertrauen muss ich ihnen entgegenbringen - das zahlt sich später aus." Das Spiel gegen Wolfsburg bietet eine perfekte Gelegenheit dafür.

Werder Bremen im Überblick

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