Die Daheimgebliebenen

Montag, 14.10.2013 | 20:29 Uhr
Cheftrainer auf Zeit: Erik ten Hag im Gespräch mit Josep Guardiola
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Die Säbener Straße ist in diesen Tagen etwas verwaist. 15 Spieler des FC Bayern München befinden sich auf Länderspielreise, ein Trio ist verletzt und selbst die U 23 war unterwegs. Keine ganz so leichte Zeit für die verbleibenden vier Profis und Trainer Josep Guardiola. Einen Nutznießer gab es aber.

Mario Götze hat viele Alleinstellungsmerkmale. Zumindest viele Facetten, die ihn zu einem Ausnahmespieler der deutschen Fußball-Szene machen. Der tiefe Körperschwerpunkt befähigt ihn zu einer Ballführung, die es für den Gegner ungemein schwer macht, das Leder zu erobern.

Er hat ein starkes Passspiel ob seines ausgesprochen guten Blicks für Raum und Mitspieler. Er kann sich auf dem Platz exorbitant gut bewegen. Götze ist ausgesprochen clever, die Aufgaben der falschen Neun hat er beispielsweise sofort verstanden und umgesetzt.

Es ist nicht auszuschließen, dass er sie beim FC Bayern bald regelmäßig spielt.

Jede seiner Stärken hat ihn jüngst zum teuersten Deutschen der Bundesliga-Geschichte gemacht: Noch nie überwies ein deutscher Klub so viel Ablöse für einen Spieler aus der Liga.

Wem diese Alleinstellungsmerkmale nicht genügen: Götze war am vergangenen Wochenende der einzige Profi des FC Bayern, der Dienst hatte.

Nach der gelungenen WM-Qualifikation am Freitag gegen Irland (3:0) gab Bundestrainer Joachim Löw seinem Personal bis Sonntag, 22 Uhr, frei.

Götze dagegen trainierte. Alleine arbeitete er in Köln an seiner Fitness, die nach längerer Verletzungspause Aufbauarbeit verlangt. So war es mit dem FC Bayern im Vorfeld abgesprochen.

Pause beim DFB und bei Bayern

Auch wenn man sich dort zunächst mokiert hatte, dass Götze überhaupt eingeladen wurde, war es wohl die bessere Idee, dass der 21-Jährige zu Löw fährt.

Zum einen feierte er immerhin ein Fünf-Minuten-Comeback im DFB-Dress - bekannt als beste Seelen-Medizin für jeden Fußballer - und zum anderen hätte er auch in München vereinsamt trainieren müssen. Und das sogar drei Tage lang.

Beim FC Bayern begann der Kurzurlaub nämlich schon am Freitag und endete am Montag um 16 Uhr.

Das Bild an der Säbener Straße veränderte sich danach nur unwesentlich. Das Wetter war am Montag etwas besser als zuletzt, aber Pep Guardiola durfte wieder nur vier gesunde Profis begrüßen.

14 Spieler weilen immer noch bei ihren Nationalmannschaften, Xherdan Shaqiri ist angeschlagen zurückgekehrt und in Behandlung. Thiago Alcantara, Javi Martinez und Holger Badstuber absolvieren die Reha und wären eigentlich auch auf Länderspielreise, wenn sie gesund wären.

Nur vier Profis bei Bayern

Tom Starke, Diego Contento, Rafinha und Jan Kirchhoff sind die wenigen Nicht-Nationalspieler des FC Bayern, sie sind die wenigen Daheimgebliebenen und das nicht zum ersten Mal. Dazu Lukas Raeder, der zwischen Profis und Amateure pendelt.

Dass ausgerechnet Starke (0 Minuten), Kirchhoff (41 Minuten) und Contento (90 Minuten) die wenigsten Einsatzminuten aller gesunden Bayern-Spieler aufweisen, mag dann vielleicht auch kein Zufall sein.

Rafinha hat sich immerhin aus dem Kreis der Dauerreservisten "befreien" können: Der Brasilianer spielte sich nach Philipp Lahms Umzug ins Mittelfeld in der Stammelf fest.

Für die anderen wird sich die Situation dagegen wohl nur unwesentlich verändern: Starkes Rolle ist klar. Der Torhüter ist die klare Nummer 2 hinter Manuel Neuer und die gute Seele innerhalb der Mannschaft.

Für Contento gestaltet sich die Ausgangslage als klare Nummer 2 hinter David Alaba nicht anders: Wenn der österreichische Dauerläufer überhaupt mal pausiert. Ein 90-minütiger Einsatz wie zuletzt gegen Hannover 96 stellt die große Ausnahme für den Linksverteidiger dar. Zumal sich Contento auch gegen die Niedersachsen nicht für weitere Aufgaben empfehlen konnte.

Kirchhoffs kurzer Hoffnungsschimmer

Anders mutete zunächst Kirchhoffs Situation an: Geholt als Perspektivspieler, wurde der Ex-Mainzer in den wichtigen Vorbereitungsspielen zumeist als erster oder zweiter Spieler eingewechselt.

Die sehr ordentlichen Auftritte im defensiven Mittelfeld machten aus ihm einen Geheimfavoriten auf die Rolle als Double Bastian Schweinsteigers auf der Sechs. Herausgesprungen sind zur Halbzeit der Hinrunde lediglich vier Kurzeinsätze, der längste über 18 Minuten - dazu die 15 Minuten in Manchester.

Für die Daheimgeblieben ist die Länderspielpause eine Krux: Zum einen kann Guardiola sein Aushilfspersonal fokussierter beobachten, sich noch tiefgründiger mit ihnen befassen. Zum anderen ist das Training beim FC Bayern in der Länderspielpause eine einzige Improvisation.

Am Montag ließ Guardiola Rafinha, Kirchhoff und Contento unterstützt von U-23-Spieler Lukas Grill in einer Viererkette verteidigen, wobei Rafinha und Contento ständig wechselnde Angriffe über die Außen früh unterbinden mussten. Das Zentrum hatte den jeweilig aktiven Außenverteidiger auf der Linie zu verfolgen, der gegenüberstehende Außenverteidiger musste einrücken. Es funktionierte gut - mit jedem Versuch besser. "Bravo Rafa!", "Bravo Diego", "Bravo Jan", feuerte Guardiola immer wieder an.

Das gemeinsame Tun mit der U 23 gestaltet sich aber eher derart, dass die Profis bei den Amateuren mittrainieren und nicht andersherum. Daher überließ Guardiola in den letzten Tagen die Trainingshoheit auch weitestgehend U-23-Coach Erik ten Hag, bis er am Montag hauptamtlich wieder selbst übernahm und dem nicht anwesenden ten Hag offenbar einen freien Tag gönnte.

Cheftrainer Erik ten Hag

"Es ist natürlich wunderbar, mit dem besten Trainer der Welt gemeinsam auf dem Platz zu stehen", so ten Hag über die gemeinsame Arbeit mit Guardiola, "ich nehme diese Erfahrung gerne mit, das bringt mich auch in meiner Entwicklung weiter."

Eine Nervosität war dem ohnehin ruhigen Niederländer nicht anzumerken: "Ich habe ja schon in Holland bei Twente oder PSV Eindhoven trainiert. Das sind auch Spitzenklubs."

Ten Hag bestimmte die Trainingsgestaltung, gab Anweisungen und Vorgaben. Guardiola mimte den Beobachter. Selbst ein etwaiges "Youngster-Scouting für die Profis" gestaltete sich schwierig, da auch einige Nachwuchshoffnungen bei der Nationalmannschaft weilten.

So waren Benno Schmitz, Mitchell Weiser, Vladimir Rankovic und Leopold Zingerle bei der U 20, Julian Green bei der U 19, Pierre-Emile Hojbjerg debütierte für Dänemarks U 21.

Am vergangenen Mittwoch verließen dann selbst die übrig gebliebenen Amateure den Spanier. Ten Hags Truppe fuhr für ein Testspiel nach Burghausen. Guardiola musste kurzerhand die U 19 aktivieren, um überhaupt noch trainieren zu können.

Tipps für die Teenager

Erst so kam es zur Zusammenkunft mit Lucas Scholl, Mehmets Sohn. Zumindest für ihn und die anderen Teenager hat sich die Länderspielpause der Profis gelohnt.

"Er ist ein toller Trainer. Es ist etwas ganz Besonderes, mit ihm zu trainieren", sagte Scholl der "Abendzeitung". Und bei der Gelegenheit gab es sogar ein paar Sondertipps: "Ball mit links annehmen, wenn er von rechts kommt, und umgekehrt."

Trainingstipps wollte sich neulich auch Giovanni van Bronckhorst holen. Der ehemalige Weltklasse-Linksverteidiger und langjähriger Barcelona-Weggefährte Guardiolas ist Co-Trainer bei Feyenoord Rotterdam und schaute kürzlich vorbei. Er wird wohl in Erwägung ziehen, einen zweiten Termin zu buchen, um dann das "richtige" Training zu sehen.

Bis Mittwoch muss Guardiola noch ausharren, bis er seine Profis erstmals wieder zu Gesicht bekommt - und selbst dann sind noch nicht alle verfügbar. Zumindest Mario Götze wird dann endlich wieder Gesellschaft haben.

Der Kader des FC Bayern

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