Hertha-Manager Michael Preetz im Interview

"Selten, dass Bayern auf Zeit spielt"

Von Aufgezeichnet von Fatih Demireli
Sonntag, 27.10.2013 | 20:53 Uhr
Gegen Bayern zwar verloren, dennoch haben Jos Luhukay und Michael Preetz (r.) derzeit gut lachen
© getty
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Hertha BSC bekam für den starken Auftritt beim FC Bayern viel Lob Seiten, vor allem von den Bayern-Spielern. Hertha-Manager Michael Preetz im Interview über die knappe Pleite und Berliner Bescheidenheit.

Der Mannschaftsbus von Hertha BSC stand schon mit laufendem Motor zur Abfahrt bereit, als Michael Preetz als letztes Mitglied der Gäste-Delegation die Allianz Arena verließ.

Der Sportchef des Hauptstadtklubs bewegte sich zwischen der Trauer über einen vergebenen Big Point in München und die große Zufriedenheit, dass das Überraschungsteam der Bundesliga auch beim Branchenprimus FC Bayern über weite Strecken fast ebenbürtig agieren konnte.

Im Interview gab es lobende - und Richtung Schiedsrichter Michael Weiner auch ehrliche - Worte.

Frage: Herr Preetz, wie haben Sie die Situation am Schluss zwischen Alaba und Ramos gesehen?

Michael Preetz: Ich habe es im Fernsehen noch einmal gesehen. Es gab einen klaren Kontakt, also Foul - einen Tick vor dem Strafraum, also kein Elfmeter, aber wir hatten Ronny auf dem Platz. Das hätte vielleicht noch was werden können.

Frage: Es war nicht die einzige strittige Szene in diesem Spiel.

Preetz: Es gab kurz nach der Halbzeit die Aktion zwischen Schweinsteiger und Ramos. Das war ein klares Foul. Wenn man Gelb hat, kann man da auch über Gelb-Rot nachdenken. Aber die Schiedsrichter-Leistung ist nichts, was wir bemängeln. Der Schiedsrichter hat seinen Job gemacht. Wir wissen, dass das nicht immer einfach ist. Die Schlusssituation hätte entscheidend sein können, aber es war auch kein Elfmeter. Das muss man klar sagen.

Frage: Können Sie mit dem Auftritt Ihrer Mannschaft stolz sein?

Preetz: Natürlich. Es ist sicher keine Überraschung, wenn die Bayern aufgrund ihrer individuellen Qualität gewinnen. Wir sprechen aber heute von der individuellen Qualität bei Standardsituationen. Das ist das Überraschende und sagt viel über unser Spiel aus. Ich komme seit langem hier her: So nah waren wir noch nie dran, etwas mitzunehmen.

Frage: Was hat Ihnen gut gefallen?

Preetz: Wir haben gut gedoppelt und gut umgeschaltet. Wir hatten Mut, den wir in der Vergangenheit in München nicht immer hatten. Bevor die Bayern ihre erste gute Chance hatten, hatten wir drei, vier gute Offensivaktionen. Mit ein bisschen mehr Glück führen wir höher als 1:0. Hinten heraus war es dann haarscharf, das 3:3 zu machen. Da ist sehr schade, dass es nicht geklappt hat, weil die Jungs das gut gemacht haben.

Frage: Warum war die Mannschaft diesmal so mutig?

Preetz: Wir haben in der bisherigen Saison neun von zehn Mal mutig gespielt und überzeugt. Die Mannschaft zeichnet es aus, dass sie das kann. Eine frühe Führung begünstigt das Ganze natürlich.

Frage: Viele gute Chancen, gute Feldanteile: Haben Sie Punkte liegen gelassen?

Preetz: Wir haben vorher gesagt, dass viel zusammenkommen muss, um in München etwas mitzunehmen. Und es kam viel zusammen! Wir haben eine gute Leistung gezeigt und man sieht es selten, dass die Bayern im eigenen Stadion in den letzten Minuten auf Zeit spielen. Wir werden unseren Weg weitergehen.

Frage: Haben Sie durch die Leistung Ihre Position in der Tabelle untermauert?

Preetz: Wir zielen nicht so auf die Tabelle ab. Wir haben ein Saisonziel, das wir nicht außer Acht lassen wollen. Wir wollen nächstes Jahr wieder herkommen, wenn die Arena rot leuchtet, um gegen die Bayern zu spielen.

Frage: Hätten Sie gedacht, dass es so gut läuft?

Preetz: Wir hatten vor der Saison ein Gefühl, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft haben und mit sieben, acht anderen Mannschaften mithalten können. Das Tabellenbild ist klar: Da stehen Drei für sich allein, dahinter ist es wahnsinnig eng. Man muss jede Woche an die Leistungsgrenze gehen, um in der Bundesliga zu punkten.

Hertha BSC im Überblick

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